FAZ 07.01.2026
08:59 Uhr

Nach Stromausfall: In Kürze wieder überall Strom im Berliner Südwesten


Mehrere Tage lang mussten Zehntausende Haushalte in Berlin ohne Strom auskommen. Nun soll der Ausfall behoben werden, und das früher als geplant.

Nach Stromausfall: In Kürze wieder überall Strom im Berliner Südwesten

Vier Tage nach dem großflächigen Stromausfall im Berliner Südwesten ist die Stromversorgung für das betroffene Gebiet wieder angelaufen. Schrittweise sollten in den nächsten Stunden sämtliche Haushalte wieder Strom haben, teilte ein Sprecher der landeseigenen Netzgesellschaft Stromnetz Berlin mit. Am Morgen hatte Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) gesagt, dass der Stromausfall am Vormittag behoben sein werde. „Wir fahren heute ab 11 Uhr das Stromnetz in den betroffenen Gebieten schrittweise wieder hoch“, teilte er am Morgen mit. „Möglich wurde das auch, weil wir die Großschadenslage ausgerufen und damit die notwendigen Kräfte und Abläufe gebündelt haben“, so Wegner weiter. „Es war richtig, parallel an zwei Standorten zu arbeiten - so konnten die Reparaturen schließlich am Anschlagsort erfolgreich abgeschlossen werden.“ „Wir arbeiten an einer Wiederversorgung heute im Laufe des Tages“, hatte zuvor ein Sprecher der Firma Stromnetz Berlin gesagt. Der Stromausfall war den Angaben zufolge der längste der Nachkriegsgeschichte in der Hauptstadt. Erst im vergangenen September hatte es nach einem Brandanschlag im Südosten der Stadt zu einem rund 60-stündigen Blackout geführt. Damals waren zunächst rund 50.000 Stromkunden von dem Störfall betroffen. Die Senatsverwaltung bat die Menschen im Südwesten, bis spätestens 10.30 Uhr private Notstromaggregate abzuschalten, um die Stromversorgung insgesamt gewährleisten zu können. Elektrogeräte sollten vom Netz getrennt werden. Während der Wiederanschaltung könne es zu kurzzeitigen Stromunterbrechungen kommen, hieß es. Großschadenslage ausgerufen Nach dem Brandanschlag an einer Kabelbrücke im Bezirk Steglitz-Zehlendorf, zu dem sich eine linksextremistische Gruppierung bekannte, waren am Samstagmorgen im Südwesten Berlins zunächst 45.000 Haushalte und 2.200 Unternehmen ohne Strom. Nach Angaben des Regierenden Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) waren insgesamt rund 100.000 Menschen von dem Blackout betroffen. Berlin hatte am Sonntag eine sogenannte Großschadenslage ausgerufen. Am Mittwochmorgen waren nach Angaben des Betreibers noch rund 19.900 Haushalte und 850 Gewerbebetriebe ohne Strom. Dank Notstromaggregaten öffneten etliche Supermärkte. Auch Handys hatten vielfach wieder Netz, weil zahlreiche Mobilfunkmasten wieder in Betrieb waren. Bei den Ermittlungen zu den Tätern gibt es noch keine Ergebnisse. Die Polizei sprach von sehr umfangreicher Tatortarbeit. Die sogenannten „Vulkangruppen“, die sich zu dem Anschlag in einem Schreiben bekannten, sind den Ermittlern bereits länger bekannt. Sie griffen mutmaßlich schon mehrfach etwa Bahnanlagen oder das Stromnetz an. Bundesanwaltschaft ermittelt Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat inzwischen die Ermittlungen übernommen. Aus Sicht der obersten deutschen Strafverfolgungsbehörde besteht der Verdacht auf verfassungsfeindliche Sabotage, Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, Brandstiftung und Störung öffentlicher Betriebe. In einem Bekennerschreiben hatte eine der linksextremistischen „Vulkangruppen“, die seit 2011 vor allem in Berlin und Brandenburg immer wieder Brandanschläge auf die öffentliche Infrastruktur verübt haben sollen, die Tat für sich reklamiert. Die Gruppe meldete sich am Dienstagabend noch einmal, um unter anderem die Spekulationen über eine Verbindung nach Russland zurückzuweisen. „Zu den kursierenden Unterstellungen einer angeblichen ‚False-Flag-Aktion‘ eines ausländischen Staates sagen wir klar: Diese Spekulationen sind nichts weiter als der Versuch, die eigene Ohnmacht zu kaschieren“, heißt es in dem auf dem Portal „knack.news“ veröffentlichten Schreiben. „Dass Menschen hier vor Ort in der Lage sind, Infrastruktur anzugreifen, passt nicht ins Sicherheitsnarrativ von Politik und Behörden“, so die Gruppe weiter. Also werde ein äußerer Feind konstruiert. Warum das Berliner Bekennerschreiben keine Übersetzung aus dem Russischen sein kann, lesen Sie hier. Ob das zweite Schreiben tatsächlich von derselben Gruppe stammt, ist derzeit unklar. Berlins Innenverwaltung hatte das erste Bekennerschreiben am Sonntag als authentisch eingestuft, das Bundesinnenministerium äußerte sich zurückhaltender. Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) sprach -  wie zuvor der Regierende Bürgermeister Wegner - von „Linksterrorismus“. Täter hätten bewusst und wissentlich in Kauf genommen, dass Menschen zu Schaden kämen. Auch CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann sagte im „Frühstart“ von RTL und ntv: „Das ist Terror. Das ist Linksextremismus.“