FAZ 30.12.2025
06:08 Uhr

Netanjahu bei Trump: Zwei beste Freunde


Von Kritik an Netanjahus zögerlichem Vorgehen bezüglich des Friedensplans für Gaza ist in Florida nichts zu hören. Stattdessen stellt Trump sich demonstrativ an seine Seite – und teilt gegen einen gemeinsamen Gegner aus.

Netanjahu bei Trump: Zwei beste Freunde

Donald Trump und Benjamin Netanjahu überhäuften sich während ihres Treffens in Florida gegenseitig mit Lob. Nur einige Halbsätze deuteten darauf hin, dass man sich am Montag nicht in allen Dingen einig war. Die Beziehung zum israelischen Ministerpräsidenten könne nicht besser sein, sagte Trump gleich zu Beginn. „Wir haben gerade einen großen Krieg zusammen gewonnen.“ Netanjahu sei ein Held, der in Kriegszeiten einen phänomenalen Job gemacht habe. Netanjahu wiederum nannte Trump den besten Freund, den Israel je im Weißen Haus gehabt habe. Er sei der „Anführer der freien Welt“. Die beiden Männer haben ihre gute Beziehung in den vergangenen Monaten immer wieder zur Schau gestellt. Doch es war nicht ausgemacht, dass es in Mar-a-Lago genauso laufen würde. Amerikanische Medien hatten vor dem Treffen unter Berufung auf Quellen aus dem Weißen Haus berichtet, in Washington sei man unzufrieden mit Netanjahu: Er zögere den Friedensprozess in Gaza hinaus, sei möglicherweise sogar darauf aus, den Krieg mit der Hamas wieder aufzunehmen. Trump dringt dagegen auf einen baldigen Beginn der zweiten Phase des Friedensplans. Der sieht vor, dass die Hamas ihre Waffen abgeben und das israelische Militär sich aus den besetzten Gebieten in Gaza zurückzieht. Beides scheint dieser Tage jedoch unwahrscheinlich. In einer gemeinsamen Pressekonferenz nach den Gesprächen ließ Trump in Mar-a-Lago keine Unzufriedenheit mit Netanjahu erkennen. Der könne zwar auch sehr schwierig sein, hatte er zu Beginn des Treffens gescherzt. Doch er mache sich keine Sorgen „über irgendetwas, das Israel tut“, hieß es später. Dort habe man sich zu hundert Prozent an den Friedensplan gehalten. Trump wies die Hamas an, nun innerhalb kurzer Zeit die Waffen abzugeben. Sonst würden sie von anderen Ländern „ausgelöscht“, die den Plan unterstützten. „Nicht zu hundert Prozent einig“ Allein in der Frage nach dem Vorgehen Israels im Westjordanland ging, wo so viel Siedlungsbau betrieben wird wie nie zuvor, ging Trump nach dem Treffen in Florida auf Distanz. Man habe lange darüber diskutiert und sei sich nicht „zu hundert Prozent einig“. Dann beschwichtigte er: Auch da werde man zu einer Einigung kommen. Volle Unterstützung sagte der amerikanische Präsident seinem Gast dafür im Falle Teherans zu. Danach gefragt, ob er einen israelischen Angriff auf Iran gutheiße, antwortete Trump mit Ja: Wenn Iran sein Raketen- oder gar Nuklearprogramm vorantreibe, tue er das – „absolut“. Netanjahu setzte am Montag alles daran, Trump weiterhin auf seiner Seite zu halten. Das amerikanische Onlinemedium Axios hatte zuvor berichtet, der Ministerpräsident habe sich mit den führenden amerikanischen Verhandlern über die Forderung entzweit, möglichst schnell in Phase zwei des Friedensplans überzugehen. Niemand außer Trump sei im Weißen Haus mehr auf der Seite Netanjahus. Davon war in Florida nichts zu merken. Netanjahu kündigte an, Trump werde den israelischen Friedenspreis erhalten. Die höchste zivile Auszeichnung des Landes geht damit erstmals an einen Ausländer. Trump habe so viele Konventionen gebrochen, um die Leute zu überraschen, also habe man beschlossen, es ihm gleich zu tun, scherzte der israelische Ministerpräsident bei der Bekanntgabe. „Israelis aller Coleur“ seien dankbar, was der amerikanische Präsident für Israel getan habe. Einen kleinen Seitenhieb erlaubte sich Netanjahu am Montag nur, als Trump über Syrien sagte, er hoffe, die beiden Länder kämen künftig miteinander aus. Der israelische Ministerpräsident klatschte daraufhin in die Hände, lachte und sagte in Richtung der anwesenden Journalisten: „Nachdem ihr diese Sachen gehört habt, ist es besser, jetzt Schluss zu machen.“