FAZ 02.03.2026
09:33 Uhr

Neue VAR-Regeln: Kandare für Schiedsrichter


Das International Football Association Board erlegt Videoassistenten und Schiedsrichtern noch strengere Regeln auf. Wo bleibt da der Handlungsspielraum?

Neue VAR-Regeln: Kandare für Schiedsrichter

Ständig ist ein Stöhnen zu vernehmen, wie schlimm die Regulierungswut in Deutschland und Europa sei. Ha! Mit solcher Kleinigkeitskrämerei kann es das International Football Association Board (Ifab) locker aufnehmen. Was die Fußballregelhüter nun ausklamüsert haben, nimmt die Videoassistenten (VAR) und die Schieds­richter auf dem Platz noch mehr an die Kandare. Manches – wie die Überprüfung der zweiten Gelben Karte, aber nicht der ersten – scheint nicht zu Ende gedacht. Anderes regelt die Arbeit des VAR und des Schiedsrichters kleinteiliger als bisher. Der VAR darf jetzt auch bei Eckbällen eingreifen, aber bitte ruckzuck. Der Schiedsrichter ist bei Ein­würfen, Abstößen und Auswechselungen als pingeliger Zeitnehmer gefordert, statt einfach eine Nettospielzeit einzuführen. Bevor das Ifab noch mehr Re­gulierungslust packt, sei ihm zur Mäßigung das jüngste Werk des Soziologen Hartmut Rosa empfohlen. Dessen These ist es, dass sich die Menschheit von Handelnden, die eine Situation einschätzen, zu Vollziehenden entwickelt, die fremd­bestimmt Vorgaben folgen. Die Pointe: Rosa erklärt seine Theorie nicht zuletzt am „fehlenden Urteils- und Handlungsspielraum“ der Schiedsrichter durch die VAR-Hörigkeit.