FAZ 03.12.2025
15:17 Uhr

Neue Talente im DBB-Team: Ein Weltmeisterteam mit Zukunft


Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft überzeugt auch ohne NBA-Stars, die zweite Reihe zeigt überraschende Qualität. Das ist auch mit Blick aufs Alter der Weltmeister ein wichtiges Zeichen.

Neue Talente im DBB-Team: Ein Weltmeisterteam mit Zukunft

Wenn ein Titelverteidiger, der gleichzeitig auch Europameister ist, in eine WM-Qualifikation startet, sollte man davon ausgehen, dass es sich dabei um keine allzu hohe Hürde handelt. Im Basketball ist diese Aufgabe aber diffiziler, als sie sich auf den ersten Blick darstellt. Denn die sogenannten Qualifikationsfenster bereiten vor allem den Topnationen Sorgen, weil ihnen die NBA-Spieler nicht zur Verfügung stehen. Da es sich zudem auch für die Akteure der Euroleague aufgrund des äußerst eng getakteten Spielplans schwierig gestaltet, an diesen Begegnungen teilzunehmen, bergen sie Überraschungspotenzial. Aber die deutsche Nationalmannschaft zeigte sich in den ersten beiden Partien gegen Israel (89:69) und auf Zypern (83:64) souverän, wenngleich die erste Halbzeit (42:39) am Montag in Limassol zäh und pomadig wirkte. Während beim Sieg gegen Israel am Freitag in Ulm mit Justus Hollatz, Isaac Bonga und Oscar da Silva noch drei weitere Euroleague-Spieler neben David Krämer im Aufgebot standen, war der Madrilene auf Zypern dann der einzige Basketballer aus der europäischen Königsklasse. Zumindest die nächste WM ziehen alle Weltmeister in Betracht Dass die Mannschaft in dieser Konstellation und mit den vier Debütanten Norris Agbakoko, Mahir Agva, Till Pape und Collin Welp die Partien dominierte, unterstreicht die Qualität des zweiten Anzugs. Dabei gibt es neben Hollatz, Krämer, Bonga und da Silva mit Jack Kayil nur einen Spieler in diesem Kader, der sich realistische Chancen ausrechnen darf, bei den Weltmeisterschaften 2027 in Qatar dabei zu sein. Das 19-jährige Talent kann beide Guard-Positionen ausfüllen und verfügt neben einem gesunden Selbstvertrauen über viel spielerische Qualität. Er kann seinen eigenen Wurf kreieren, trifft gute Entscheidungen im Pick and Roll, übt defensiven Druck aus und passt mit seiner Athletik hervorragend zum tempogeprägten Stil von Bundestrainer Alex Mumbru. Kayil war 2024 U-18-Europameister und 2025 U-19-WM-Zweiter. Alle anderen wichtigen Spieler dieser Mannschaften spielen bereits in den USA am College, wohin es auch den Berliner nach dieser Saison ziehen wird. Die gleichaltrigen Christian Anderson (Texas Tech) und Hannes Steinbach (Washington) dürften ebenfalls in den Überlegungen für Qatar eine Rolle spielen, zumal dann neun Stammspieler älter als 30 Jahre sein werden. Dass bis auf Niels Giffey noch keiner der Weltmeister von 2023 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat, zeigt aber, dass alle Spieler dieser Generation die nächste WM zumindest in Betracht ziehen. Während man davon ausgehen darf, dass Kapitän Dennis Schröder mit dann knapp 35 Lenzen unbedingt noch an den Spielen 2028 in Los Angeles teilnehmen möchte, um seine Sammlung mit olympischem Edelmetall zu vervollständigen, ist dies bei Maodo Lo, Nick Weiler-Babb, Johannes Thiemann, Johannes Voigtmann und Daniel Theis durchaus mit einem Fragezeichen versehen. Dennoch wäre im Falle ihres Fehlens das Fundament noch äußerst stabil. Mit Hollatz, Krämer, Bonga, Andreas Obst und den Brüderpaaren Wagner (Moritz und Franz) und da Silva (Oscar und Tristan) hätte Schröder genug Qualität an seiner Seite, um mit der DBB-Auswahl wieder vorne mitzumischen. Starke Leistungen für das herausragende NBA-Team Das gilt umso mehr, wenn Isaiah Hartenstein tatsächlich zur Mannschaft stoßen sollte. Der 27-Jährige, der im Sommer mit Oklahoma City den NBA-Titel gewann, könnte im Zusammenspiel mit Youngstern wie Steinbach, Eric Reibe, Johann Grünloh, Sananda Fru oder Ariel Hukporti das Karriereende der langen Garde mit Thiemann, Voigtmann und Theis mehr als nur auffangen. Bis zu seiner Verletzung lieferte der Center für das herausragende Team in der nordamerikanischen Profiliga konstant starke Leistungen ab. Die Zeichen aus seinem Umfeld deuten darauf hin, dass er nach Jahren der Abwesenheit bei den Weltmeisterschaften wieder im Nationaltrikot auflaufen möchte. Mit dem ein Jahr älteren Karim Jallow, der in Bologna eine starke Euroleague-Saison spielt, wäre eine weitere personelle Verstärkung möglich. Die Variationsmöglichkeiten in der absoluten Spitze sind groß, aber auch auf der Ebene dahinter. Deutschland muss sich auch in der Breite nicht vor anderen Topnationen verstecken. Die Spieler aus der zweiten und dritten Reihe sehen sich bei ihren Einsätzen nicht als Lückenfüller. Sie kommen gerne zu den Qualifikationsfenstern. Auch wenn bei den Europa- und Weltmeisterschaften dann die Platzhirsche aus der NBA und der Euroleague um die Medaillen spielen, nehmen sie sich als Teil eines erfolgreichen Projekts wahr. Diese Kultur wurde unter Mumbrus Vorgänger Gordon Herbert etabliert und wird jetzt vom Spanier erfolgreich weitergeführt. Der Autor ist zweimaliger Trainer des Jahres in Deutschland.