Nur wenige Wochen nach seiner Gründung ist der nordrhein-westfälische Landesverband der AfD-Jugendorganisation Generation Deutschland (GD) vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall eingestuft worden. Die GD habe eine deutliche Schnittmenge zum Personenkreis der Vorgängerorganisation Junge Alternative (JA), deren Agenda sie nach eigenem Bekunden folge, hieß es am Freitag vom Verfassungsschutz. Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte, es bestünden „gewichtige Anhaltspunkte“ dafür, dass es sich bei der Generation Deutschland NRW de facto um eine Fortführung des Personenzusammenschlusses Junge Alternative NRW (JA NRW) handele, der sich im März 2025 formell aufgelöst hatte. „Wer glaubt, mit der Generation Deutschland hätte sich was geändert, täuscht sich“, sagte Reul. Im Kern handele es sich um die alte Organisation mit neuem Namen. „Die Generation Deutschland NRW sagt es selbst: Der Geist der Jungen Alternative soll in der GD weiterleben“, äußerte Reul. Der Verfassungsschutz habe sich das in den vergangenen Wochen ganz genau angeschaut und eine Fortführung der seit Ende 2023 in NRW als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuften JA NRW festgestellt. „Unsere Sicherheitsbehörden wissen sehr genau, mit wem sie es zu tun haben, und lassen sich durch ein neues Label nicht vom Inhalt ablenken.“ Die Einstufung fällt mitten in einen Grundsatzstreit Die Entscheidung des Verfassungsschutzes fällt in eine Phase der verschärften inneren Konflikte in der nordrhein-westfälischen AfD. Als der nordrhein-westfälische Landesverband der GD Mitte Januar in Iserlohn gegründet wurde, setzte sich mit Luca Hofrath ein Mann des völkischen Lagers an der Spitze durch, obwohl der AfD-Landesvorsitzende Martin Vincentz das verhindern wollte. Der 26 Jahre alte Hofrath war zuvor in der aufgelösten JA aktiv, die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft worden war. Zudem zählt er zum Lager des rechtsextremen Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich aus Dortmund, einem Intimfeind von Martin Vincentz, der in Iserlohn noch nicht einmal ein Grußwort sprechen durfte und die Gründungsversammlung der GD vorzeitig verließ. In der nordrhein-westfälischen AfD tobt schon seit Monaten ein erbitterter Machtkampf zwischen dem Lager um Vincentz und dem völkisch-nationalistischen Anhängern des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke. Verstärkt wird der Konflikt durch persönliche Animositäten und diverse Affären um Filz, Vetternwirtschaft und Überkreuzbeschäftigungen. Am Samstag und Sonntag findet in Marl ein Landesparteitag statt, auf dem die beiden Bundestagsabgeordneten Fabian Jacobi und Christian Zaum als Doppelspitze gegen den AfD-Landesvorsitzenden Vincentz antreten. Auch eine Rede von AfD-Bundessprecherin Alice Weidel ist angekündigt. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) hatte die JA als gesichert rechtsextrem eingestuft. Anfang 2025 beschloss die JA ihre Selbstauflösung. Dieser Schritt ging zurück auf einen Beschluss des AfD-Bundesparteitags, die bisher eigenständige JA durch eine neue Organisation zu ersetzen, die eng an die AfD gebunden ist. Die Partei sollte damit größeren Einfluss auf den Nachwuchs bekommen. Begründet wurde die Auflösung auch mit dem drohenden Risiko eines Vereinsverbots. Weil die Parteijugend nun Teil der Partei ist – nur AfD-Mitglieder können in der GD sein –, gibt es laut BfV keine eigene Einstufung der Nachwuchsorganisation mehr. Sie wird somit als Teil der Gesamtpartei vom BfV als rechtsextremistischer Verdachtsfall bearbeitet. Im Landesverband Nordrhein-Westfalen der AfD werden die Teilstrukturen „Völkisch-nationalistischer Personenzusammenschluss innerhalb der Alternative für Deutschland (AfD), ehemals ‚Flügel‘“ sowie von nun an die Generation Deutschland NRW als Verdachtsfälle beobachtet.
