FAZ 28.01.2026
14:06 Uhr

Neue Russische Angriffe: Auch ein fahrender Passagierzug wurde zum Ziel


Die direkten Verhandlungen halten Moskau nicht von neuen Angriffen ab. Selenskyj beklagt den Beschuss ziviler Ziele.

Neue Russische Angriffe: Auch ein fahrender Passagierzug wurde zum Ziel

Ungeachtet der Gespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA über ein Kriegsende greift Russland unvermindert die ukrainische Zivilbevölkerung an. In der Nacht zum Mittwoch feuerte das russische Militär 146 Drohnen und eine ballistische Rakete des Typs Iskander auf ukrainisches Gebiet ab, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. Ihr zufolge konnte sie 103 Drohnen abfangen, während die anderen Ziele in insgesamt 22 Orten trafen. In Bilohorodka am Westrand Kiews kamen zwei Menschen ums Leben, als eine Drohne in ihrer Wohnung einschlug, berichtete der Gouverneur des Gebiets Kiew, Mykola Kalaschnyk. Der vier Jahre alte Sohn des getöteten Paares wurde von dem für Radio Liberty arbeitenden Kriegsberichterstatter Marian Kuschnir aus dem brennenden Haus gerettet. „Ich habe zu Hause einen Notfallrucksack, also bin ich losgerannt, um zu helfen“, schilderte er im ukrainischen Fernsehen seine Erlebnisse. „In dem Chaos sah ich eine geöffnete Tür. Auf dem Bett in der Wohnung lag ein Kind, das weinte und ‚Mama‘ schrie.“ Er habe es schnell hinausgetragen. Tote in Odessa nach neuen Angriffen In der südostukrainischen Großstadt Saporischschja wurden bei den nächtlichen Angriffen mindestens sechs Menschen verletzt, teilte Gouverneur Iwan Fedorow mit. Sie hätten Splitterwunden und Gehirnerschütterungen erlitten. Bereits am Dienstagabend hatte Russland mit Drohnen einen Passagierzug im Gebiet Charkiw angegriffen. Auf Handyvideos waren ein brennender Waggon sowie aus dem Zug fliehende Passagiere zu sehen. In dem getroffenen Waggon seien fünf Menschen gestorben und zwei weitere verletzt worden, teilte die Staatsanwaltschaft des Gebiets mit. Der ukrainischen Staatsbahn zufolge war der Linienzug mit 291 Menschen auf dem Weg von Tschop im Dreiländereck Slowakei-Ungarn-Ukraine in die fast 1400 Kilometer entfernte Stadt Barwenkowo in der Ostukraine. Kurz vor dem Ziel sei der Zug von drei Geran-2-Drohnen, einem russischen Nachbau iranischer Shahed-Drohnen, getroffen worden. „In jedem Land würde ein Drohnenangriff auf einen zivilen Zug als Terrorakt eingestuft werden“, erklärte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj auf X. „Es gibt keine militärische Rechtfertigung dafür, Zivilisten in einem Zug zu töten.“ Der Angriff ist eine abermalige Eskalation. Zwar greift Russland häufig und konträr zu eigenen Behauptungen zivile Einrichtungen wie Bahnhöfe, Kraftwerke und Wohngebiete in der Ukraine an. Fahrende Passagierzüge jedoch zählten bisher nicht dazu. Bei einem weiteren russischen Angriff auf die südukrainische Hafenstadt Odessa waren am Dienstag mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und bisher 35 verletzt worden, teilte Serhyj Lysak, der Chef der Militärverwaltung Odessas, mit. Bei einem Schwarmangriff mit 50 Drohnen seien 43 Häuser mit 122 Wohnungen, eine Vorschule und eine Kirche beschädigt worden. Weitere Opfer werden in den Trümmern eines Wohnblocks vermutet, der teilweise über drei Etagen eingestürzt war. Der Energieversorger DTEK teilte zudem mit, dass bei dem Angriff auch mehrere seiner Anlagen in Odessa beschädigt worden seien.