FAZ 27.02.2026
07:12 Uhr

Nachwahl in Manchester: Die Grünen holen den Labour-Sitz


Es ist ein historischer Sieg: Deutlich gewinnt Hannah Spencer, die Kandidatin der Grünen, die Wahl in Manchester. Das verdankt die Partei besonders einer Bevölkerungsgruppe. Labour bleibt nur der dritte Platz.

Nachwahl in Manchester: Die Grünen holen den Labour-Sitz

Die Grünen haben in einer Nachwahl zum Unterhaus im Großraum Manchester einen historischen Sieg errungen. Erstmals gelang es der Partei, die wegen des britischen Mehrheitswahlrechts im britischen Parlament lange unterrepräsentiert war, bei einer Nachwahl zum Unterhaus ein Mandat zu erobern. Ihre Kandidatin Hannah Spencer siegte im Wahlkreis Gorton und Denton mit 41 Prozent der Stimmen, gefolgt vom Kandidaten der rechtspopulistischen Reform UK, Matt Goodwin, der 29 Prozent erreichte. Der Kandidatin der Labour-Partei, Angeliki Stogia, blieb mit 26 Prozent nur der dritte Platz. Konservative und Liberaldemokraten, die beiden größten Oppositionsparteien im britischen Parlament, erreichten jeweils nur zwei Prozent. Der Sieg der Grünen stützt sich wesentlich auf die Stimmen der starken muslimischen Minderheit. Fast ein Drittel der Wähler in Gorton und Denton hat kulturelle Wurzeln in Pakistan und Bangladesch. Die Wahlkampforganisatoren der Grünen ernteten Kritik dafür, dass sie vor den Moscheen im Wahlkreis Prospekte auf Urdu verteilten und die Wähler aufforderten, sie sollten die Labour-Regierung „bezahlen lassen“ für deren Unterstützung Israels im Gazakrieg und für den in Gaza angerichteten „Genozid“. Labour gibt sich erleichtert Die grüne Siegerin Spencer führte ihren Erfolg darauf zurück, dass die Wähler „politische Parteien ablehnen, die uns immer ausgegrenzt haben“. Die Grünen hätten den Wählern bloß zugehört. Ihre Partei stehe für „soziale Themen“, das schließe den Klimawandel ein, aber auch die Krise der Lebenshaltungskosten. Spencer, die Klempnerin von Beruf ist, bat ihre Kunden um Verzeihung, deren Aufträge sie jetzt nicht mehr ausführen könne: „Sorry, ich gehe jetzt ins Parlament.“ Die Labour-Partei versuchte ihre Niederlage mit dem Hinweis darauf zu relativieren, dass es die Regierungspartei in Westminster immer schwer habe, eine Nachwahl zum Unterhaus zu gewinnen. Ihre Parteipräsidentin (Chairwoman) Anna Turley gab an, sie sei erleichtert, dass die Mehrheit der Wähler „nicht die vergiftete Politik von Nigel Farage und Reform“ unterstützte. Für die Niederlage von Labour in einem Wahlkreis, der immer als ein sicherer Sitz der Partei gegolten hatte – er wurde fast 100 Jahre lang von Labour repräsentiert –, wird auch Premierminister Keir Starmer verantwortlich gemacht werden. Starmer war als Parteichef an der Entscheidung beteiligt, dem Bürgermeister von Greater Manchester, Andy Burnham, die Chance zu verwehren, selbst als Labour-Kandidat in Gorton und Denton anzutreten. Das Argument lautete, Burnham habe seine Dienstzeit als Bürgermeister noch nicht erfüllt, es würde dann eine Nachwahl für dessen Amt notwendig. Der Reform-Kandidat sieht seine Partei als Sieger Allerdings hatte Burnham zuvor keinen Hehl daraus gemacht, dass er gedrängt werde, Starmer an der Parteispitze abzulösen. Für diese Herausforderung hätte er Mitglied der Labour-Regierungsfraktion im Unterhaus sein müssen. Trotz der Blockierung seiner Kandidatur war Burnham in den vergangenen Wochen in Gorton und Denton unterwegs und setzte sich dort für die Labour-Kandidatin Stogia ein. Der Reform-Kandidat Goodwin gab an, viele Menschen in Großbritannien seien „entsetzt“, in welche Richtung das Wahlergebnis deute. Der Sieg der Grünen sei das Ergebnis „einer Koalition von Islamisten und woken Progressiven“, die gemeinsam den Wahlkreis dominierten. Goodwin bastelte aus seinem zweiten Platz einen Sieg, indem er sagte, Reform UK habe Labour in deren sicherem Wahlkreis geschlagen. Wenn das dort gelinge, „dann kann uns das fast überall gelingen“.