Diese Nachricht ist fraglos ein Schlag für die Planer der Landesgartenschau Oberhessen 2027: Bis zum Beginn der in diesem Format beispiellosen Großveranstaltung wird der geplante Neubau der Liebig-Therme in Bad Salzhausen nicht fertig. Es fehlt schlicht an der Baugenehmigung für das Vorhaben in dem kleinsten Kurort von Hessen. Nach dem Aus für den „Zukunftspark“ in Echzell in einem Bürgerentscheid bricht nun der zweite Pfeiler weg. Das ist unerfreulich. Aber dem Gelingen der diesmal von elf Kommunen statt nur von einer Stadt getragenen Landesgartenschau steht dennoch nichts im Wege. Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Ein Grund findet sich in der Landeshauptstadt. Nachdem das Land seine eigene Gartenschau monatelang vernachlässigt hatte, richtete es nach vielstimmiger Kritik im Herbst 2024 einen Runden Tisch mit Vertretern aus der östlichen Wetterau ein. Seitdem hat die Planung merklich an Fahrt aufgenommen. Im vergangenen März legte das Land dann noch eine Million Euro drauf. Es begegnete auf diese Weise der mehrfach gerügten offensichtlichen Unterfinanzierung der Gartenschau im Vergleich zum Hessentag und dem hessischen Beitrag zur nächsten Bundesgartenschau. Das hat etliche Gemüter besänftigt und das Vorurteil, im politischen Wiesbaden interessiere sich niemand für diesen Teil von Oberhessen, in den Hintergrund geschoben. Mittlerweile summieren sich die Fördergelder für Vorhaben rund um die Großveranstaltung auf gut 27 Millionen Euro. Dieser Betrag reicht fast an das Versprechen der alten schwarz-grünen Landesregierung heran, gut 30 Millionen Euro zu investieren. Eingeworben worden sind allein 45 sogenannte Leader-Projekte, mit denen die Europäische Union und das Land den ländlichen Raum fördern. Eine beispiellos große Zahl für die vernachlässigte östliche Wetterau. Die Mittel kommen dem Backhaus in Merkenfritz ebenso zugute wie einem Begegnungsplatz in Ranstadt, dem Dorf-Carsharing in Ortenberg oder auch einem Teil im neuen Bürgerpark in Büdingen. Anders gesagt: Sie dienen den Menschen am jeweiligen Ort. Das ist so gut. Denn die Landesgartenschau Oberhessen ist als Infrastrukturprojekt ausgeflaggt. Also als Großveranstaltung, die weit über die sechs Monate lange Schau ausstrahlen soll, die im April beginnt. Ein Pluspunkt ist auch der wohltuende Einfluss auf die Gemeinschaft. In den teilnehmenden Gemeinden und Kleinstädten finden so viele Menschen zusammen wie vielleicht niemals zuvor, wie Einheimische sagen. Allein dafür lohnt sich die Landesgartenschau Oberhessen.
