Der ehemalige Rapper und gegenwärtige Bürgermeister von Kathmandu, Balendra Shah, will Ministerpräsident Nepals werden. Wie verschiedene Medien am Montag berichteten, hat sich der meist nur Balen genannte Politiker der Rastriya Swatantra Party (RSP) angeschlossen, einer relativ jungen Partei, die von dem ehemaligen TV-Moderator Rabi Lamichhane angeführt wird. Unter der Abmachung zwischen den beiden prominenten Politikern soll der 35 Jahre alte Shah im Fall eines Wahlsiegs bei der für den 5. März angesetzten Wahl das Amt des Regierungschefs übernehmen. Der einige Jahre ältere Lamichhane soll Chef der Partei bleiben. Shah wird von vielen Angehörigen der sogenannten Generation Z unterstützt, die im September mit ihren Protesten den Rücktritt des Ministerpräsidenten Khadga Prasad Sharma Oli herbeigeführt hatte. Der Bürgermeister galt damals schon als aussichtsreicher Kandidat für den Posten, hatte sich selbst aber für die frühere Oberste Richterin, Sushila Karki, als Übergangsregierungschefin eingesetzt. Vor allem unter den jungen Nepalesen ist Shah extrem populär und gilt als eine der einflussreichsten Personen hinter den Protesten. Im Verlauf der Unruhen, bei denen 77 Menschen getötet worden waren, hatte er sich öffentlich aber auffällig zurückgehalten. Shah etablierte Hip-Hop als politischen Protest Seiner Allianz mit der RSP werden gute Chancen eingeräumt, bei der Wahl im März die Dominanz der drei traditionellen Parteien, die seit der Demokratisierung im Jahr 2008 in wechselnden Allianzen die Regierungen geführt hatten, zu brechen. Shah und Lamichhane wollen wie in den Gen-Z-Protesten gefordert verschärft gegen Vetternwirtschaft und Korruption vorgehen. Shah, der sich seit früher Jugend in der nepalesischen Hip-Hop-Szene bewegt hatte, war im Jahr 2013 einem breiten Publikum infolge einer TV-Sendung bekannt geworden, in der verschiedene Rap-Künstler gegeneinander angetreten waren. In seinen Texten sprach er sich gegen Korruption aus und etablierte Hip-Hop als Form des politischen Protests in Nepal. Zur Bürgermeisterwahl in der nepalesischen Hauptstadt war er 2022 als parteiunabhängiger Kandidat angetreten. Damals spülte ihn eine Welle der Unterstützung in den sozialen Medien und durch zahlreiche meist junge Freiwillige in das Amt. In seiner Funktion als Stadtoberhaupt hat Shah sich unter anderem der Reparatur notorisch löchriger Straßen, der Einführung von Fußgängerzonen und der Entfernung von Straßenverkäufern auf öffentlichen Wegen gewidmet. Zudem bemühte er sich um Verbesserungen in der Müllentsorgung und in der Digitalisierung der Verwaltung. Dabei wurde ihm ein mitunter harsches und autoritäres Vorgehen vorgeworfen. Der als indienkritisch geltende Shah soll ein Anhänger eines Groß-Nepal sein, dessen Grenzen Territorien in Indien und Bangladesch einbezieht. Eine diese Gebiete umfassende Karte in seinem Büro hatte er Berichten zufolge aber vor allem als Reaktion auf eine Karte Großindiens im Parlament von Neu Delhi aufgehängt, die ihrerseits nepalesische Gebiete einschließt.
