FAZ 23.02.2026
09:32 Uhr

Neuer Eintracht-Trainer: Albert Rieras größter Trumpf


Der Mut des neuen Eintracht-Trainers Albert Riera endet nicht am Mikrofon, sondern zeigt sich auch auf dem Feld. Es ist schwer, die Frankfurter auszurechnen – weil sie immer ein bisschen anders spielen.

Neuer Eintracht-Trainer: Albert Rieras größter Trumpf

Albert Riera ist kein Mann der kleinen Worte. Das muss er auch nicht sein. Die große Eintracht-Krise hat er vorerst beendet, indem er sie übertönt hat. Riera lenkt die Kameralinsen Woche für Woche, Pressekonferenz für Pressekonferenz auf sich. Er spricht von Löwenrudeln, Sprüngen vom Balkon, davon, dass seine Spieler glauben sollen, die Besten, die Schönsten zu sein. Das zieht, gerade außenpolitisch. Lange war die Eintracht nicht mehr so ein Thema in der Fußballrepublik. Was hat es auf sich mit diesem neuen spanischen Trainer? Und auch innenpolitisch wirkt es. Der Mannschaft tun ein paar Wochen im Schatten gut. Sie konzentriert sich jetzt auf das eigentlich Wichtige, auf das Spiel. Dort ist sie zwar noch kein Löwe, auch kein Hai, aber: Die Spieler geben sich nicht auf, machen weniger unerklärliche Fehler. Sie schreien sich nicht an, sie spielen weiter, auch nach einem 0:3-Rückstand gegen den FC Bayern. Eines der größten Probleme der Frankfurter in den vergangenen Monaten war ja: Jeder wusste, wie sie spielen. Mit einer schlecht organisierten Abwehrkette, mit ein paar Luftlöchern und Fehlpässen am eigenen Strafraum, ohne Gegenwehr. Am Samstag foulten die Frankfurter dreimal zu einem Zeitpunkt, der präzise gewählt war. Dafür gab es drei gelbe Karten – statt drei Gegentoren. Einfacher, mit Burkardt und Kalimuendo zu starten Sie spielten anders als gegen Mönchengladbach, anders als gegen Union Berlin. Sie attackierten den Gegner dort, wo der FC Bayern im Februar 2026 seine einzige Schwäche hat: im Halbraum zwischen Außen- und Innenverteidiger. So hätten sie in der Nachspielzeit fast noch den Ausgleich erzielt. Man könnte einwenden: Klar, es ist schwer, die Frankfurter auszurechnen – schließlich ziehen sie mit einem neuen Trainer durchs Land, dessen Ideen noch nicht jeder kennt. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Es ist schwer, sie auszurechnen, weil sie einmal mit 70 Prozent, einmal mit 40 Prozent Ballbesitz spielen. Weil sie einmal mit zwei Stürmern angreifen, einmal mit einer falschen Neun. Einmal zu fünft verteidigen, einmal zu viert. Rieras Flexibilität ist bisher sein größter Trumpf. Und sein Mut endet nicht am Mikrofon, auch wenn er am Samstag sein erstes Spiel als Eintracht-Trainer verlor. Der Mut zeigt sich auch auf dem Feld. Es wäre einfacher gewesen, mit Jonathan Burkardt und Arnaud Kalimuendo gegen München zu starten, eine Halbzeit verlegen mitzuspielen – und am Ende, wenn alle müde sind, noch hoch gegen den FC Bayern zu verlieren. Riera aber stellte lieber Spieler auf, die auf der Bank sitzen werden, wenn alle fit sind. Als seine Mannschaft dann 0:3 zurücklag und die Münchner schon ans nächste Spiel dachten, brachte er seine zwei teuersten Stürmer. Dann war zwar nicht die beste und auch nicht die schönste Eintracht-Mannschaft zu sehen. Aber trotzdem etwas Neues: eine Mannschaft, die an sich glaubt.