FAZ 19.01.2026
10:33 Uhr

Notstand ausgerufen: Tote nach Sturm auf Gefängnis in Guatemala


Die Welle von Gewalt in Guatemala reißt nicht ab. Nach einem niedergeschlagenen Gefängnisaufstand hat der Präsident nun den Notstand ausgerufen.

Notstand ausgerufen: Tote nach Sturm auf Gefängnis in Guatemala

Nach der Tötung von acht Polizisten in Guatemala durch kriminelle Banden hat der Präsident des Landes einen 30 Tage dauernden Notstand ausgerufen. Die Maßnahme helfe im Kampf gegen Bandenkriminalität in dem zentralamerikanischen Land, erklärte Guatemalas Präsident Bernardo Arévalo am Sonntagabend (Ortszeit). Der Notstand setzt das Versammlungsrecht außer Kraft und erlaubt Festnahmen und Vernehmungen ohne richterliche Anordnung. Die Maßnahme muss noch von dem von der Opposition kontrollierten Kongress des Landes genehmigt werden. Der Präsident des Kongresses, Oppositionsführer Luis Contreras, rief zur Einheit auf, um „einen der schmerzhaftesten und schwierigsten Momente“ in der Geschichte des Landes zu bewältigen. Die guatemaltekische Regierung gab bekannt, dass die Schulen am Montag landesweit geschlossen blieben. „El Lobo“ wurde festgenommen Die Tötungen der Polizisten ereigneten sich in der guatemaltekischen Hauptstadt Guatemala-Stadt und in umliegenden Gebieten. Die Sicherheitskräfte seien von „Kriminellen“ getötet worden, erklärte die Polizei. Zehn weitere Polizisten seien bei den Angriffen verletzt und ein mutmaßliches Bandenmitglied getötet worden. Die Welle der Gewalt war nach der Stürmung eines von Häftlingen kontrollierten Gefängnisses hochgeschlagen. Dort hatten Häftlinge am Samstag ‍randaliert und Geiseln genommen, ‍um Privilegien für ihren Anführer zu erpressen. Bei dem Einsatz wurde der als „El Lobo“ bekannte Anführer der Bande Barrio 18, Aldo Duppie, festgenommen. Die Bande Barrio 18 war im Oktober ‌vom Kongress zur Terrorgruppe erklärt worden, kurz nachdem die USA sie ‍als ausländische Terrororganisation eingestuft hatte. Ihr Anführer „El Lobo“ verbüßt Haftstrafen von insgesamt rund 2000 Jahren. ‍Er ist mit der Nichte der ehemaligen First ⁠Lady Sandra Torres verheiratet, die bei drei Präsidentschaftswahlen unterlag. Die Regierung werde nicht mit den Bandenmitgliedern verhandeln, sagte Guatemalas Innenminister Marco Antonio Villeda. „Ich schließe keine Pakte mit Banden. Ich bin fest entschlossen, die Rechtsstaatlichkeit aufrechtzuerhalten.“ Man habe mit Präsident Bernardo Arévalo gesprochen und werde gemeinsame Einsätze mit der Armee starten, um die städtischen Zentren zu sichern. Der Direktor der Nationalen Zivilpolizei, David Boteo, rief die Bevölkerung auf, zu Hause zu bleiben. Er schloss in einem Interview nicht ⁠aus, dass Bandenmitglieder auch Zivilisten angreifen könnten. Der Schulunterricht am Montag wurde landesweit abgesagt.