FAZ 16.02.2026
16:38 Uhr

Neue Beraterin Blaudszun: Filz-Verdacht gegen Manuela Schwesig


Manuela Schwesig heuert die Polit-Influencerin Lilly Blaudszun für den Wahlkampf an. Blaudszun arbeitet auch für die Agentur „365 Sherpas“, die vom Land lukrative Aufträge erhielt. Sie beriet zum Nord-Stream-Untersuchungsausschuss.

Neue Beraterin Blaudszun: Filz-Verdacht gegen Manuela Schwesig

Der Start ins Wahljahr beginnt für die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern und Landeschefin der SPD, Manuela Schwesig, ungemütlich. Die Kritik an der Verpflichtung ihrer neuen Sprecherin Lilly Blaudszun hält an. Die 24 Jahre alte Polit-Influencerin soll für Schwesig die Kommunikation im Wahlkampf führen. Neben der Landes-SPD hat Blaudszun mit der Kommunikationsagentur „365 Sherpas“ einen zweiten Arbeitgeber, der Aufträge von der Landesregierung erhalten hat. Nach Darstellung eines Regierungssprechers sind an die Agentur in den Jahren 2022 bis 2025 Zahlungen in Höhe von knapp 60.000 Euro geflossen. Sie sollte die Staatskanzlei demnach bei der Öffentlichkeitsarbeit rund um den Untersuchungsausschuss des Landtags zur Klimaschutzstiftung MV und die Nord­Stream-2-Erdgasleitung unterstützen. Um die Kritik an dem fragwürdigen Politdeal mit Russland zu kontern, brauchte Schwesigs Regierung offenbar Rat von außen. Wie die „Ostsee-Zeitung“ in Erfahrung brachte, gab es für 365 Sherpas im Jahr 2022 genau 19.813,50 Euro, 2023 waren es 26.197,85, im Jahr darauf 1320,90 und 2025 schließlich 12.253,57 Euro. Ein Auftrag über mehr als 330.000 Euro für den Neustart des Onlineregierungsportals ging, wie ebenfalls die „Ostsee-Zeitung“ erfragte, an die Firma „Ressourcenmangel Integral GmbH“. Dass diese wie 365 Sherpas zur Hirschen Group gehört, sei, wie der Regierungssprecher sagte, für die Vergabe nicht relevant gewesen. Der Auftrag sei europaweit ausgeschrieben worden. Beim Vergleich der Angebote habe sich das von Ressourcenmangel als das wirtschaftlichste herausgestellt. Der Bund der Steuerzahler hatte kritisiert, dass Blaudszun parallel für die Unternehmensberatung tätig sei, die von der Staatskanzlei „mit lukrativen Aufträgen versorgt wurde“, wie der Landesvorsitzende des Steuerzahlerbunds, Sascha Mummenhoff, mitteilte. „Wenn personelle und kommunikative Netzwerke aus der Staatskanzlei nahtlos in den Wahlkampf übergehen, verschwimmt die Grenze zwischen Amt und Partei“, sagte Mummenhoff. Das sei „mindestens eine Grauzone“. Regierungssprecher: „An den Haaren herbeigezogen“ Regierungssprecher Andreas Timm nannte die Vorwürfe falsch und „an den Haaren herbeigezogen“. Die Firma 365 Sherpas habe einen klar definierten Beratungsauftrag gehabt und sei überdies von der Landesregierung angeheuert worden, bevor Blaudszun dort tätig wurde. „Da kann es also keinen Zusammenhang geben.“ Bei der „Berufung von Frau Blaudszun handelt es sich um eine Entscheidung des SPD-Landesverbandes und nicht der Staatskanzlei“, sagte Timm. Dies stelle sicher, dass es klar definierte Ansprechpartner für die Regierungs- und für die Parteikommunikation gebe. Die CDU-Politikerin Ann Christin von Allwörden aus Stralsund sieht das anders. „Hier wuchert anscheinend ein Netzwerk aus Staatskanzlei, PR-Agentur und SPD-Wahlkampf, das dringend durchleuchtet werden muss“, wird von Allwörden von der „Ostsee-Zeitung“ zitiert. „Wenn die persönliche Wahlkampfsprecherin der Ministerpräsidentin zugleich für eine Agentur arbeitet, die mit Hunderttausenden Euro aus Steuermitteln beauftragt wird, sieht das nicht wie ein Zufall aus, sondern wie ein ernstes Problem.“ CDU-Politikerin: „Das glaubt draußen aber niemand“ Die Landesregierung tue so, als habe nichts mit nichts zu tun. „Das glaubt draußen aber niemand.“ Von Allwörden will herausfinden, ob Mitarbeiter des Landes „nebenbei“ für Agenturen gearbeitet haben und es weitere Landesaufträge gab. Es gehe „um Macht, Geld und Nähe“ und „darum, ob Frau Schwesig Amt, Partei und persönliche Interessen noch sauber trennt“. Der AfD-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Nikolaus Kramer, forderte Schwesig auf, Blaudszun „aus dem Spiel zu nehmen“.