FAZ 05.12.2025
20:22 Uhr

Neuer Wehrdienst: Darum Deutschland dienen


Die Reform ist ein erster Schritt, aber noch keine Zäsur. Es geht um die Systemfrage: Was ist uns die Freiheit wert?

Neuer Wehrdienst: Darum Deutschland dienen

Das Ringen um den neuen Wehrdienst spiegelt den Zustand der Bundeswehr und der Gesellschaft generell. Die Reform ist ein erster Schritt, aber noch keine Zäsur. Und schon jetzt zeigen die geradezu lustvoll gemalten Horrorszenarien das eigentliche Pro­blem: Der Ernst der Lage wird nicht begriffen. Kanonenfutter? Ja, genau so behandelt Putin seine eigenen Soldaten und Bürger. Übertriebene Bedrohungslage? Der Gewaltherrscher in Moskau lässt auch während laufender „Friedensgespräche“ Wohngebiete bombardieren und macht aus seinen territorialen Ansprüchen und seinem barbarischen Eroberungswillen kein Hehl. Der träge Apparat ist überfordert Die Bundeswehr könnte längst ganz anders dastehen, auch personell. Bemerkenswert viele junge Leute können sich einen Dienst in den Streitkräften oder anderswo gut vorstellen. Doch der träge Apparat ist mit der Personalgewinnung so überfordert wie mit der Beschaffung von tauglichem Gerät. Das Potential ist da, aber Politik und Streitkräfte sind nicht in der Lage, es zu heben. Abstoßend statt anziehend. Warum dienen? Das sollte auf der Hand liegen und auch vorgelebt werden. Auch von Eliten – die nämlich nur dann diese Bezeichnung verdienen. Durchaus möglich, dass sich schon aus der flächendeckenden Ansprache aller jungen Leute mehr ergibt. Wer das alles nur als Beispiel für Unfreiheit ansieht, muss unsere Freiheit auf anderem Wege sichern. Doch da wird es sehr dünn – und schnell wird klar, dass es hier um eine Systemfrage geht. Von ganz links bis ganz rechts wird im Grunde dauernd der Eindruck erweckt, wir lebten in Knechtschaft. Klar: Wem Arbeitgeber als Feinde gelten und viele Staatsbürger ihrer Herkunft wegen nicht als richtige Deutsche, der fühlt sich hierzulande offenbar nicht zu Hause. Hier, wo sich doch auch Vertreter solcher Ansichten ziemlich gut ausleben können. Es ist kein Zufall, dass sich Deutschland nun an Skandinavien orientiert. In diesen wohlhabenden, sozialen und lebenswerten Ländern weiß man, was man hat, ist seiner selbst bewusst und steht dafür ein. Der Norden ist bereit, das spürt auch Putin. Die Fähigkeit, die Freiheit zu schätzen und wirksam zu schützen – die fehlt Deutschland noch.