FAZ 03.01.2026
10:21 Uhr

Neuer Wehrdienst: Die Botschaft hinter Pistorius' Tagesbefehl


Der Verteidigungsminister bezeichnet seinen neuen Wehrdienst als „zentralen Baustein“ für die Bundeswehr. Allerdings ist es vielleicht auch nur ein Schritt auf einem Weg.

Neuer Wehrdienst: Die Botschaft hinter Pistorius' Tagesbefehl

Verteidigungsminister Pistorius hat in einem Tagesbefehl für seinen neuen Wehrdienst geworben. Das ist vorderhand ein internes Führungsinstrument, das bis hinab zum Kompaniechef angewendet werden kann. Aber wenn der Minister einen Tagesbefehl erlässt, ist das auch Kommunikation nach außen. Formal fällt auf, dass Pistorius das Dokument gemeinsam mit seinem Generalin­spekteur unterzeichnet hat. Nicht, dass das völlig unüblich wäre, aber es ist nicht notwendig. Der Minister ist Inhaber der Befehls- und Kommandogewalt und braucht keinen Uniformierten, um seinen Worten Geltung zu verschaffen. Zeichen von Schwäche Will er Geschlossenheit mit der militärischen Führung demonstrieren? Oder will er sich mit deren fachlicher Autorität stärken und womöglich die Maßnahme, um die es geht, über die Ebene des politischen Streits stellen? Was es auch ist, es ist eher ein Zeichen der Schwäche. Der Wehrdienst ist die Antwort des sozialdemokratischen Ministers auf die Forderung der Union nach der Wehrpflicht. Pistorius versucht, ihn festzumauern als „zentralen Baustein für die Zukunftsfähigkeit unserer Bundeswehr “. Die politische Verabredung lautet freilich anders. Demnach kann das auch nur ein Schritt auf dem Weg zur Wehrpflicht sein. Wahr ist aber, was er auch schreibt: Nicht das Gesetz allein, sondern erst „gemeinsames und entschlossenes Handeln“ erhöhen die Einsatzbereitschaft.