FAZ 28.01.2026
16:32 Uhr

Neuer F.A.Z.-podcast: Geschichte zum Mitdenken


Der neue Geschichtspodcast von F.A.Z. und KAS zeigt, dass auch aktuelle Debatten eine Vergangenheit haben.

Neuer F.A.Z.-podcast: Geschichte zum Mitdenken

Über Geschichte und ihre Deutung wird gestritten. Histo­rische Ereignisse werden für Vergleiche herangezogen und instrumentalisiert. Dabei verschwimmen oft die Grenzen zwischen Erinnerung und Inszenierung. Wer Geschichte erzählt, erzählt manchmal auch von sich selbst – und davon, wie er die Gegenwart versteht. „Der Geschichtspodcast“ setzt hier an. Er fragt, welche Erzählungen wir über die Vergangenheit verbreiten, warum sie sich verändern und wie sie politische Debatten prägen. Jede Folge verbindet histo­rische Forschung mit journalistischem Erzählen, Dokumente mit O-Tönen, Zeitkolorit mit Zeitgeist. So entsteht ein Hörformat, das Geschichte lebendig macht – und zeigt, dass sie nie abgeschlossen ist. Warum Geschichte jetzt wichtig ist „Der Geschichtspodcast“ richtet sich an alle, die wissen wollen, wie vergan­gene Ereignisse bis heute nachwirken. Er fragt, warum bestimmte Begriffe und Konflikte wiederkehren – und was das über die Gegenwart verrät. Historische Bildung hilft, den Überblick zu wahren, wenn Fakten und Emotionen ineinanderfließen. Wer versteht, wie frühere Gesellschaften auf Krisen, Umbrüche oder neue Ideen reagierten, erkennt Muster, die bis heute wirken. Erster Themenkomplex: Kulturkampf Zum Auftakt startet der Podcast mit einer vierteiligen Miniserie über den „Kulturkampf“ – verstanden als Ringen um Sprache, Werte und Deutungshoheit. Jede Folge beleuchtet ein Thema, das das moralische Koordinatensystem ins Wanken bringt. Wer einschaltet, landet in der ersten Folge zunächst auf dem Tempelhofer Feld am 1. Mai 1933 und erlebt, wie die Nationalsozialisten den Tag der Ar­beit vereinnahmen. Der Podcast geht der Frage nach, warum die politische Unterscheidung zwischen rechts und links immer wieder verschwimmt – und weshalb das Narrativ, dass Hitler ein Linker ge­wesen sei, hartnäckig weiterlebt. Der Historiker Götz Aly erläutert die Sozialgesetze der Nationalsozialisten, und wie damit ganz gezielt ursprünglich linke Positionen vereinnahmt wurden. In Folge zwei folgt der Sprung ins Jahr 1964: Während in Köln der millionste Gastarbeiter gefeiert wird, treffen in Erfurt Vertragsarbeiter aus Vietnam ein – zwei Ankünfte, zwei Systeme, ein Thema. Die Hosts des Podcasts widmen sich im Austausch mit dem Historiker und Migrationsforscher Jochen Oltmer der Frage, welche Logik hinter diesen Unterschieden steckt und warum „Arbeit ja, Zugehörigkeit nein“ lange den Alltag und das gesellschaftliche Klima bestimmte. Wie wirkt diese Geschichte bis heute nach? Und ist es zu kurz gegriffen, heutige politische Entwicklungen und den Erfolg der AfD allein mit dem DDR-Erbe zu erklären? Es folgt eine Episode zur „Cancel Culture“: Ist der heutige Streit um Zensur und Meinungsfreiheit neu, oder lebt darin etwas auf, was wir auch früher schon erleben konnten? Im Zuge der Franzö­sischen Revolution errichteten die Jakobiner eine Terror- und Tugendherrschaft. Welches neue Menschenbild zeigte sich hier? Und lässt sich eine Linie ziehen zur heutigen Empörungskultur? Den Abschluss unserer Auftaktserie bildet die Folge über den langen Streit um das Thema Schwangerschaftsabbruch und den Paragraphen 218. Vier Köpfe, viele Perspektiven Produziert wird der Geschichtspodcast von der Audio-Redaktion der F.A.Z. in Zusammenarbeit mit der Abteilung Zeitgeschichte der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS). Vier Hosts, zwei aus jedem Haus, führen abwechselnd durch die Folgen. Angelika Fey und Stefan Stahlberg bilden das Team der ersten Episode. Fey ist Audio-Redakteurin bei der F.A.Z. und promovierte über einen Skandal zur Zeit der Aufklärung. Stahlberg ist Referent für Zeitgeschichte bei der KAS und betreut das Public-History-Portal „Geschichtsbewusst“. In der zweiten Folge übernehmen Christine Brunzel und Michael Götz. Brunzel ist Referentin für Zeitgeschichte bei der KAS, Götz ist Audio-Redakteur bei der F.A.Z. und bringt Erfahrung als Regisseur und Medien­experte ein. Beide Teams wechseln sich im Wochenrhythmus ab – mit unterschied­lichen Zugängen, aber einem gemein­samen Ziel: Geschichte so zu erzählen, dass sie verständlich, überprüfbar und relevant bleibt. „Der Geschichtspodcast“ unterscheidet sich bewusst von vielen anderen Formaten: Er ist kein lockeres Gespräch über Vergangenes. In jeder Folge stellt er eine klare Frage, die mit historischen Quellen, O‑Tönen und Forschungsergebnissen überprüft wird. So entsteht ein journalistisches Geschichtsformat, das nicht erzählt, wie es war, sondern fragt, was es heute be­deutet. Geschichte hören – und mitdenken Jede Folge wird aufwendig produziert: Expertengespräche und Moderation mischen sich mit Originaltönen aus der Zeit, Musik der jeweiligen Epoche und historischer Analyse. Das Publikum soll nicht nur zuhören, sondern auch mitdenken: Welche Parallelen sind zulässig, welche irreführend? Jede zweite Episode erscheint als Q&A-Format, das Fragen der Hörerinnen und Hörer direkt an die Experten zurückspielt. Die ersten beiden Folgen erscheinen am 29. Januar. Danach wird „Der Geschichtspodcast“ jeden Donnerstagmorgen auf FAZ.NET veröffentlicht. Er ist auch überall zu hören, wo es Podcasts gibt.