FAZ 26.11.2025
10:35 Uhr

Newcomer Lennart Karl: „Ein bisschen Hype“ um den neuen Bayern-Jungstar


Lennart Karl schickt sich an, beim FC Bayern zum Schlüsselspieler zu werden. Mit seiner forschen Art macht der Siebzehnjährige auf und neben dem Platz Eindruck. Bremsen will ihn dabei in München niemand.

Newcomer Lennart Karl: „Ein bisschen Hype“ um den neuen Bayern-Jungstar

Das vielleicht größte Kompliment kam zuletzt von einem nur ein paar Jahre älteren Mitspieler. Aleksandar Pavlović, 21 Jahre alt, gehört beim FC Bayern selbst zu jenen Talenten, die es früh in den Profi-Kader, dann in die Stammelf und schließlich in die deutsche Nationalmannschaft geschafft haben. Nicht ganz so früh allerdings, wie Lennart Karl gerade seinen Aufstieg beginnt. Und über diesen Siebzehnjährigen schwärmte Pavlovic nun also. „Mit so viel Selbstvertrauen“, sagte er, „habe ich in diesem Alter noch keinen Mitspieler erlebt.“ Karl spielt unbekümmert und ist mutig – und so gibt er sich auch außerhalb des Spielfeldes. „Ich brauche keine Angst vor Gegenspielern zu haben“, hat er einmal gesagt. Da hatte er gerade ein paar Spiele bei den Profis hinter sich. Mittlerweile ist es ohnehin so, dass die Gegenspieler ihn fürchten müssen. Dass sich Karl, der beim 6:2 am vergangenen Samstag gegen Freiburg leicht angeschlagen ausgewechselt worden war, für das Champions-League-Spiel an diesem Mittwoch beim FC Arsenal (21.00 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Champions League und bei DAZN) selbst fit meldete, hat zum einen etwas mit seinem Selbstbewusstsein zu tun, aber andererseits auch damit, dass er dabei ist, vom Ergänzungs- zu einem Schlüsselspieler aufzusteigen. Es waren am vergangenen Samstag er und Michael Olise, die die Bayern nach einem 0:2-Rückstand wieder zurück in die Spur brachten. Anders als zuvor rasant aufgestiegene Talente, die die Bayern bewusst von Mikrofonen und Fernsehkameras fernhalten, wird Karl nicht gebremst. Man wolle ihn schon noch schützen, sagt Trainer Vincent Kompany, „aber nur ein bisschen“. Der Belgier hat in diesem Fall auch gar nichts gegen etwas Lobhudelei. „Wenn ein bisschen Hype kommt, ist das okay.“ Er, Karl, solle das genießen. Karl will Verantwortung übernehmen – und kann es auch Kompany hatte ihn bisher nicht in Spielen eingesetzt, die eng waren oder von denen man dachte, dass sie eng werden könnten. So saß Karl gegen Chelsea und Paris St. Germain nur auf der Bank, und in der Bundesliga gegen Augsburg und Dortmund. Der Druck liege nicht auf den Jungen, sondern „die Erwartung ist immer, dass die erfahrenen Spieler die Siege holen“, hatte Kompany am Saisonbeginn gesagt. Die sollen Erfahrungen sammeln, aber sind nicht dafür zuständig, Partien zu drehen. Mittlerweile gehört Karl zu jenen Spielern, die auch Verantwortung übernehmen wollen und es vor allem können. So ein unerschrockener Auftritt macht ihn auch zu einem Kandidaten für die Partie in London, bei der es um die Tabellenführung in der Champions-League-Vorrunde geht. Karls forsche Töne passen zu seiner Leistung – oder umgekehrt. Dass er mittlerweile als Kandidat für die Nationalmannschaft gilt, scheint für ihn ebenso wenig unangebracht zu sein wie die Vergleiche mit Lionel Messi. Weil er den mehrmaligen Weltfußballer selbst einmal als Vorbild bezeichnet hat und eine ähnliche Statur hat sowie ebenfalls ein Linksfuß ist, findet er, dürfe man ihn schon mit Messi vergleichen, sagt Karl, wenngleich er doch findet, dass das noch übertrieben sei. „Messi ist ganz oben, da habe ich noch einen weiten Weg hin.“ Der zur deutschen Nationalmannschaft ist vielleicht nicht mehr so weit. „Ich muss einfach meine Leistung zeigen, und dann mal schauen, was Julian macht.“ Er spricht nicht von Herrn Nagelsmann, wie andere junge Spieler den Bundestrainer vor ihrer Nominierung nennen, sondern benutzt die kumpelhafte Anrede. Karl hat keine Berührungsängste.