FAZ 18.01.2026
13:38 Uhr

Neuer Bericht: Oxfam meldet so viele Milliardäre wie noch nie


Mit 3000 Milliardären gibt es so viele wie nie zuvor auf der Erde. Die Vermögen wachsen immer schneller.

Neuer Bericht: Oxfam meldet so viele Milliardäre wie noch nie

„In vier Sekunden verdient Elon Musk, der reichste Mann der Welt, so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.“ Mit diesem Beispiel weist die Entwicklungsorganisation Oxfam auf die globale Einkommens- und Vermögensungleichheit hin. Sie veröffentlicht seit 2014 jedes Jahr zum Beginn des Weltwirtschaftsforums in Davos eine Bilanz von Arm und Reich: 2025 breche alle bisherigen Rekorde. Es gab erstmalig mehr als 3000 Milliardäre auf der Welt, deren Gesamtvermögen sich Ende November 2025 auf den Rekordwert von 18,3 Billionen Dollar belief, 2,5 Billionen mehr als noch ein Jahr zuvor, heißt es im Bericht. Allein dieser Anstieg entspreche fast dem gesamten Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung, also von mehr als vier Milliarden Menschen. Nicht nur die Höhe der Vermögen sei rekordverdächtig, sondern auch die Geschwindigkeit ihres Zuwachses. Die Superreichen konnten ihre Vermögen im vergangenen Jahr dreimal schneller steigern als in den fünf Jahren zuvor. Frauen halten nur 13 Prozent der Milliardenvermögen Seit März 2020 sei das Gesamtvermögen von Milliardären inflationsbereinigt um 81 Prozent um 8,2 Billionen Dollar gestiegen. Die zwölf reichsten Milliardäre der Welt besäßen mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Menschheit. Diese fast vier Milliarden Männer und Frauen müssten von weniger als 8,30 Dollar am Tag leben. Ungleichheit macht Oxfam auch innerhalb der Geschlechter aus: Frauen hielten gerade einmal 13 Prozent der Milliardenvermögen auf der Welt. Auch in Deutschland sei die Zahl der Milliardäre vergangenes Jahr um ein Drittel auf 172 gestiegen, womit Deutschland die viertmeisten Milliardäre auf der Welt habe. Das Gesamtvermögen aller deutschen Superreichen stieg 2025 inflationsbereinigt um 30 Prozent auf 840,2 Milliarden Dollar. Gleichzeitig lebe etwa ein Fünftel der Menschen in Deutschland in Armut, heißt es von Oxfam. Ökonomen wie Thomas Piketty und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz warnen seit Jahren vor den negativen wirtschaftlichen Folgen der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen. Diese ist laut Stiglitz wirtschaftlich ineffizient und sozial destabilisierend. Oxfam zufolge geht die finanzielle Kluft auch mit politischer Ungleichheit einher und destabilisiere Demokratien. Oxfam: Ungleichheit untergräbt Vertrauen in Demokratie Die Erosion der Demokratie erfolge durch mehrere sich gegenseitig verstärkende Mechanismen, erläutert die Organisation. Ungleichheit untergrabe das Vertrauen in demokratische Institutionen und förderte die Polarisierung. Nur wohlhabende Bürger beteiligten sich politisch. So nehme die Macht der Superreichen weiter zu und setze die Demokratien unter Druck. Die Vermögenden könnten finanziell Einfluss auf die Politik nehmen, besäßen und kontrollierten die Medien und übernähmen politische Ämter. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fordert Oxfam die Bundesregierung auf, eine zweiprozentige Vermögensteuer für Multimillionäre in Deutschland einzuführen. Zudem sollte sie die Umsetzung einer solchen Steuer auf internationaler Ebene unterstützen. Die gewonnenen Finanzmittel sollten nach Ansicht der Organisation verwendet werden, um in Deutschland „Investitionslücken im Bereich sozialer Gerechtigkeit“ zu schließen und die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit wieder zu erhöhen. Das Bundeskartellamt und die EU-Kommission sollten Machtkonzentrationen analysieren und konkrete Maßnahmen bis hin zur Entflechtung ergreifen, um diese zu beheben. In Deutschland etwa beherrschten nur vier große Supermarktketten den Markt und könnten Druck auf Bauern ausüben und die Preise für Verbraucher erhöhen.