In der Welt von Real Madrid gibt es keine achtbaren Niederlagen. Das musste nun auch Xabi Alonso erfahren. Beim 2:3 im Finale des spanischen Supercups gegen den FC Barcelona hatte Real zwar so gut gespielt, dass sich die meisten Beobachter zunächst einig waren, dass der Trainer nun sicherlich erst mal weitermachen dürfte. Die Niederlage „gibt dem ehemaligen Leverkusener Trainer die Chance, im Amt zu bleiben“, schrieb die spanische Sportzeitung „As“, da war das Spiel kaum zu Ende. Am Montagabend meldete der Verein dann aber doch, dass man sich „in gegenseitigem Einvernehmen“ von Alonso getrennt hat. Der als Spieler im Klub hochdekorierte Spanier ist als Trainer gescheitert. Schon seit Wochen wurde in Spanien über Alonsos Demission spekuliert. Mitunter schien es, als würde die Klubführung nur auf den richtigen Zeitpunkt warten. „Xabi Alonso wird immer die Zuneigung und Bewunderung aller Madridistas genießen, denn er ist eine Legende von Real Madrid und hat stets die Werte unseres Vereins vertreten“, hieß es nun in der Mitteilung: „Real Madrid wird immer sein Zuhause sein.“ Als Nachfolger präsentierte Real umgehend den früheren Profi Álvaro Arbeloa, der die zweite Mannschaft trainiert hatte und mit Alonso einst als Spieler gemeinsam für Madrid aufgelaufen war. Die hohen Erwartungen an Alsonso wurden enttäuscht Nach dem verlorenen Supercup hatte Alonso noch versucht, nach vorne zu blicken: „Mit dem Ergebnis sind wir natürlich nicht zufrieden, aber wir können auch positive Sachen mitnehmen“, sagte er. Zweimal gelang seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit durch Vinícius Júnior und Gonzalo der Ausgleich, nachdem für Barcelona Raphinha und Robert Lewandowski getroffen hatten. Nur auf den zweiten Treffer von Raphinha Mitte der zweiten Halbzeit hatte Real dann keine Antwort mehr. „Wir waren bis zum Schluss im Spiel und hatten die Chancen, um auszugleichen“, sagte Alonso, der behauptete, „auch Stolz“ zu empfinden. Für einen Trainer von Real Madrid mochte sich das hemdsärmelig anhören, gemessen am Auftritt seiner Mannschaft im Halbfinale gegen Atlético (2:1) war die Leistung gegen Barcelona aber ein echter Fortschritt. Doch auch, wenn die Supercopa laut Alonso der „unwichtigste Wettbewerb“ ist, war das 2:3 gegen den Erzrivalen am Ende eine Niederlage zu viel. In der Meisterschaft verspielte seine Mannschaft im Herbst ihren Vorsprung und liegt nach der Hinrunde vier Punkte hinter Barcelona. In der Champions League ist man nur Siebter, die direkte Qualifikation fürs Achtelfinale ist in Gefahr. Die hohen Erwartungen, mit denen Alonso im Sommer vorgestellt wurde, hat er enttäuscht. Die Brandherde in der Kabine Neben den unbefriedigenden Ergebnissen wurde Alonso zur Last gelegt, in seiner kurzen Amtszeit etliche Brandherde geschaffen zu haben. Vor allem das Verhältnis zu Vinícius Júnior galt als belastet. Besonders offen trat der Bruch während des Ligaspiels gegen Barcelona zutage, als der Brasilianer nach seiner Auswechslung wütete und nur unter größten Anstrengungen beruhigt werden konnte. Real gewann 2:1, aber in der Sportpresse bestimmte Vinícius’ Verhalten den Diskurs. Beim Supercup machte der Brasilianer nun etwas, was er seit Wochen nicht mehr für nötig gehalten hatte. Er spielte sehr ordentlich Fußball, was ihm ein Lob seines Trainers einbrachte. „Er hat ein tolles Spiel gemacht“, sagte Alonso. Als er den Stürmer nach 85 Minuten vom Platz nahm, gab es dieses Mal keine Begleiterscheinungen. Vinícius war aber nur eine Personalie von vielen, mit der sich der Trainer herumschlagen musste. Auch Jude Bellingham und Federico Valverde äußerten in regelmäßigen Abständen ihren Unmut über ihre Rollen. Mit den ausgeprägten persönlichen Befindlichkeiten seiner Stars umzugehen, schien den Konzepttrainer Xabi Alonso immer mehr Kraft zu kosten. Mit ungläubigem Blick und offenem Mund war er manchmal an der Seitenlinie zu sehen, wenn Vinícius mal wieder jegliche Defensivarbeit verweigerte. Zumal dieser nicht der Einzige war. Der falsche Klub für Alsonso? Alonso kennt die Real-Kabine aus seiner Zeit als Spieler, aber als Trainer war er solch ein Verhalten bisher nicht gewohnt. In Leverkusen folgten ihm die Spieler und verlangten nach Input. Reals Fußballer wirkten davon eher genervt. Ein Thema, so berichteten das spanische Medien, sollen Alonsos lange Videositzungen gewesen sein, für welche die Spieler wenig übrig hatten. Wir haben die Champions League auch ohne langes Herumsitzen gewonnen – so lautete angeblich die überwiegende Meinung dazu. Nicht wenige vermissten demnach die Freiheiten, die sie unter Alonsos Vorgänger Carlo Ancelotti genossen. Nach einem halben Jahr Alonso dominierte im Madrider Umfeld wieder die Haltung, dass Real doch ein Klub der Spieler sei, nicht der Trainer. Xabi Alonso wirkte in dieser Umgebung nicht nur wie ein Lehrer, dessen Schüler des Lernens überdrüssig sind. Er musste sich am Ende auch fragen, ob er an anderer Stelle besser aufgehoben wäre. „Projekte brauchen Zeit“, sagte Alonso nach der Supercopa noch. Sein Projekt bekam diese Zeit nicht mehr.
