Ständig ist ein Stöhnen zu vernehmen, wie schlimm die Regulierungswut in Deutschland und Europa sei. Ha! Mit solcher Kleinigkeitskrämerei kann es das International Football Association Board (Ifab) locker aufnehmen. Was die Fußballregelhüter nun ausklamüsert haben, nimmt die Videoassistenten (VAR) und die Schiedsrichter auf dem Platz noch mehr an die Kandare. Manches – wie die Überprüfung der zweiten Gelben Karte, aber nicht der ersten – scheint nicht zu Ende gedacht. Anderes regelt die Arbeit des VAR und des Schiedsrichters kleinteiliger als bisher. Der VAR darf jetzt auch bei Eckbällen eingreifen, aber bitte ruckzuck. Der Schiedsrichter ist bei Einwürfen, Abstößen und Auswechselungen als pingeliger Zeitnehmer gefordert, statt einfach eine Nettospielzeit einzuführen. Bevor das Ifab noch mehr Regulierungslust packt, sei ihm zur Mäßigung das jüngste Werk des Soziologen Hartmut Rosa empfohlen. Dessen These ist es, dass sich die Menschheit von Handelnden, die eine Situation einschätzen, zu Vollziehenden entwickelt, die fremdbestimmt Vorgaben folgen. Die Pointe: Rosa erklärt seine Theorie nicht zuletzt am „fehlenden Urteils- und Handlungsspielraum“ der Schiedsrichter durch die VAR-Hörigkeit.
