FAZ 26.02.2026
17:42 Uhr

OberKlasse-Fahrzeuge: Deutschland verliert bei den Luxusautos


Teure Luxuslimousinen garantierten lange Zeit hohe Gewinne und Löhne für deutsche Autokonzerne. Doch nun sind Luxus-SUV gefragt, die im Ausland gebaut werden.

OberKlasse-Fahrzeuge: Deutschland verliert bei den Luxusautos

Der Kern der Wertschöpfung deutscher Automarken ist gefährdet: Die Produktion von Luxusautos, die hohe deutsche Löhne in der Metallindustrie finanziert und rechtfertigt, wandert zunehmend ins Ausland. Als Spitzenprodukte deutscher Premiummarken galten lange Zeit die Luxuslimousinen, und sie produzierten bisher auch üppige Gewinnmargen. Der Umstand, dass deutsche Hersteller bisher solche teuren Autos in großer Zahl herstellen konnten, verschaffte ihnen auch wichtige Skaleneffekte und Qualitätsvorteile gegenüber ausländischen Luxusmarken, die oft nicht über die Produktionszahlen einer Manufaktur hinauskamen und mit Problemen mit lückenhafter Qualität zu kämpfen hatten. Doch die Bedeutung der Luxuslimousinen nimmt ab. Mit den Absatzzahlen der Premiumautos deutscher Marken schrumpft auch der deutsche Wertschöpfungsanteil am Markt der Luxusautos. Zugleich steigt im Segment der teuren Luxusautos der Anteil von SUV, auch die Nachfrage nach Luxus-SUV deutscher Marken, doch die werden zum allergrößten Teil nicht in Deutschland gebaut. Wachstum nur in ausländischen Fabriken Diese Tendenzen ergeben sich aus Zahlen des Datenspezialisten S&P Global Mobility, die für die F.A.Z. aufbereitet wurden. Darin zeigt sich, dass 2005 die Produktion von Luxuslimousinen und Luxus-SUV in Deutschland mit 171.000 noch in etwa gleichauf lag mit der Auslandsproduktion von rund 192.000. In den zwanzig Jahren bis 2025 wuchs die Inlandsproduktion anfags mäßig und ist zuletzt geschrumpft, während die Produktion von Luxusmodellen deutscher Marken im Ausland während des gleichen Zeitraums auf das Vierfache gewachsen ist. Eine Ursache besteht darin, dass BMW und Mercedes schon während der Neunzigerjahre die Herstellung von luxuriösen SUV-Modellen in den USA begonnen haben. Befördert wurden diese Standortentscheidungen durch die seit den Sechzigerjahren von den USA eingeführten Einfuhrzölle auf Pick-ups und SUV, zum anderen durch die große Verbreitung von SUV in den Vereinigten Staaten. Audi wiederum hatte seine Produktion aus Kostengründen in Bratislava in der Slowakei aufgebaut. Die Mercedes G-Klasse wird in Österreich gefertigt. Fast alle Luxus-SUV werden im Ausland gebaut Zu den einzigen Luxus-SUV, die in Deutschland gebaut werden, gehörte für fünfzehn Jahre der in Leipzig gefertigte Porsche Cayenne, doch seit 2017 ist die Fertigung der dritten Generation des Cayenne ebenfalls nach Bratislava ausgelagert worden. Damit bleibt in Deutschland nur noch die Produktion des großen Elektro-SUV BMW iX. Dessen Fertigung passte nicht zur SUV-Fabrik von BMW in den Vereinigten Staaten, da dort Elektroautos bisher nicht gefragt waren. Daher hatte BMW den iX in Deutschland auf eigener Plattform als kleine Spezialserie geplant. Das bedeutet nicht automatisch, dass das elektrische Luxus-SUV von BMW künftig in Deutschland gebaut wird. BMW hat für das relativ kleinere Elektro-SUV iX3 aus der oberen Mittelklasse eine neue Fabrik in Ungarn eröffnet. Im Markt der Luxuslimousinen zeigt der Vergleich der Daten für 2015 und 2025 jedoch drastische Veränderungen für die traditionellen Verbrennermodelle von Mercedes, BMW und Audi. Die Mercedes S-Klasse hat in zehn Jahren mehr als die Hälfte ihres Absatzes verloren, der Siebener-BMW ein Viertel, der Audi A8 mehr als zwei Drittel. Nur der Porsche Panamera, mehr Sport- als Luxuslimousine, konnte auf dem Markt wachsen. Die Verluste der Verbrennermodelle konnten neue Produkte mit rein elektrischem Antrieb nicht ausgleichen. Im verkleinerten Markt der Luxuslimousinen gebe es aber immer noch einen großen Abstand zwischen Mercedes, BMW und Audi, sagt Henner Lehne, Chef der Autosparte bei S&P Global Mobility. „Dieser Teil des Marktes heißt ja nicht umsonst das S-Klassen-Segment.