FAZ 30.11.2025
09:30 Uhr

Neuer Frankfurter Stadtteil: Den Wohnungsbau nicht beschränken


Frankfurt benötigt bis 2040 rund 100.000 neue Wohnungen. Das ist eine gewaltige Aufgabe, weshalb der geplante neue Stadtteil nicht zu klein werden darf.

Neuer Frankfurter Stadtteil: Den Wohnungsbau nicht beschränken

Wenn die aktuellen Bevöl­kerungsprognosen zutreffen, werden in Frankfurt bis 2040 rund 100.000 zusätzliche Wohnungen benötigt. Derzeit ist nicht einmal im Ansatz zu erkennen, wo ein so gewaltiges Bauvolumen entstehen könnte. In jedem der nächsten 15 Jahre müssten etwa 6300 Wohnungen errichtet werden. Das entspricht un­gefähr dem Umfang dessen, was im derzeit größten Entwicklungsprojekt der Stadt geplant ist, dem Stadtteil der Quartiere. Dort soll Platz für 17.000 Einwohner geschaffen werden. Allein dieses Vorhaben, an dem schon acht Jahre geplant wird, nimmt bis zur Fertigstellung mindestens 16 weitere Jahre in Anspruch. Weitere derartige Mammutprojekte wird die Stadt wegen des damit verbundenen Aufwands nicht bewältigen können. Stadtentwicklung ist ein lang­wieriger Prozess. Deshalb ist es richtig, dass Planungsdezernent Marcus Gwechenberger (SPD) eine möglichst breite Mehrheit für den neuen Stadtteil sucht. Für Planungsprozesse ist es nicht gut, wenn sie nach Wahlen wieder infrage gestellt werden. Deshalb braucht Gwechenberger die oppositionelle CDU, die in künftigen Stadtregierungen wieder eine Rolle spielen könnte. Kleiner heißt auch teurer Sie hat sich bisher mit der Stadterweiterung schwer­getan und unterschiedliche Posi­tionen vertreten. Vor allem örtliche Vertreter der Partei brachten massive Bedenken vor. Dem damaligen Oberbürgermeisterkandidaten der CDU, Uwe Becker, hat die Ablehnung des Vorhabens 2023 allerdings nicht zum Wahlsieg verholfen. Das von ihm gezeichnete Schreckensbild einer „künstlichen Trabantenstadt“ entbehrte auch jeder Grundlage. Jetzt besinnt sich die CDU auf ihre Verantwortung und trägt die Stadtentwicklungsmaßnahme unter bestimmten Bedingungen mit. Es wäre schwer, zu vermitteln, wenn eine Partei, die sich den Interessen der Wirtschaft verpflichtet fühlt, den Wohnungsbau erschwert, der für die ökonomische Entwicklung Frankfurts von großer Bedeutung ist. Da die Boomergeneration das Rentenalter erreicht, braucht es Zuzug in erheblichem Ausmaß, um frei werdende Arbeitsplätze wieder zu besetzen. Auch deshalb darf die Stadtentwicklungsmaßnahme, die durch den Wegfall des ursprünglich geplanten Quartiers bei Steinbach ohnehin schon geschrumpft ist, nicht zu klein gedacht werden. Sollten weitere Bauflächen wegfallen, wie es die CDU verlangt, wird das Verhältnis zwischen dem Aufwand für die Infrastruktur und der Zahl neuer Wohnungen immer ungünstiger – und das Projekt damit unter dem Strich auch teurer. Für eine ausgewogene Entscheidung müssen die Belange von Ökologie und Nachbarn beachtet werden – aber auch die wirtschaft­lichen Zusammenhänge.