FAZ 26.01.2026
19:52 Uhr

Ölsardinen-Kochbuch: Delikatessen aus der Dose


Die Ölsardinen der Marke Nuri werden noch immer in traditioneller Handarbeit hergestellt. Jetzt gibt es ein fabelhaftes Kochbuch mit mehr als 50 originellen Rezepten mit den Premiumkonserven.

Ölsardinen-Kochbuch: Delikatessen aus der Dose

Sardinen aus der Dose gibt es seit Anfang des 19. Jahrhunderts. So richtig Fahrt aufgenommen hat die Produktion der öligen Fischkonserven aber erst von 1880 an, als in Portugal und Kalifornien die ersten Sardinenfabriken gebaut wurden und der Dosenfisch zu einem weitverbreiteten Konsumgut wurde. In Frankreich, Spanien und Portugal sind Konserven mit Sardinen, Thunfisch, Makrele, Tintenfisch und allen möglichen anderen Meerestieren auch heute noch sehr beliebt, in Marseille, Barcelona oder Lissabon gibt es Dutzende Geschäfte, die ausschließlich Fischkonserven führen und alle möglichen Qualitätsstufen und Zubereitungsarten anbieten. Manche Anbieter wie La Belle-Iloise, Ortiz oder Jose Gourmet haben bei Feinschmeckern geradezu Kultstatus – aber die bekannteste Marke ist weltweit sicher Nuri der Fischkonservenfabrik Pinhais & Cia nahe der portugiesischen Hafenstadt Porto. 1920 gegründet, ist das Unternehmen seit 2016 Teil der österreichischen Glatz-Gruppe und insbesondere für seine Premiumsardinen bekannt, die nach wie vor ausschließlich traditionell verarbeitet und veredelt werden. Als Hommage – und wohl auch als Marketinginstrument – hat Jakob Glatz, der den Wiener Lebensmittelgroßhändler mit seinen vielen Marken in vierter Generation führt, nun im Brandstätter-Verlag „Das große Nuri Sardinen Kochbuch“ herausgegeben. Und all jene, die der Dosendelikatesse des Traditionshauses ohnehin verfallen sind, werden das gut 200 Seiten starke, üppig und ansprechend bebilderte Werk lieben. Allerdings ist das Buch kein echtes Kochbuch. Es ist eher ein Sardinen-Lesebuch mit Rezepten. Aber das schmälert das Vergnügen nicht im Geringsten. Gut, mitunter gleiten die Texte tatsächlich ein bisschen zu sehr in den Beweihräucherungsduktus ab. Interessant sind die Kapitel zur Sardine, ihrem Fang, der Versteigerung und der eigentlichen Produktion sowie den Zutaten, die am Ende mit dem Fisch in die Dose kommen, trotzdem. Und auch jene Leser, die es nur auf die Rezepte abgesehen haben, kommen auf jeden Fall auf ihre Kosten. Ob es nun die Nuri-Kroketten, der Nuri-Niçoise-Salat, die Nuri-Meatballs, der Nuri-Burger oder der Nuri-Brotaufstrich sind – wer Ölsardinen mag, wird unter den mehr als 50 sehr verständlich und schnörkellos beschriebenen Rezeptideen sicher schnell seinen persönlichen Favoriten finden – und sich beim Nachkochen vielleicht von der mit einem QR-Code am Ende des Buches zugänglichen Nuri-Playlist beschallen lassen. Mehr Sardine in Buchform geht nicht.