Wer die guten Vorsätze für das neue Jahr schon wieder vergessen oder aufgeschoben hat, der hat mit Beginn der Fastenzeit eine gute Gelegenheit, um sie doch noch aufzugreifen und seinem Körper etwas Gutes zu tun. Der Verzicht auf Alkohol und Süßigkeiten fällt in dieser Zeit leichter, denn die Neujahrsempfänge sind vorüber, und bei Familienfeiern kann man auf sein Sieben-Wochen-ohne-Programm verweisen. Das allerdings ist eine lange Zeit, weshalb sich viele für eine kürzere Kur entscheiden – entweder als Auftakt für ein längeres Programm oder aber stattdessen. In jedem Fall kann sich der Verzicht lohnen. Am besten, man verzichtet für eine Weile gleich ganz auf das Essen – oder zumindest weitgehend. Damit kann man für seine Gesundheit allerhand erreichen. So ist es in der Medizinwelt inzwischen anerkannt, dass Fasten Verbesserungen unter anderem bei entzündlichen Gelenkerkrankungen, Bluthochdruck und Diabetes Typ 2 bringen kann. Auch die Psyche kann offenbar profitieren, was an der Frankfurter Uniklinik derzeit in einer Studie nachgewiesen werden soll, für die noch Teilnehmer gesucht werden. Biologische Verjüngung möglich Nach Berichten aus den vergangenen Jahren soll das Fasten sogar zu einem längeren Leben verhelfen können. Denn es fördert die als Autophagie bezeichnete Zellreinigung, soll entzündungshemmend wirken und die Bildung neuer Stammzellen ankurbeln, wie der Facharzt für Naturheilkunde und Ernährungsmedizin Andreas Michalsen von der Berliner Charité in vielen Publikationen berichtet. Großen Auftrieb hat das Thema durch eine 2024 veröffentlichte Studie des kalifornischen Altersforschers Valter Longo bekommen. Dieser hat an seinen Probanden, die für einen längeren Zeitraum jeweils fünf Tage im Monat eine Diät mit 600 bis 800 Kalorien mit zuckerarmen pflanzlichen Speisen machten, gezeigt, dass diese Diät zu einer biologischen Verjüngung um etwa zweieinhalb Jahre führte. Ob man dadurch allerdings tatsächlich länger lebt, muss noch weiter erforscht werden. Dass man aber besser lebt, davon sind viele überzeugt. Auch diejenigen, die zum Fasten in die Klinik der Ärzte Jürgen und Martin von Rosen kommen. Die überzeugten Naturheilkundler bieten verschiedene Programme dazu in ihrer Klinik in Gersfeld in der Rhön an, die der 87 Jahre alte Jürgen von Rosen 1981 gegründet hat. In der Klinik, die inzwischen der 57 Jahre alte Sohn Martin leitet, werden verschiedene Fastenmethoden angeboten, flankiert durch Anwendungen wie Leberwickel und einstündiges Liegen unter einer Art Dusche, um den Lymphfluss anzuregen. „Es ist unser Abwassersystem“, erklärt Martin von Rosen. „Aber das Lymphsystem hat keinen eigenen Motor – Bewegung, Atmung, Singen, Tanzen bringen es in Gang“, ergänzt der Vater. Den Fastenexperten geht es nicht darum, dass ihre Kurgäste schnell ein paar Pfunde loswerden, sondern darum, gesünder zu leben und zu „entschlacken“. Ein Begriff, der in der Medizin umstritten ist, weil er aus der Kohleindustrie stammt. Für die Ärzte der Rosen-Klinik aber erscheint er angemessen, denn es gehe darum, im Fett- und Bindegewebe eingelagerte Stoffe loszuwerden. Das wird heute oft eher als Detox bezeichnet. „Etwa 80 Prozent unserer Immunzellen liegen im Darm“ Dabei steht für die beiden