FAZ 22.12.2025
20:01 Uhr

Offene Rechnungen: Wen Peter Feldmann mit seiner Kandidatur schwächt


Mit seiner Rückkehr in die Politik beschert Feldmann vor allem Parteien, die eine andere politische Agenda haben. CDU, FDP und auch die Grünen dürften sich über dieses Weihnachtsgeschenk freuen.

Offene Rechnungen: Wen Peter Feldmann mit seiner Kandidatur schwächt

Dass Peter Feldmann ausgerechnet zwei Tage vor Weihnachten seine Rückkehr in die Frankfurter Kommunalpolitik verkündet, mag Zufall sein, hat aber eine besondere Pointe. Weihnachten ist der Erlöser geboren. Aber für Frankfurt heißt er ganz sicher nicht Peter Feldmann. Die Mainmetropole hat keine guten Erfahrungen mit dem gestrauchelten früheren Oberbürgermeister gesammelt. Als Stadtoberhaupt war er in die Affäre um die Arbeiterwohlfahrt verstrickt. Es folgten die Abwahl und schließlich sogar eine Verurteilung wegen Vorteilsnahme im Amt. Wer gedacht hat, damit hätte sich dieses politische Kapitel erledigt, der kennt Feldmann allerdings schlecht. Sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, ist nicht seine Sache. Feldmann gilt als „schmerzfrei“ und als Selbstdarsteller mit einem großen Geltungsbedürfnis. An der Spitze der neuen Bürgerinitiative „Frankfurt – sozial!“ plant er nun die Rückkehr auf die politische Bühne und ins Stadtparlament. Naive Vorstellungen, absurde Wünsche Dem Bündnis geht es vor allem um soziale Gerechtigkeit, doch Feldmanns Vorstellung, dass hinter diesem frommen Wunsch alle Differenzen verschwimmen, mutet naiv an. Das zeigte sich beim Pressegespräch, in dem Feldmann die Gründe für seine Kandidatur erläuterte, spätestens dann, als sich ein Mitglied des Bündnisses für eine Städtepartnerschaft mit Orten in Russland und Palästina aussprach. Feldmann blieb nichts anderes übrig, als den absurden Wunsch zu verteidigen. Dabei sollte es doch eigentlich nicht um die „großen Themen“ gehen, wie Feldmann sagte, sondern vor allem um die „soziale Frage“. Es ist auffällig, dass viele Forderungen des Bündnisses aus dem Wahlprogramm der Linken und – in geringerem Maße – auch der SPD stammen könnten. Indem Feldmann mit seinem Bündnis zur Kommunalwahl antritt, schwächt er die Parteien mit ähnlicher Programmatik. Feldmann fischt in deren Teich um Wählerstimmen. Mit der SPD und den Linken hat er auch noch eine Rechnung offen, denn die Sozialdemokraten wollten ihn loswerden, und die Linke wollte ihn anschließend nicht bei sich aufnehmen. Die Menschen, für die er sich einsetzt, brauchen Feldmann allerdings nicht, weil ihre Interessen schon von den etablierten Parteien vertreten werden. Das gilt insbesondere deshalb, weil Feldmann keine Chancen hat, dass er seine Ziele verwirklichen kann. Es ist bei seiner politischen Vergangenheit völlig ausgeschlossen, dass Feldmann in Frankfurt noch einmal an einer politischen Konstellation beteiligt sein könnte, die Regierungsverantwortung übernimmt. Weihnachten ist die Zeit der Geschenke.