Die Öffnung des Grenzübergangs Rafah ist noch lange keine Rückkehr zu einem Zustand im Gazastreifen, den man Normalität nennen könnte. Er spiegelt vielmehr die Realitäten des Konflikts wider, den Trump einhegen, aber nicht auflösen konnte: Einreisen kann nur, wer eine Genehmigung von Israel hat, weil es auf die Sicherheit achtet. Ausreisen kann nur, wer behandelt werden muss, weil Ägypten keinen Flüchtlingsstrom ins Land lassen will. Kein Wunder, dass da erst mal nur ein paar Dutzend Grenzübertritte erwartet werden. Es geht hier nicht um das Wohl der palästinensischen Bevölkerung, sondern um die Interessen der anderen Parteien. Gesamtbild weitgehend unverändert Dazu gehört Trumps Wunsch, seinen Friedensplan durchzusetzen. In den bald vier Monaten, die seit der Ausrufung der Waffenruhe vergangen sind, hat sich am Gesamtbild aber nicht allzu viel geändert. Der Gazastreifen bleibt zweigeteilt; die Hamas macht keine Anstalten, sich entwaffnen zu lassen. Die periodischen militärischen Auseinandersetzungen, die wieder zivile Opfer kosten, zeigen, dass beide Seiten ihre Ziele nicht aufgegeben haben. Die Hamas konsolidiert ihre Macht im Restgebiet, das ihr geblieben ist, und Israel hält an seinem neuen Puffer innerhalb des Gazastreifens fest. Man fragt sich wieder, wo die arabischen Staaten sind. Geht es ihnen wirklich um die Palästinenser, oder reicht ihnen die (relative) Ruhe auf einem Trümmerhaufen?