überzeugten Anhänger der Erkenntnisse des österreichischen Arztes Franz Xaver Mayr, des Erfinders der F.X.Mayr-Kur, der Darm im Mittelpunkt. Und sie sehen sich durch die Erkenntnisse der vergangenen Jahre über die Bedeutung des Darm-Mikrobioms für die Gesundheit und das Immunsystem bestätigt. „Etwa 80 Prozent unserer Immunzellen liegen im Darm“, hebt Martin von Rosen hervor. Darum sei es so wichtig, den Darm gesund zu halten und ihm die Chance zu einer Neujustierung durch eine Kur zu geben. Allerdings sollte man sich für eine Fastenkur nach ihrer Einschätzung mehr als nur ein paar Tage Zeit nehmen. Früher seien für eine Mayr-Kur meist 40 Tage angesetzt worden, heute nehme sich kaum noch jemand so viel Zeit dafür. Das Minimum seien eigentlich drei Wochen, doch auch das sei für viele nur schwer durchzuhalten. Und es ist auch eine finanzielle Frage, wenn man die Kur in einem entsprechenden Institut absolviert. Denn die Preise für Fastenkuren liegen je nach Begleitprogramm und Ausstattung in der Regel bei etwa 200 Euro am Tag. Die Prinzipien der Mayr-Kur werden in der Gersfelder Klinik auch deshalb besonders geschätzt, weil sie nicht nur helfen können, den Darm zu regenerieren, sondern auch das bewusste Essen schulen. Denn bei der Kur, bei der die Nahrung in der Rosen-Klinik im Wesentlichen aus Dinkelbrötchen und Pflanzenmilch oder Schafmilchjoghurt besteht, muss jeder Bissen intensiv gekaut werden. „Damit Verdauung schon im Mund ansetzt“, wie sie sagen. Viele Menschen hätten verlernt, zu kauen. Dabei sei das langsame Einspeicheln die erste Form der Verdauung. „Wer richtig kaut, dem reicht oft die halbe Portion“ Hinzu komme noch ein weiterer Aspekt, der auch langfristig helfen könne, gesünder und schlanker zu bleiben: „Wer richtig kaut, dem reicht oft die halbe Portion“, so Jürgen von Rosen. Er propagiert auch, sich an die Regel zu halten, die in Japan hochgehalten werde: „Immer nur so viel essen, bis man zu 80 Prozent gesättigt ist.“ Das Problem vieler Menschen sei darüber hinaus nicht nur, dass sie zu viel, sondern auch zur falschen Zeit äßen. Wenn die Hauptmahlzeit erst am Abend gegessen werde, helfe auch ein Intervallfasten nicht, sagt der Klinikchef, der sich auch als Präsident des Deutschen Naturheilbunds engagiert. Üppige Portionen Pizza, Wurststullen oder ein Schnitzel am Abend belasteten den Organismus. Wer sich nach dem Abendessen nicht mehr bewege, sondern nur auf die Couch wechsele, der riskiere, dass die Nahrung nicht ordentlich verdaut werde und übel riechende Gase entwickle. Das sei ein Zeichen für die Bildung von Giftstoffen, die auch dazu führten, dass man schlecht schlafe und morgens gerädert aufwache. „Wir essen zu viel, zu schnell, zu spät“, sagt Martin von Rosen, „und wundern uns, dass wir krank sind.“ Nicht umsonst, sagt der ältere der beiden Ärzte, werde schließlich von jeher die Regel ausgegeben: „Morgens wie ein Kaiser, mittags wie ein König, abends wie ein Bettelmann.