“ Nach Meinung von Lehne werden es BMW und Audi weiterhin nicht schaffen, die Absatzzahlen der Mercedes S-Klasse einschließlich ihrer Derivate (etwa AMG und Maybach-Versionen) zu überholen. Deutsche Luxusautos haben es in China nun schwer Alle drei deutschen Modelllinien der Luxuskategorie stoßen auf Schwierigkeiten in China, dem international größten Luxusmarkt. „Im chinesischen Markt wird gerade Premium und Luxus neu definiert, und die Wirtschaft schwächelt etwas“, urteilt Lehne. Die neuen Elektromodelle des Segments seien bei chinesischen Autokäufern erst recht nicht auf Gegenliebe gestoßen. Lokale Anbieter von Premium-Elektroautos hätten dagegen stark zugelegt. Entscheidend sei in diesem Markt die Kompetenz bei Software und Technologie, sagt Lehne von S&P Global Mobility. Dabei können die traditionellen deutschen Luxusmarken nicht mehr auf den früheren Vorsprung zählen. Damit verbunden ist für die an Luxuspreise gewöhnten deutschen Marken dann großer Preisdruck. Die in den Zahlen abzulesende Verschiebung der Nachfrage von Luxuslimousinen in Richtung Luxus-SUV begründet Lehne mit den Worten: „Die SUV stehen Limousinen in Bezug auf Luxus, Ausstattung und Fahrkomfort in nichts nach und sind in den Top-Ausführungen mittlerweile ein genauso großes Statussymbol, wie es die Limousinen einst waren.“ Die frühe Auslagerung in die USA hat sich gelohnt Der klassische Markt für SUV sind die Vereinigten Staaten. Dort hätten die deutschen Hersteller eine starke Position im Luxus-Segment, ergibt die Analyse von Henner Lehne. Da profitierten die deutschen Hersteller auch von hoher Zahlungsbereitschaft. Die Fabriken von BMW in Spartanburg, South Carolina, und von Mercedes in Tuscaloosa, Alabama, schützen die deutschen Hersteller teilweise vor den Turbulenzen um Trumps Einfuhrzölle für die Vereinigten Staaten. Die Märkte für Luxusautos entwickelten sich generell auseinander, sagt Lehne. Indien etwa biete langfristige Chancen, allerdings keine kurzfristigen Verkaufszahlen. Im kleinen Marktsegment für Luxusautos seien zweistellige Wachstumsraten zu beobachten. Die ausländischen Anbieter stünden aber vor hohen Importzöllen. Gefragt seien vor allem SUV, weniger traditionelle Luxuslimousinen. In anderen asiatischen Märkten jenseits von China und Indien gebe es eine starke Wahrnehmung von deutschen Luxusmarken, aber auch immer mehr Wettbewerb über Technologie und auch die Preise. Kann es den Konzernen BMW und Volkswagen bei der Vermarktung von Luxusautos helfen, dass sie auch die Eigner von Rolls-Royce und Bentley sind, Marken, die noch immer als Super-Luxus angesehen werden? Nach Ansicht von S&P Global Mobility sind selbst diese früher international verehrten Marken für den Absatz deutscher Luxusprodukte nur begrenzt nützlich. Rolls-Royce und Bentley würden ja von gewöhnlicheren Produkten bewusst abgegrenzt. Durch die Verwendung von Gleichteilen mit deutschen Luxusprodukten könnten die deutschen Konzerne zwar am Ende höhere Margen erzielen. Generell laufe alles wieder auf das gleiche Prinzip hinaus: Gefragt sei weniger die traditionelle Marke, mehr Innovationsführerschaft, und dieses Feld ist umkämpfter denn je.