„Das Feuer brach an meinem Geburtstag aus“, sagt der dreiunddreißigjährige Taxifahrer Simón Rodríguez, der vier Monate später Wasserflaschen von der Ladefläche seines Autos holt. „Und jetzt sind wir hier und bekämpfen es!“ Obwohl die Rekordwaldbrände, die im August über Spanien und Portugal hinwegfegten, abgeklungen sind, kämpfen die Bewohner ländlicher Gemeinden in der Region Galicien im Nordwesten Spaniens noch mit den Folgen. Jetzt ist das Problem die Wasserverschmutzung. Der Herbstregen spült Asche und Sedimente von den kahlen Hängen runter, die Wasserwege verstopfen und das Trinkwasser ungenießbar machen. „Wir können nicht duschen, weil das Wasser komplett schwarz ist. Wir müssen warten, bis der Regen aufhört“, klagt Rodríguez, während er Trinkwasser in der Gemeinde Vilamartín de Valdeorras ausliefert. Den Bewohnern wird geraten, kein Wasser zum Kochen oder Trinken zu nutzen. Mit dem Einsetzen der saisonalen Oktoberregenfälle begann die gesamte Vegetationsschicht, die zu Asche geworden war, die Sandfänge – „Areneros“ genannt – zu verstopfen. Sie führen Regenwasser ab, um zu verhindern, dass Schmutz in die Wasserleitung gelangt, die das Reservoir speist. Lokale Teams brechen dreimal täglich auf, um schwere Sedimente auszugraben. Aber es sei praktisch unmöglich geworden, den Einwohnern Wasser in einem akzeptablen Zustand zu liefern, sagt Enrique Álvarez Barreiro, Bürgermeister von Vilamartín de Valdeorras. „Wir sind seit fast einem Monat hier und arbeiten daran, die mit Schlamm vermischte Asche zu beseitigen“, berichtet Gemeindemitarbeiter Raúl López. „Wir haben in unserem Leben noch nie eine solche Katastrophe erlebt. Weder mein Großvater noch mein Vater oder sonst jemand.“ Sommerliche Waldbrände sind in Spanien und dem benachbarten Portugal weitverbreitet und für das lokale Ökosystem unverzichtbar, da sie zur Regeneration des Bodens beitragen. Laut Wissenschaftlern der Umweltinitiative World Weather Attribution habe der Klimawandel jedoch dazu geführt, dass das heiße, trockene und windige Wetter, das die tödlichen Waldbrände in Spanien und Portugal angefacht hat, 40-mal wahrscheinlicher geworden sei. Schutt und Asche Die Brände zwangen laut Angaben des spanischen Innenministeriums mehr als 42.000 Menschen im ganzen Land zur Evakuierung, wobei einige bei ihrer Rückkehr feststellen mussten, dass ihre Häuser vollständig zerstört waren. Als Susana Fernández González in ihr Elternhaus in San Pedro de Cansoles zurückkehrte, beschrieb sie es, „als wäre eine Bombe auf das Dorf gefallen“. Mitglieder der Bürgergarde und Psychologen hätten sie zurückbegleitet. Aber: „Alles war zerstört.“ Der spanische Bauernverband COAG schätzt, dass die Brände Schäden in Höhe von mindestens 600 Millionen Euro verursacht hätten, indem sie Ernten und Gebäude zerstörten und Vieh auf den Feldern verenden ließen. Spanien ringt mit der Frage, wie die Waldbewirtschaftung in Gebieten verbessert werden kann, in denen die Bevölkerung geschrumpft ist und die Landschaft sich unter begrenzter Kontrolle renaturiert hat. Spaniens Premierminister Pedro Sánchez hat eingeräumt, dass mehr Anstrengungen zur Verhinderung von Waldbränden erforderlich sind, und versprochen, alles zu tun, um dafür zu sorgen, dass Brände dieses Ausmaßes nie wieder auftreten. Da die natürliche Vegetationsschicht auf den Hügeln Galiciens zu Asche verbrannt ist, befürchten die Einheimischen Wasserknappheit in den kommenden Jahren, weil der Niederschlag in Bäche und Flüsse abfließt, anstatt in den lokalen Grundwasserspeicher zu sickern. Außerdem gelangt die Asche auch ins Meer. „Jeder weiß, dass Asche für Schalentiere entlang aller Küsten ein Problem darstellt. Und das ist für uns noch lange nicht gelöst“, sagt Álvarez Barreiro. Kurzfristig sind die Hänge für die Viehhaltung ungeeignet. Die Gemeinde von Álvarez Barreiro plant Schutzmaßnahmen, indem sie mit Hilfe von Drohnen Samen aussät, um die Areneros zu schützen. Die Kosten dafür belaufen sich auf etwa 12.000 Euro für eine Fläche von etwa 40 Hektar. „Ich glaube, wir sind noch weit davon entfernt, das Ausmaß des Problems anzugehen“, vermutet er.