“ Das sollte vor allem beim Intervallfasten beachtet werden, das nach Martin von Rosen ebenso mit 16 wie mit 14 Stunden Essenskarenz funktionieren kann. Fasten kann man nach Ansicht der Ärzte, deren Klinik mit 22 Plätzen, wie sie sagen, ohnehin fast immer mit Stammgästen ausgebucht ist, in vielen Formen, zu Hause ebenso wie bei Fastenwanderungen oder Hotelangeboten - vorausgesetzt, man sei gesund. Unter ärztlicher Aufsicht ist es nach ihrer Darstellung auch bei diversen Krankheiten hilfreich. Regelmäßiges Fasten ist nach ihrer Ansicht, nicht als Verzicht zu betrachten, sondern als Akt der Selbstfürsorge. Die gängigsten Fastenmethoden Heilfasten: Bei Heilfastenkuren, die mindestens fünf, in der Regel aber zehn bis 20 Tage dauern, nimmt man keine feste Nahrung zu sich. In der Regel sind lediglich Wasser, Kräutertee, Gemüsebrühe und vielleicht etwas Saft erlaubt. Nach den meisten Empfehlungen sollte man schon vor dem Beginn Entlastungstage mit reduzierter Kost einplanen. Zum Abschluss gibt es Aufbautage, bei denen der Körper langsam wieder an das Essen gewöhnt wird. Saftfasten: Dabei besteht die Nahrung ausschließlich aus Gemüse und Obstsäften, zudem sind Tee und Wasser erlaubt. Auch hier werden eine entsprechende Vorbereitung und ein langsamer Wiedereinstieg ins Essen empfohlen. Es gibt zahlreiche Angebote mit entsprechenden Saftpaketen. Experten raten allerdings, dass man darauf achten muss, dass der Anteil an Fruchtsäften möglichst niedrig sein sollte, weil viele Früchte zu viel Zucker enthalten. Mayr-Kur: Die auch als Milch-Semmel-Diät bekannte Fastenmethode, die der österreichische Arzt Franz Xaver Mayr entwickelt hat, soll den Darm entlasten und so zur Regeneration beitragen. Gegessen werden altbackene Brötchen mit Milch oder Joghurt. Entscheidend ist das Kauen von mindestens 30 Mal bei jedem Bissen. Es geht nicht um eine Diät zum Abnehmen, sondern um Entlastung des Verdauungstrakts und Veränderung des Essverhaltens. Intervallfasten: Hier gibt es verschiedene Modelle wie 16:8 oder 14:10, aber auch 5:2. Bei den ersten beiden bedeutet das, 16 oder 14 Stunden zu fasten und innerhalb von acht bis zehn Stunden zu essen oder aber an fünf Tagen normal zu essen und an zwei Tagen stark kalorienreduziert oder ganz ohne feste Nahrung. Die Effekte des Intervallfastens werden unterschiedlich bewertet. Die Essenspausen sollen sich positiv auf viele Bereiche auswirken. Die Barmer Krankenkasse berichtet von Studien, die gezeigt haben, dass Intervallfasten den Blutdruck senken, die Cholesterinwerte regulieren und vor oxidativem Stress und Entzündungen schützen kann. Ob es langfristig beim Abnehmen hilft, ist umstritten. Entscheidend dafür sei, was in den erlaubten Zeiten gegessen werde. Scheinfasten: Scheinfasten ist eine in der Regel fünftägige Kur, bei der etwa 800 bis 1200 Kalorien je Tag in Form von kleinen pflanzlichen Mahlzeiten erlaubt sind. Das soll dazu führen, den Stoffwechsel in einen Fastenmodus zu versetzen und die als Autophagie bezeichneten zellulären Reinigungsprozesse zu erreichen, ohne komplett zu hungern. Gegessen wird überwiegend pflanzlich und eiweißarm, zum Beispiel Gemüse, Nüsse, Hülsenfrüchte und in Maßen pflanzliche Fette. Im Englischen heißt das Konzept „Fasting Mimicking Diet“ und wurde wissenschaftlich vor allem von dem kalifornischen Mediziner Valter Longo im Zusammenhang mit der Langlebigkeitsforschung beschrieben. Wichtige Hinweise: Fasten ist nicht für jeden geeignet, daher ist eine vorherige Klärung mit dem Hausarzt oder Kurarzt angeraten.
