FAZ 15.01.2026
11:36 Uhr

Nach Treffen in Washington: Erleichterung in Dänemark, aber die Drohung bleibt


„Einig, dass wir uneinig sind“: Trump erhebt auch nach dem Krisentreffen in  Washington weiter Ansprüche auf Grönland, aber immerhin spricht man wieder miteinander. Auch über neue Widersprüche.

Nach Treffen in Washington: Erleichterung in Dänemark, aber die Drohung bleibt

Nach dem Treffen der Außenminister Dänemarks und Grönlands mit dem Vizepräsidenten und dem Außenminister Amerikas in Washington macht sich in Kopenhagen vorsichtige Erleichterung breit. Immerhin, es gab keinen Eklat, und man wurde nicht öffentlich vorgeführt. Den Vertretern Dänemarks und Grönlands gelang es sogar, ihren Standpunkt darzustellen. Und man einigte sich – bei aller Uneinigkeit in der Grundsatzfrage – darauf, weiter miteinander zu reden, obwohl Amerikas Präsident Donald Trump kurz vor dem Treffen in seinem sozialen Netzwerk Truth Social deutlich gemacht hatte, dass es eigentlich nichts zu besprechen gebe. Er freue sich, dass nun ein Dialog mit der amerikanischen Regierung stattfinde, sagte der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen am Donnerstag in Kopenhagen. „Aber das bedeutet nicht, dass die Gefahr nun gebannt ist.“ Es gebe nach wie vor große Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Grönland. „Das war kein einfaches Treffen“, teilte  auch Ministerpräsidentin Mette Frederiksen mit. Die amerikanischen Bestrebungen, Grönland zu übernehmen, bestünden weiter. Deshalb setze Dänemark seine Bemühungen fort. Rasmussen sichtlich erleichtert Die Erleichterung über den Verlauf des Treffens war Dänemarks Außenminister Lars Løkke Rasmussen anzusehen, als er am Mittwoch aus dem Gebäude neben dem Weißen Haus kam, in dem das Treffen stattfand. Rasmussen lief rasch zu einem wartenden Wagen, holte seinen Mantel aus dem Kofferraum und zündete sich eine Zigarette an. Mit der Faust begrüßte er den wartenden dänischen Botschafter. Dazu lächelnde Gesichter. Auch der grönländischen Außenministerin Vivian Motzfeldt bot Rasmussen eine Zigarette an. Beide betonten später vor dem Gebäude der dänischen Botschaft, die Diskussion mit Amerikas Vizepräsident J. D. Vance und Außenminister Marco Rubio sei offen und konstruktiv gewesen. Dabei sei aber immer klar gewesen, dass sich die Standpunkte fundamental unterschieden. Amerikas Präsident habe weiterhin den Wunsch, Grönland zu besitzen. „Und wir haben sehr deutlich gemacht, dass das nicht im Interesse des Königreichs ist“, so Rasmussen. „Wir sind uns einig, dass wir uneinig sind.“ Einig, uneinig zu sein Einig sei man sich auch, dass die Gespräche über Grönland weitergeführt werden sollen, dafür solle es eine ranghohe Arbeitsgruppe geben, die sich bereits in den nächsten Wochen treffen könnte, so Rasmussen. Dabei solle herausgefunden werden, wie die Sorgen des amerikanischen Präsidenten mit den „roten Linien“ Dänemarks und Grönlands zu vereinen seien. Man wolle das wenigstens versuchen, so Rasmussen. „Es ist nicht gelöst“, sagte der dänische Außenminister. „Ich habe auch nicht geglaubt, dass das geht.“ Trump wolle weiter Grönland. Dänemark lehne das weiterhin ab. Die Position machte Rasmussen auch später im Sender Fox News deutlich. Man strebe einen Ausbau der Kooperation mit den USA an, wolle aber nicht von den USA besessen werden, sagte auch Motzfeldt. Auch die USA haben Grönland vernachlässigt Doch bei der Pressekonferenz ging Rasmussen auch auf die USA zu. Er kenne Trump gut, sagte der zweimalige frühere dänische Ministerpräsident. Trump adressiere Dinge anders als er selbst, so Rasmussen. Aber in Trumps Worten sei „immer ein wenig Wahrheit“. Man könne die Arktis nicht Russland und China überlassen, Kopenhagen habe seine Präsenz in Grönland bereits verstärkt und sei bereit, noch mehr zu tun. Dass die Sicherheit in der Arktis vernachlässigt wurde, dafür machte Rasmussen aber die USA mitverantwortlich. Alle hätten die Friedensdividende nach dem Ende des Kalten Krieges genossen, hätten die Arktis als Region niedriger Spannungen gesehen, sagte er. Die USA hätten die Zahl ihrer Stützpunkte auf der Insel massiv verringert, die Zahl der stationierten Soldaten sei von 10.000 auf ein paar Hundert zurückgegangen. Dänemark als der treueste diplomatische Verbündete der USA überhaupt – „225 Jahre am Stück“, so Rasmussen – sei sehr offen für ein verstärktes Engagement der USA auf der Insel, nicht aber für die Abgabe des Territoriums. Rasmussen widersprach in dem Zusammenhang Trumps Darstellung, das Meer rings um Grönland sei voll von chinesischen und russischen Schiffen. Seit einem Jahrzehnt etwa sei kein chinesisches Kriegsschiff dort mehr gesichtet worden, „es gibt dort keine chinesische Bedrohung“, so Rasmussen. Eine akute russische Bedrohung sehen dänische Fachleute in der Region derzeit ebenfalls nicht. Trotzdem sind nun einige Soldaten aus Dänemark, aber auch Deutschland, Frankreich, Norwegen und Schweden auf der Insel eingetroffen oder auf dem Weg dahin. Der Zweck seien Übungs- und Trainingseinheiten, die Soldaten würden in einer Art Rotationssystem dort sein, so Verteidigungsminister Poulsen am Donnerstag. Umfang und Dauer des Einsatzes sind noch unklar. Beabsichtigt werde, eine dauerhaftere militärische Präsenz mit einem größeren dänischen Beitrag zu schaffen, aber auch ausländische Verbündete wie NATO-Mitglieder einzuladen, an den Übungs- und Trainingsaktivitäten teilzunehmen. Vorbereitet würden Übungen vergleichbar wie im Vorjahr. Die Frage, ob das auch ein Signal an die US-Regierung ist, beantwortete Poulsen nicht.