FAZ 27.02.2026
13:32 Uhr

Nacht im Flugzeug: Feuerwehr hätte „alarmiert werden sollen“


Hunderte Passagiere mussten in München stundenlang in Flugzeugen ausharren – dabei hätte die Feuerwehr helfen können. Nun kündigen der Flughafen und die Lufthansa Konsequenzen an.

Nacht im Flugzeug: Feuerwehr hätte „alarmiert werden sollen“

500 Passagiere hatten nach abgesagten Starts die Nacht in mehreren Flugzeugen verbringen müssen, weil keine Vorfeldbusse sie zurück ins Terminal holten – eine Woche danach kündigten der Flughafen München und die Lufthansa nun an, aus dem Geschehen vom Donnerstag vergangener Woche Konsequenzen zu ziehen. „Wir hätten vieles besser machen können, und wir hätten es besser machen müssen“, sagte Thomas Hoff Anderssen, der für den ­Betrieb zuständige Flughafengeschäftsführer, am Freitag. Zusammen mit Heiko Reitz, bei Lufthansa Leiter des Drehkreuzes München, bat er Reisende um Entschuldigung für den Vorfall. Fortan soll es klarere Vorgaben geben, wann Vorfälle zu melden sind, um ­Krisenmechanismen auszulösen, für die in der betreffenden Nacht offenbar niemand die Verantwortung übernehmen wollte. Bei der Flughafenfeuerwehr seien 49 Kräfte einsatzbereit gewesen. „Sie hätten alarmiert werden sollen“, sagte Hoff Anderssen. Das hatten weder die Lufthansa noch der Flughafen getan, was auch die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft rügte. Bei Lufthansa erwog man nach Angaben von Reitz einen Notruf. Man habe sich aber dagegen entschieden und weiter auf Busse gewartet, die jedoch nicht kamen. Künftig soll daher ein Betriebsleiter des flughafeneigenen Bodendienstleisters Aeroground, der in München für Busse zu Lufthansa-Flügen ­zuständig ist, in der Lufthansa-Drehkreuzzentrale sitzen, um schneller reagieren zu können. „Verkettung verschiedener Umstände“ Zu der unfreiwilligen Nacht für Passagiere in den Flugzeugen habe „eine Ver­kettung verschiedener Umstände“ geführt, sagte Hoff Anderssen. Reitz erklärte, wegen des Schnees seien an dem Abend schon 16 Flüge ausgefallen. Fünf Flugzeuge hätten die Fahrt zur Startbahn abbrechen müssen, da sie keine Start­freigabe erhielten. Es waren die fünf Lufthansa-Jets, in denen Passagiere dann ausharren mussten. In München greift von Mitternacht an ein Nachtflugverbot. Es gab zwar Ausnahmegenehmigungen bis ein Uhr, wetterbedingt fielen Starts dennoch aus. Das Vorfeldpersonal ging laut Hoff Anderssen mangels anderer Informationen davon aus, dass die Flugzeuge starten würden – und dürfte in den Feierabend gegangen sein. Nach seinen Angaben blieben ein regulär für die Nachtschicht eingeteilter Busfahrer sowie zwei weitere, die wegen Betriebsverzögerungen etwas länger arbeiten sollten. Sie seien dann „nicht mit der richtigen Priorität eingesetzt“ worden, wie Reitz sagte. Hoff Anderssen und Reitz sind beide weniger als ein Jahr in ihren Funktionen tätig. Reitz hatte für Lufthansa im September die Verantwortung für das Drehkreuz München übernommen. Hoff Anderssen ist seit Mai 2025 in der Flughafengeschäftsführung für operative Abläufe zuständig. Er war vom Berliner Flughafen geholt worden, um in München „bei der Abfertigungsqualität, der Pünktlichkeit und dem Passagier­erlebnis das Niveau eines Premiumflughafens anzubieten“, wie damals der Aufsichtsratsvorsitzende und bayerische Finanz­minister Albert Für­acker sagte. Zuvor hatte es Beschwerden über lange Wartezeiten gegeben. Lufthansa-Vorstandschef Carsten Spohr hatte München als den Flughafen mit der „schlechtesten Pünktlichkeit aller unserer Drehkreuze“ bezeichnet.