Texte, in denen das Wichtigste ständig wiederholt wird, nennt man redundant. Filme, in denen das passiert, nennt man Netflix. Sogar jetzt quasi amtlich: Denn bemerkenswerterweise hat Matt Damon, neben Ben Affleck Hauptdarsteller und Produzent des Netflix-Polizeithrillers „The Rip“, sein eigenes Werk öffentlich kritisiert – und zugleich vor allem dessen Auftraggeber. Der wünsche sich nämlich, „die Handlung in den Dialogen noch drei-, viermal zu wiederholen“, schließlich säßen die Zuschauer parallel am Handy. Netflix, so Damon im Gespräch mit dem Podcaster Joe Rogan, produziere seit Längerem vor allem Filme für den „Second Screen“, also unter der Prämisse, dass man neben ihrem Konsum noch andere Medien nutzen oder sonst was tun könne. Fast wie eine Parodie Im amerikanischen PR-Zirkus ist solcherlei Selbstkritik sehr ungewöhnlich. Wenn sie doch geäußert wird, muss das Ergebnis ja wirklich schlimm sein, denkt man, und schaut sich den Film an. Siehe da: Matt Damon hat noch untertrieben. Selbst bei aller Liebe zum Genre des Polizeithrillers wirkt „The Rip“, zumindest in der ersten, zähen Hälfte, fast wie eine Parodie. Alles wird tatsächlich mehrfach gesagt, eine Viertelstunde mit der Insinuation verbracht, dass die vermeintlichen „good cops“ vielleicht die Bösewichte seien, was sie dann am Ende auch sind, nur etwas anders als zunächst vermutet. Die Figuren, besonders eine Latina und eine Schwarze, sind wandelnde Klischees. Nach etwa einer Stunde gibt es nur noch Geballer und Verfolgungsjagd. Kein Satz kommt ohne das F-Wort aus, was in manchen Filmen witzig sein kann, hier aber sehr bemüht wirkt. Wie soll man in Zukunft Geschichten erzählen? Der Fall sagt nicht nur Bezeichnendes über Streamingdienst-Mediatheken aus, die immer mehr wie Halden für Action-Schrott wirken, sondern auch zur Frage, ob Streaming-Filme und Kinofilme sich überhaupt noch voneinander unterscheiden. Jahrelang hat man immer wieder gehört, sie täten es nicht mehr; längst sind „Netflix“ (hier im Plural des Wortsinnes verstanden, der nicht nur die Produkte des einen Konzerns meint) auch bei den Oscars und anderen Filmpreisen angekommen. Nun dagegen hat man ein Unterscheidungskriterium an der Hand, das sogar von den Filmemachern selbst kommt, nicht von Kritikern. Die könnten gewiss auch einwenden, wie gut manche Streaming-Produkte seien. Aber das Gros? Interessanterweise hebt Ben Affleck im selben Podcast das Kino gegenüber Netflix in die Höhe und betont, fürs Kino könne man ja noch die „richtig guten“ Filme machen. Es sei eben eine Sache von Angebot und Nachfrage, und die hätten sie bedient. Fast wirkt es, als hätten Damon und Affleck absichtlich einen schlechten Streaming-Film gemacht, um so für ein idealisiertes Kino zu werben. Damon warnt aber noch: „Das wird zunehmend beeinflussen, wie wir Geschichten erzählen.“ In den Netflix-Streamingcharts steht „The Rip“ derzeit auf Platz eins.
