FAZ 27.11.2025
08:58 Uhr

Niederlage beim FC Arsenal: Die Bayern sind doch nur die Nummer zwei


Bei der ersten Saisonniederlage gewinnt der FC Bayern eine bittere Erkenntnis. Vor allem ein Problem müssen die Münchner dringend lösen. Doch Kimmich erkennt auch eine Parallele, die Hoffnung macht.

Niederlage beim FC Arsenal: Die Bayern sind doch nur die Nummer zwei

Die beiden Mannschaftsbusse des FC Bayern standen abfahrtbereit vor dem Stadion im Norden Londons, Spieler und Trainer saßen längst auf ihren Plätzen, aber die Ausfahrt war noch nicht freigegeben. Erst eine gute Stunde nach Spielschluss durften sie losfahren. Manchmal geht eben alles schief. Allerdings dürfte die Münchner die kleine Abreise-Panne schnell vergessen haben, das Champions-League-Spiel davor gegen den FC Arsenal, die 1:3-Niederlage, lässt sich dagegen nicht so leicht abschütteln. „Wir haben uns ans Siegen gewöhnt“, gab der Klubchef Jan-Christian Dreesen nach der etwas verspäteten Ankunft der Mannschaft beim traditionellen Mitternachtsbankett zu. 17 der 18 Spiele in dieser Saison gewannen die Bayern, sie wurde gelobt in ganz Europa für ihre Spielweise und schon in Herbst zum Titelfavoriten in der Champions League erklärt. Aber seit Mittwoch weiß Europa, wissen die Münchner, dass es eine Mannschaft gibt, die noch besser ist und jetzt auch die Vorrundengruppe der Champions League anführt. Arsenal hat den FC Bayern niedergerungen, mit hoher physischer Präsenz, fast perfektem Pressing, ihren stets gefährlichen Eckbällen und am Ende auch spielerisch. „Es war auf jeden Fall eine verdiente Niederlage“, gab Joshua Kimmich zu. Eine, die aber in der Champions-League-Vorrunde kaum Folgen dürfte. „Wenn wir unsere Hausaufgaben machen, dann werden wir da souverän durchgehen“, ist Kimmich sicher. Trainer Vincent Kompany will sogar schon kurz nach dem Schlusspfiff bemerkt haben, „dass die Jungs schon wieder Hunger haben auf das nächste Spiel“, das am Samstag (15.30 Uhr/im F.A.Z.-Liveticker zu Fußball-Bundesliga und bei Sky) gegen den FC St. Pauli in der Bundesliga. „Chaos kannst du nicht verteidigen“ Was in Paris Anfang des Monats so gut funktioniert hatte wie Zweikampfverhalten, den Gegner in der eigenen Hälfte unter Druck setzen, giftig, hungrig auftreten, klappte am Mittwoch im Emirates Stadion kaum. „Nicht mutig und aktiv genug mit dem Ball und gegen den Ball physisch nicht auf der Höhe“, fasste Kimmich die bayerischen Defizite zusammen. Es mag eine Momentaufnahme sein, eine Frage der Tagesform, aber nach dem vielbeachteten Auftritt in Paris, haben sich in den vergangenen Wochen ein paar Fehlerchen eingeschlichen. Dass die Bayern gegen Arsenal bereits das fünfte Gegentor nach einem Standard bekommen haben, sollte einerseits zu einer Überprüfung des eigenen Abwehrverhaltens in diesen Situationen führen, andererseits ist Arsenal berühmt für seine Eckbälle. „Sie machen Chaos, und Chaos kannst du nicht verteidigen“, sagte Sportvorstand Max Eberl. Das Chaos vor dem 1:0 sah so aus, dass Manuel Neuer ein wenig geschubst wurde, aber nur so viel, dass der Schiedsrichter nicht eingriff. Allerdings verlor der Torwart etwas die Balance, deshalb ist er beim Treffer von Jurrien Timber nur sehr bedingt schuldfähig. Anders zu bewerten war seine Beteiligung bei mindesten zwei der vier Gegentore in den beiden Spielen davor aus. Und auch den dritten Treffer von Arsenal in der zweiten Hälfte, muss er sich ankreiden lassen. Neuer hatte sich entschieden, den herbeieilenden Gabriel Martinelli weit vor dem Strafraum in einen Zweikampf zu zwingen, allerdings kam er gar nicht dazu, weil der Gegner den Ball einfach an ihm vorbeispielte und dann ins leere Tor schoss. Dazwischen hatte ein sehenswerter Angriff, den Lennart Karl mit dem Ausgleich abschloss, die Münchner hoffen lassen, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen. Aber nach der Pause führte ein Fehlpass von Dayot Upamecano zur erneuten Arsenal-Führung durch Noni Madueke.  Bayern-Trainer Vincent Kompany lobt das „starke Game-Management“ der Londoner. „Sie sind unglaublich gut darin, das Spielmomentum zu kontrollieren.“ Eberl hofft auf Lerneffekt Joshua Kimmich zog Parallelen zu einer bedeutenden Niederlage vor gut einem Jahr. Damals waren die Münchner auf ihrem Weg mit Kompany erst am Anfang, aber aus dem Spiel gegen den FC Barcelona „haben wir auch sehr mitgenommen, sehr viel gelernt“, sagt der Mittelfeldspieler. Tatsächlich war das damals noch sehr ungleiche Duell mit der Mannschaft des ehemaligen Bayern-Trainers Hansi Flick eine kleine Zäsur. Kompany hatte anschließend den sehr riskanten Spielstil etwas korrigiert. „Auch jetzt“, findet Kimmich, „wird es wichtig sein, dass wir den nächsten Schritt in unserer Entwicklung machen.“ Auf einen Lerneffekt hofft auch Eberl, vor allem mit Blick aufs nächste Frühjahr, wenn Niederlagen nicht nur wie dieses Mal zum Verlust der Tabellenführung in der Vorrunde führen können, sondern zum Ausscheiden aus dem Wettbewerb. „Solche Spiele“, sagte der Sportvorstand, „werden in der K.o.-Runde auf uns zukommen. Mit solchen Gegnern und solchen Kalibern.“