FAZ 25.11.2025
04:58 Uhr

New York: MDR-Kinderserie gewinnt Emmy


Deutsche Fernsehmacher jubeln in New York: Die Kinderserie „Auf Fritzis Spuren“ räumt bei den Emmys eine Trophäe ab, „Herrhausen“ geht leer aus. Auch kritische Beiträge zum Gaza-Krieg werden prämiert.

New York: MDR-Kinderserie gewinnt Emmy

Die MDR-Serie „Auf Fritzis Spuren – Wie war das so in der DDR?“ hat einen Emmy für internationale Fernsehproduktionen gewonnen. Bei der Preisverleihung in New York setzte sich die Kinderserie in der Kategorie „Kids: Factual & Entertainment“ gegen Konkurrenten aus Brasilien, Großbritannien und Südafrika durch. Die teils animierte sechsteilige Serie „Auf Fritzis Spuren“ von Ralf Kukula und Matthias Bruhn spielt im geteilten Deutschland kurz vor der Wende. Kukula sagte in seiner Dankesrede, dass er sich selbst an die letzten Tage der DDR erinnern könne: „36 Jahre später stehe ich hier und finde das absolut wahnsinnig“, sagte er. „Wir wollten zeigen, wie es war, als Deutschland das glücklichste Land der Welt war. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass wir in der Lage sind, uns wieder daran zu erinnern.“ „Herrhausen“ geht leer aus Eine weitere deutsche Produktion hatte es auf die Liste der Nominierten geschafft: „Herrhausen – Der Herr des Geldes“ über das tödliche Bomben-Attentat auf den früheren Vorstandschef der Deutschen Bank ging in der Kategorie TV-Film/Miniserie aber leer aus. Stattdessen gewann die britische Produktion „Lost Boys & Fairies“, ein Drama über ein schwules Paar, das sich auf die Adoption eines Kindes vorbereitet. Die International Academy of Television Arts and Sciences vergibt die Preise getrennt von den nationalen Emmys, deren Verleihung im September stattgefunden hatte. Die 53. Ausgabe der Gala fand im New York Hilton Midtown statt, Kelly Ripa und Mark Consuelos moderierten. Nominiert waren 64 Bewerber aus 26 Ländern, die Preise wurden in sechszehn Kategorien vergeben. Großbritannien war mit zwölf Produktionen am häufigsten nominiert. Der wichtige Preis für die beste Drama-Serie ging dann auch ins Vereinigte Königreich, für die Produktion „Rivals“ mit David Tennant, die auf Disney+ läuft. Als bester Schauspieler wurde der Spanier Oriol Pla für „Yo, Adicto“ ausgezeichnet, beste Schauspielerin ist Anna Maxwell Martin für ihre Leistung in der britischen Produktion „Until I Kill You“. Großbritannien hatte auch in Sachen Comedy die Nase vorn, wo „Ludwig“ die Trophäe holte. Preise für kritische Dokumentationen Auch aktuelle Reportagen und Dokumentationen wurden ausgezeichnet, wiederum mit den Briten als Gewinner des Abends: „Dispatches: Kill Zone. Inside Gaza“ gewann in der Kategorie „Current Affairs“. „Hell Jumper“, die Geschichte eines getöteten britischen Freiwilligen im Ukraine-Krieg, siegte bei den Dokumentarfilmen. Der Sender Al Jazeera wiederum gewann in der Kategorie News mit „Gaza, Search for Life“. Die beste Sport-Dokumentation, „It's All Over: The Kiss That Changed Spanish Football“, erzählt von dem Kuss des Funktionärs Luis Rubiales auf den Mund von Fußballerin Jennifer Hermoso, um über Sexismus im Profisport zu reden. Die Preisverleihung spiegelte auch die aktuellen Trends der Branche. Schon die Nominierungen hatten gezeigt, dass der Streaming-Anbieter Netflix weiterhin den Markt dominiert. Sieben Mal standen Netflix-Produktionen auf den Wettbewerbslisten, darunter „Love is Blind: Habibi“, die arabische Adaption des Reality-TV-Formats aus den USA, die in den Vereinigten Arabischen Emiraten spielt und Singles verschiedener Länder zusammenbringt. In der Kategorie des „Non-Scripted Entertainment“ gewann dann allerdings die dänische Produktion „Shaolin Heroes“. Auch der Boom der Telenovelas fand sich in der entsprechenden Kategorie wieder. So produzieren Netflix und Disney+ in Spanien tägliche Soaps, die es unter die Nominierten schafften, wie „Valle Salvaje“ und „Regreso a Las Sabinas“. Amazon MGM Studios stach als Streaming-Anbieter in der Miniserien-Kategorie mit „Vencer o Morir“ über den bewaffneten Widerstand gegen Diktator Augusto Pinochet hervor, musste sich aber wie so viele andere Nominierte an diesem Abend den Briten geschlagen geben.