FAZ 14.12.2025
13:07 Uhr

Nach Sieg gegen Augsburg: Die Eintracht und die Frage nach dem „Gesamtbild“


Nach dem mühsamen 1:0 gegen Augsburg beklagt sich Eintracht Frankfurt über die negative Grundstimmung.  Ein Champions-League-Platz ist in Reichweite. War die jüngst aufgekommene Trainerdiskussion übertrieben?

Nach Sieg gegen Augsburg: Die Eintracht und die Frage nach dem „Gesamtbild“

Vor der letzten Kalenderwoche des Jahres im Fußballbetrieb Bundesliga fungierte Ansgar Knauff in den Katakomben des Waldstadions als gefragter Kompass aus Spielersicht. Wo geht es hin mit Eintracht Frankfurt, war eine der Fragen der Journalisten an ihn. Und wie ist es bezüglich der Zukunftsaussichten um Trainer Dino Toppmöller bestellt, lautete eine andere. Seine Antworten fielen so aus: „Wir stehen in der Tabelle gut da, wir wissen, wir sind bei den Punkten voll da, es ist noch alles drin, wir sind auf dem Weg, es ist ein Prozess“, sagte Knauff am Samstag nach dem mühevollen und auch etwas glücklichen 1:0-Heimsieg über den FC Augsburg, bei dem er von Dino Toppmöller aufgrund der Stürmernot abermals als Angreifer aufgeboten worden war. Die „ganze Kritik außenrum“, die nach dem desolaten 0:6 in Leipzig ihren Höhepunkt erreicht hatte, vernahm auch der 23-Jährige. Nur: Gut oder schlecht, „es geht in alle Richtungen ein bisschen zu schnell“, urteilte Knauff über die jeweiligen Reaktionen. „Wir wissen selbst, dass wir fußballerisch ein besseres Spiel abliefern können.“ Aber: „Ich würde sagen, es ist trotzdem nicht alles so schlecht“, war das Ergebnis seiner Bestandsaufnahme vor dem finalen Punktspiel 2025 am kommenden Samstag (15.30 Uhr/bei Sky und im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga) beim zu Hause formstarken Aufsteiger HSV, in das die Eintracht mit zwei Punkten Rückstand auf den Champions-League-Rang vier geht. Die vor allem bei einem Teil der Anhängerschaft aufgekommenen Zweifel an der Arbeit von Toppmöller ordnete Knauff auf Nachfrage so ein: „Du verlierst ein oder zwei Spiele, dann ist der Trainer immer der Erste, der kritisiert wird.“ Trainerdebatte „überspitzt“ Der Haken an der Sache besteht aus seiner Sicht darin, dass „nicht immer nur der Trainer oder die Spieler Schuld sind“. Bei der Einschätzung der Situation sei vielmehr ein „Gesamtbild“ heranzuziehen, meinte er, ohne aber ins Detail zu gehen. In Frankfurt gibt Markus Krösche als Sportvorstand die Richtung vor. Und in dieser Leitungsfunktion gewährte er in der Mixed-Zone einen Einblick in seine Denkweise. „Wir müssen alle ein bisschen schauen, wer wir sind und wo wir herkommen“, forderte er. Die teilweise in der Öffentlichkeit geführten Diskussionen um Trainer Toppmöller bewertete Krösche als „ein bisschen zu überspitzt“. Natürlich sei der Wunsch da, „dass wir besser Fußball spielen“, gab er zwar zu. Doch Krösche lenkte den Blick auf die „ordentliche Ausbeute in der Bundesliga“ und verwies auf die Ausgangssituation in der Champions League, die den Frankfurtern im neuen Jahr noch die Möglichkeit auf das Erreichen der Play-offs lässt. Allzu große Hoffnung darf sich die Eintracht zumindest in dieser Hinsicht allerdings nicht mehr machen. „Jeder von uns muss wissen: Bei Eintracht Frankfurt steht man deutlich mehr unter dem Brennglas als bei anderen Klubs“, sagte Krösche noch. Nach der Pleite in Leipzig waren die Blicke von außen vermehrt auf Toppmöller gerichtet. Ist er noch der richtige Trainer? Es sei „kein leichtes halbes Jahr“ gewesen, sagte Toppmöller nun nach dem siebten Saisonerfolg. Die Siege (6:4 in Gladbach und 4:3 in Köln) hätten sich manchmal „nicht wie Siege angefühlt, das liegt ein bisschen auf den Jungs drauf“. Toppmöller wird es nicht langweilig Wie es um die Gefühlswelt des Trainers bestellt ist, nachdem sich die Stimmung in Teilen gegen ihn gewendet hatte, war von Toppmöller in der wöchentlichen Pressekonferenz vor dem Augsburg-Spiel zu hören. „Wenn du erfolgreich sein willst, dann musst du es auch aushalten, wenn Leute über dich sprechen. Ob es gut ist oder nicht: Ich kann sowieso nur die Dinge beeinflussen, die ich in der Hand habe.“ Und weiter: „Das sind die Momente, an denen du wachsen kannst und wo du deinen Mann stehen musst. Du kannst dich nicht nur feiern lassen, wenn du gewinnst. Du musst es auch aushalten, wenn du in der Kritik stehst. Ob es gerechtfertigt ist oder nicht, darf keine Rolle spielen. Im Leben geht es nicht immer fair zu.“ Dieses Gefühl teilten am Samstag die Augsburger. Die Begegnung habe sich „wie ein klassisches 0:0 angefühlt“, klagte deren Kapitän Keven Schlotterbeck. Zweimal erkannte der VAR dem FCA in dem „zähen Spiel“ (Toppmöller) einen Treffer ab. „Diese Kleinigkeiten sind heute zu unseren Gunsten gefallen“, sagte der Eintracht-Coach und fand, dass es die Frankfurter „verdient“ gehabt hätten. Ein von der Heimmannschaft temporeiches Angriffsspiel bekamen die 58.300 Zuschauer nicht zu sehen. Aus Frankfurter Fanperspektive entschied immerhin ein Sololauf von Ritsu Doan zum 1:0 (68. Minute) die mäßige Darbietung. „Wir wissen, dass es spielerisch besser geht“, sagte auch Toppmöller. „Aber der ein oder andere läuft auf der Rille. Man sieht schon, dass die letzte Frische fehlt.“ An der nötigen Einstellung und am Kampfeswillen mangelte es dem Personal dennoch nicht, der Trainer hob zu Recht am Vorbild von Doan eine „absolute Willensleistung“ in der zweiten Halbzeit hervor. „Wir haben das umgesetzt, worauf unser Fokus lag: Als Team zusammenzubleiben und alles reinzuhauen“, pflichtete ihm Knauff bei. Einer wird im Spiel beim HSV jedoch definitiv nicht mit von der Partie sein: Verteidiger Arthur Theate aufgrund seiner fünften Gelben Karte. Bangen muss die Eintracht um das Mitwirken von Kapitän Robin Koch, den Wadenprobleme plagen. „Wir haben bis jetzt wenig gejammert und das werden wir auch jetzt nicht tun“, betonte Toppmöller, der bei den Personalplanungen vor neuen Herausforderungen steht. „Es wird hier tatsächlich nie langweilig“, sagte er.