FAZ 27.01.2026
16:14 Uhr

Nach Sturm in Italien: Vier Kilometer langer Erdrutsch bedroht sizilische Stadt


Ein Erdrutsch in Niscemi wird einen Teil der sizilischen Stadt zerstören.  Der Zivilschutz sagt: Viele Häuser werden unweigerlich abstürzen. Niscemi ist fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten.

Nach Sturm in Italien: Vier Kilometer langer Erdrutsch bedroht sizilische Stadt

Nach dem Erdrutsch am Sonntag in der Nähe von Niscemi ist in der Stadt im Südwesten Siziliens keine Entspannung der Lage in Sicht. Infolge starker Regenfälle war auf einer Länge von vier Kilometern ein Abhang ins Rutschen geraten und hatte zwei der drei Zufahrtsstraßen zu der Stadt, die rund 25.000 Einwohner zählt, in die Tiefe gerissen. Aus den Häusern nahe der Abbruchkante mussten etwa 1500 Personen in Sicherheit gebracht werden. Viele Familien sind bei Verwandten oder Freunden untergebracht, etwa 500 Betroffene haben die vergangenen Nächte auf Feldbetten in der Sporthalle der Stadt in der Provinz Caltanissetta verbracht. Der regionale Vertreter des Zivilschutzes machte den Familien keine Hoffnung, bald wieder in ihre Häuser und Wohnungen zurückkehren zu können. Der Hang sei weiter in Bewegung. „Alle Häuser im Umkreis von 50 bis 70 Metern werden ­unweigerlich ein- oder abstürzen“, sagte Salvo Cocina vom sizilianischen Zivilschutz. Für die in Sicherheit gebrachten Bewohner der betroffenen Stadtviertel sei es an der Zeit, dauerhaft nach anderen Unterkünften zu suchen. Die ­Behörden hatten die instabilen Stadtviertel rechtzeitig evakuiert und die ­betroffenen Zufahrtsstraßen ab­gesperrt, sodass in Niscemi bisher ­keine Verletzten oder gar Todesfälle zu beklagen sind. „Es ist eine äußerst ernste Lage“ Auf die Südküste Siziliens war am ­Wochenende der Wintersturm Harry mit Orkanböen, Starkregen und Wellen von bis zu 17 Meter Höhe geprallt. „Es ist eine äußerst ernste Lage“, sagte Regionalpräsident Renato Schifani. „Das Unwetter hat an der Küste, dem Juwel des ­sizilianischen Tourismus, verheerende Schäden angerichtet.“ Die Schäden wurden auf zunächst 740 Millionen Euro geschätzt. Die Regierung in Rom hat für die besonders betroffenen Regionen Kalabrien, Sardinien und Sizilien eine Soforthilfe von 100 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Zudem wurde der Notstand für die ­Regionen ausgerufen, um die Zuweisung zusätzlicher Finanzhilfen zu beschleunigen. Der Minister für Katastrophen­schutz, Nello Musumeci, sagte, der Notstand könne nach einer Dauer von zunächst zwölf Monaten bei Bedarf um ein Jahr verlängert werden. Derweil bleibt Niscemi, wo zu Wochen­beginn Schulen und viele Geschäfte geschlossen blieben, fast vollständig von der Außenwelt abgeschnitten. Zwei der drei wichtigsten Zufahrtsstraßen sind gesperrt. Der Bürgermeister kündigte am Dienstag an, dass die Zahl derer, die ihre Häuser verlassen müssten, zunehmen werde. Mit jedem weiteren Erdrutsch rücke die Abbruchfront weiter in die Stadt vor. Der Zivilschutz beobachtet die Lage mit Drohnen. Schon 1997 hatte es in der Nähe einen Erdrutsch gegeben, der aber bei Weitem nicht das Ausmaß des jetzigen Erdrutsches erreichte.