Für diejenigen, die bei der Fortbewegung in der Rhein-Main-Region auf Busse und Bahnen angewiesen sind, ist das Jahr 2025 alles andere als ein gutes. Man könnte von einem „annus horribilis“ für die leidgeplagten Fahrgäste sprechen. Zugausfälle sind beinahe alltäglich geworden, Verspätungen eher die Regel als die Ausnahme, und die Information über solche Unzulänglichkeiten lässt extrem zu wünschen übrig, weil sie gemeinhin zumindest zu spät, oft fehlerhaft oder gar nicht erfolgt. Besserung ist leider auf absehbare Zeit nicht in Sicht. RMV-Geschäftsführer Knut Ringat sprach in einem Brandbrief an die neue Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla, jüngst von einer besorgniserregenden Entwicklung auf der Schiene. Wenn an entscheidenden Stellen jetzt nicht schleunigst umgesteuert werde, drohten weitere Qualitätseinbußen insbesondere für den Nahverkehr. Das Maß des Erträglichen, konstatiert Ringat, sei für die Fahrgäste bereits deutlich überschritten. Es drohe ein langfristiger Imageschaden für den ÖPNV und der Verlust von Kunden, die künftig wieder mit dem Auto statt mit Bus oder Bahn fahren würden. Generelle Überlastung der Infrastruktur Paradoxerweise sind es gerade die seit einigen Jahren verstärkten Bemühungen, den ÖPNV attraktiver zu machen, die für Engpässe sorgen. Langfristig lässt sich die unzureichende Qualität im Schienenverkehr der Rhein-Main-Region, die maßgeblich auf die Überlastung der Infrastruktur zurückzuführen ist, nur durch einen forcierten Ausbau verbessern. Entscheidend ist dabei die Achse Fulda–Frankfurt–Mannheim, weil deren Wirkung weit über die Region hinausreicht und für das gesamte deutsche Schienennetz von Bedeutung ist. Gleichzeitig führt die schiere Menge von Baustellen – rund 26.000 allein in diesem Jahr im deutschen Bahnverkehr – unweigerlich zu Verzögerungen und Streckensperrungen. Angesichts des unbestreitbaren Nachholbedarfs bei Sanierung und Ausbau der Infrastruktur wird der öffentliche Nahverkehr in Rhein-Main noch lange in einer Art Warteschleife verharren. Vermutlich erst Mitte des nächsten Jahrzehnts und mit Abschluss einiger der derzeit laufenden großen Bauprojekte ist mit spürbaren Verbesserungen zu rechnen. Mehr als der Status quo ist derzeit nicht zu garantieren – wenn überhaupt. Eine bittere Nachricht für die täglich rund 2,5 Millionen Fahrgäste des RMV. Ihnen drohen jetzt weitere bittere Jahre.
