Bitterer Rückschlag für Naomi Osaka: Die viermalige Grand-Slam-Siegerin aus Japan hat kurz vor ihrem geplanten Drittrundenmatch bei den Australian Open ihren Rückzug aus dem Turnier erklärt: „Ich musste die schwierige Entscheidung treffen, zurückzuziehen“, schrieb Osaka bei Instagram: „Um etwas zu behandeln, das mir mein Körper nach dem letzten Spiel signalisiert hat.“ Offenbar handelt es sich um eine Bauchverletzung. Osaka hatte zuvor in Melbourne nicht nur mit erfolgreichem Tennis, sondern auch mit verschiedenen Mode-Statements für Aufsehen gesorgt. „Ich hatte mich so über meinen Lauf bei diesem Turnier gefreut, und hier aufhören zu müssen, bricht mir das Herz“, führte sie aus. Osakas Gegnerin, Qualifikantin Maddison Inglis aus Australien, erreicht kampflos das Achtelfinale. Für die Zweitrunden-Bezwingerin von Laura Siegemund ist es der größte Erfolg ihrer Karriere. Jannik Sinner: „Ich weiß nicht, was ich machen soll“ Titelverteidiger Jannik Sinner trotzte derweil in Melbourne der großen Hitze und kämpfte sich ungeachtet heftiger Krämpfe ins Achtelfinale. Der Weltranglisten-Zweite aus Italien rang am bislang heißesten Tag des diesjährigen Turniers den Amerikaner Eliot Spizzirri mit 4:6, 6:3, 6:4, 6:4 nieder, geriet dabei aber an seine körperlichen Grenzen. Bei Temperaturen von bis zu 38 Grad hatte Sinner große Probleme mit Krämpfen und konnte phasenweise kaum noch laufen. Beim Stand von 4:6, 6:3, 1:2 ließ sich der Melbourne-Champion der vergangenen beiden Jahre erstmals behandeln. Doch die Massage seiner Beine schien erst einmal nicht zu wirken. Sinner humpelte nur noch über den Platz. „Ich weiß nicht, was ich machen soll“, sagte der 24-Jährige an sein Trainerteam gerichtet. Zum 1:3 musste Sinner seinen Aufschlag abgeben, ehe die Partie wegen der großen Hitze unterbrochen wurde, um das Dach über der Rod Laver Arena zu schließen. Sinner verschwand in der Kabine, um sich abzukühlen. „Ich hatte heute Glück mit der Hitzeregel“, sagte Sinner nach dem körperlichen Kraftakt. „Ich hatte überall Krämpfe. Ich weiß, dass ich mich in diesem Bereich verbessern muss“, sagte der Italiener, der dennoch stolz auf sich war. „Tennis ist ein sehr mentales Spiel. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben und einen Weg zu finden. Das ist mir gelungen.“ „Heat Stress Scale“ greift bei Hitze in Melbourne Bei den Australian Open gilt seit einigen Jahren die sogenannte „Heat Stress Scale“. Dabei handelt es sich um eine Skala von eins bis fünf, die neben der Lufttemperatur auch die direkte Wärmestrahlung der Sonne, die Luftfeuchtigkeit und die Windgeschwindigkeit berücksichtigt. Wird ein Wert von 5,0 erreicht, müssen die Spiele unterbrochen und in den großen Arenen die Dächer geschlossen werden. Für Sinner war die Regel an diesem heißen Samstag in Melbourne die Rettung. Unter dem geschlossenen Dach und bei laufender Klimaanlage hatte der Italiener zwar immer noch körperliche Probleme, bekam die Schwierigkeiten jetzt aber einigermaßen in den Griff. Schon vor einem Jahr hatte er im Achtelfinale gegen den Dänen Holger Rune extrem unter der Hitze gelitten und nur mit Mühe ein Aus abwenden können. Dieses Mal litt Sinner wieder, fand aber auch gegen Spizzirri einen Weg. Allein der dritte Satz gegen den stark aufspielenden 85 der Tennis-Welt dauerte 76 Minuten, ehe Sinner sich den Durchgang mit 6:4 sicherte. Spizzirri hielt zwar weiter bravourös dagegen, doch der Titelverteidiger spielte jetzt seine Erfahrung aus und verwandelte nach 3:45 Stunden seinen zweiten Matchball. Der Veranstalter unterbrach am Samstagnachmittag wegen der Hitze alle Matches und Trainings auf den Außenplätzen der Anlage. Bei den großen Arenen – der Rod Laver Arena, der Margaret Court Arena und der John Cain Arena – wurden die Dächer geschlossen und es konnte nach kurzer Zeit weitergespielt werden. Die genannten Stadien können zusätzlich gekühlt werden. Gegen 19.30 Uhr Ortszeit (9.30 Uhr MEZ) konnten die Partien auch auf den Außenplätzen wieder aufgenommen werden. Alexander Zverev trifft auf Francisco Cerúndolo Für Dienstag, an dem Alexander Zverev ein mögliches Viertelfinalspiel erwarten könnte, sind derzeit sogar Temperaturen von 45 Grad vorhergesagt. Zunächst aber flüchtete er wieder und wieder vor der sengenden Hitze. Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad rund um die Anlage am Yarra River lud die deutsche Nummer eins die Akkus in klimatisierten Räumen auf. Schließlich wartet im Achtelfinale an diesem Sonntag (nicht vor 7.00 Uhr MEZ bei Eurosport) eine knifflige Aufgabe auf Zverev – eine, die er dank einer neugewonnenen Stärke aber zuversichtlich angeht. „Die Vorhand ist der Schlag, an dem ich am meisten gearbeitet habe – weil ich in dem Bereich sehr hinterher war zu den anderen Topspielern“, erklärte Zverev vor seinem Duell mit Francisco Cerúndolo aus Argentinien: „Und bis jetzt läuft es ganz okay.“ Stan Wawrinka holte derweil noch einmal alles aus seinem 40 Jahre alten Körper heraus, er schlug seine malerische Rückhand noch einige Male unwiderstehlich über das Netz – doch es reichte nicht: Die spektakuläre Abschiedstour des Publikumslieblings bei den Australian Open ist beendet. Wawrinka verlangte dem Weltranglistenneunten Taylor Fritz beim 6:7 (5:7), 6:2, 4:6, 4:6 in der dritten Runde aber alles ab. Die elektrisierten Fans in der John Cain Arena in Melbourne verabschiedeten den dreimaligen Grand-Slam-Sieger aus der Schweiz dennoch mit stehend dargebrachten Ovationen. Altmeister Novak Djokovic bejubelte unterdessen einen in vielerlei Hinsicht historischen Erfolg. Der serbische Topstar besiegte den Niederländer Botic van de Zandschulp mit 6:3, 6:4, 7:6 (7:4) und zog damit ins Achtelfinale ein. Mit nun 102 Siegen beim Turnier in Melbourne egalisierte er den Rekord von Roger Federer – am Montag kann er den Schweizer endgültig überflügeln.
