FAZ 03.02.2026
15:39 Uhr

Norwegens Kronprinz Haakon: Ihm bleibt nur Schadensbegrenzung


Über viele Jahre waren die Nor­weger stolz auf die Patchworkfamilie im Königshaus. Doch nun steht der Stiefsohn des künftigen Königs vor Gericht – und seine Ehefrau taucht in den Epstein-Files auf.

Norwegens Kronprinz Haakon: Ihm bleibt nur Schadensbegrenzung

Früh schon hat der künftige König von Norwegen die große Last der monarchischen Verantwortung zu spüren bekommen. Viel früher als die nur ­etwas älteren damaligen Kronprinzen Felipe in Spanien, Willem-Alexander in den Niederlanden und Frederik in Dänemark. Sie sind längst gekrönte Staatsoberhäupter, Haakon hingegen wartet noch als Thronfolger hinter seinem Vater Harald V. auf seine ­Krönung. Den König aber hat er schon oft vertreten müssen, denn sein Vater ist seit vielen Jahren gesundheitlich schwer angeschlagen. Über Wochen musste der damals 30 Jahre ­alte Haakon erstmals 2003 die Pflichten des Staatsoberhaupts übernehmen, König Harald war an Blasenkrebs erkrankt. 2005 sprang der Sohn ein weiteres Mal für den nun herzkranken Vater ein, wieder meh­rere Monate lang. So ging es weiter bis zum Frühjahr 2024, als Harald V. auf einer Reise in Malaysia ins Krankenhaus kam und wieder lange ausfiel. Harald V. ist Europas ältester Monarch Der ­König, Europas ältester Monarch, der am 21. Februar 89 Jahre alt wird, fühlt sich dennoch an sein Versprechen aus dem Jahr 1991 gebunden, ein Leben lang zu dienen. Spekulationen über eine vorzeitige Abdankung – wie sie etwa nach dem Rückzug seiner Cou­sine zweiten Grades, der dänischen Königin Margrethe II., zugunsten ihres Sohns Frederik vor zwei Jahren aufkamen – weist er zurück. Haakon hatte es leichter als die ­anderen genannten Kronprinzen, sich die Frau an seiner Seite auszu­suchen, die er wollte. Und das obwohl Mette-Marit Tjessem Høiby einen unehe­lichen Sohn in die Ehe brachte, dessen Vater ein verurteilter Straftäter war. Den Kampf, die Frau zu heiraten, die man liebt, hatte sein Vater schon für ihn ausgefochten: Harald musste neun Jahre warten, bis er schließlich 1968 die Zustimmung Olavs V. bekam, die aus bürgerlichen Verhält­nissen stammende Sonja Haraldsen heiraten zu dürfen. Er steht vor seiner größten Bewährungsprobe Haakons Mutter vor allem soll ihren Sohn und dessen künftige Frau unterstützt haben, und auch ­Harald stand fest zu Mette-Marit, die sich die Zuneigung ihrer Lands­leute und das Wohlwollen der Medien allerdings erst erarbeiten musste. Über viele Jahre waren die Nor­weger stolz auf die Patchworkfamilie im Königshaus. Kümmernisse waren bisher die fragile Gesundheit der Kronprinzessin und zuletzt besonders ihr Sohn Marius, dem gerade in Oslo der Prozess wegen mutmaßlicher Vergewaltigungen und anderer Delikte gemacht wird. Nun liegt ein noch größerer Schatten auf der Königsfamilie: die Verbindung Mette-Marits zum verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein. Haakon steht die schwerste Bewährungsprobe bevor. Auf die Frau an seiner Seite wird er sicher nicht verzichten. Ihm bleibt nur Schadensbegrenzung und die Hoffnung, dass die Norweger zu ihm stehen werden, wenn er schon bald wirklich König sein wird.