War die Aufregung im Westen des Rhein-Main-Gebiets um die vermeintliche Streichung der Wallauer Spange aus dem Investitionsplan des Bundes überflüssig? Der Wiesbadener Bundestagsabgeordnete Stefan Korbach (CDU) hat im Bundesverkehrsministerium nachgefragt und die Botschaft erhalten: „Der Bau der Wallauer Spange ist aufgeschoben, aber nicht aufgehoben.“ Das sei eine gute Nachricht für Wiesbaden und die Region. Es sei aber „noch ein wenig Geduld“ erforderlich. In der Region war man nach einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage im Bundestag alarmiert. Darin hieß es, dass die Wallauer Spange zu fünf fertig geplanten Bahnvorhaben gehört, für die trotz des Sondervermögens bis 2029 keine ausreichenden Mittel im Bundeshaushalt eingeplant seien. Die Kosten für die Spange werden bislang auf 183 Millionen Euro geschätzt. Korbach zufolge hat das Bundesverkehrsministerium klargestellt, dass der Bau der vier Kilometer langen Spange nicht gestoppt ist. Das Ministerium verfolge das Projekt weiterhin. Auch für die Deutsche Bahn sei die Strecke „von hoher Bedeutung für die Region und für das Schienennetz“. Baurecht liegt noch nicht vor Nach Korbachs Informationen werden aktuell die Baurechtsunterlagen für die Spange überarbeitet. Die Bahn rechne nach aktuellem Stand mit der Baureife im Jahr 2027. Das Bundesverkehrsministerium gehe davon aus, dass danach die notwendigen Mittel vom Bundesfinanzministerium bewilligt werden, „um der Ankündigung des Bundeskanzlers nachzukommen, wonach gebaut wird, was baureif ist“. Für die CDU-Rathausfraktion in Wiesbaden ist damit „die Kuh vom Eis“. Der Sachverhalt sei geklärt: „Die Wallauer Spange kommt – jedoch etwas später als gehofft, weil das Baurecht noch nicht vorliegt.“ Ein möglicher Baubeginn 2027 sei eine „wirklich gute Nachricht“ für dieses bedeutende Infrastrukturprojekt. Diese Bedeutung hatte die Stadt vor wenigen Tagen noch einmal klargestellt. Die Spange sei „ein zentraler Baustein für eine leistungsfähige Schienenanbindung Wiesbadens und der gesamten Rhein-Main-Region“. Die Spange soll Wiesbaden an die ICE-Schnellfahrstrecke Köln–Rhein/Main und den Flughafen Frankfurt anschließen – direkt und ohne Umweg über Mainz, Bischofsheim oder den Frankfurter Hauptbahnhof. Das würde Wiesbaden den direkten Zugang zu einem der wichtigsten Fernverkehrsknoten, dem Fernbahnhof Frankfurt-Flughafen, eröffnen. Laut Verkehrsdezernent Andreas Kowol (Die Grünen) würde die Spange damit den unzureichenden Anschluss Wiesbadens an das deutsche Fernverkehrsnetz schlagartig verbessern und den Bürgern eine schnelle Verbindung in viele Teile Deutschlands und Europas bieten. Die Spange entlaste zudem bestehende S-Bahn- und Regionalbahnstrecken und stärke den Wirtschaftsstandort Rhein-Main. Der zusätzliche Halt bei Delkenheim verbessere die Anbindung des Wiesbadener Ostens und verkürze die Fahrtzeit zwischen Wiesbaden und dem Flughafen von aktuell 35 bis 40 Minuten auf etwa 15 Minuten.
