FAZ 05.02.2026
15:05 Uhr

Niagara-Fälle: So spektakulär zeigt sich der Winter selten


Auch wenn sie nicht ganz zugefroren sind: Das Naturschauspiel, das die berühmten Niagara-Fälle im Nordosten der Vereinigten Staaten durch den arktischen Kälteeinbruch derzeit bieten, ist atemberaubend.

Niagara-Fälle: So spektakulär zeigt sich der Winter selten

Atemraubender zeigt sich der Winter selten. Während der arktische Kälteeinbruch in den Vereinigten Staaten selbst eher warme Regionen wie den Südstaat Florida mit Minustemperaturen, Schnee und Stromausfällen heimsucht, hat er die ­Niagarafälle im Nordosten des Landes in ein eisiges Naturschauspiel verwandelt. Bei Temperaturen von bis zu minus 45 Grad sind Teile der Wassermassen zu Eiszapfen erstarrt, haben sich zu Schneebergen getürmt und als Eisschollen bizarre Formationen gebildet. Der „Hufeisen-Fall“, die größte der Kaskaden an der amerikanisch-kanadischen Grenze, liegt unter einer festen Eisschicht. Nur ­einige Wasserströme drücken sich durch das Weiß. Dass das Wasser unter der überfrorenen Kruste weiterrauscht, ­erklären Meteo­rologen auch mit der Wassermenge. In den Wintermonaten fließen jede Minute etwa 85 Millionen Liter über die Felsvorsprünge der Niagarafälle. Die „Frozen Falls“, die seit Tagen Tausende Besucher in den Bundesstaat New York oder die kanadische Provinz Ontario ­ziehen, wirken zwar erstarrt, sie sind es aber nicht. Angela Berti, die Sprecherin des Niagara Falls State Park, erinnerte derweil an Winter, in denen der Frost noch schlimmer war. Im Jahr 1938 froren die American Falls, einer der drei Wasserfälle, auf der ganzen Breite zu. Auch zwei Jahre ­zuvor war das Rauschen der Kaskaden bei Minustemperaturen vorüber­gehend verstummt. „Das bemerkenswerteste Frost­erlebnis gab es aber 1848. Damals froren alle drei Wasserfälle ein“, sagte Berti der Zeitung „USA Today“. Um die zur Stromgewinnung genutzten Wasserfälle vor gefrorenen Barrieren zu schützen, wurde Mitte der Sechziger zum ersten Mal der „Ice Boom“ installiert. Die mehr als 2,5 Kilometer lange Stahl­konstruktion verhindert, dass Eismassen aus dem Eriesee in den ­Niagara-Fluss und zu den Kaskaden wandern. Dennoch zählen die ­ „Frozen Falls“ zu den eindrucksvollsten Winterlandschaften ­Amerikas – auch wenn sie nur fast zu­gefroren sind.