FAZ 02.03.2026
12:33 Uhr

Nach Remis in Leverkusen: Keine halben Sachen bei Mainz 05


Urs Fischers ruhige Art, seine taktischen Veränderungen und die im Winter getätigten Verpflichtungen haben den Mainzer Kader stabiler – und überlebensfähig – gemacht. Doch der Weg zum Klassenverbleib ist ein weiter.

Nach Remis in Leverkusen: Keine halben Sachen bei Mainz 05

Wer am Samstag nach dem Spiel die Kommentare der Sky-Experten hörte, konnte auf den Gedanken kommen, der FSV Mainz 05 befinde sich im direkten Landeanflug auf die internationalen Plätze. Der Tenor der Einschätzungen: Die Sache mit dem Abstiegskampf hat sich erledigt, dafür sind die Mainzer zu stark, erst recht, wenn Nadiem Amiri jetzt wieder zurückkommt. Schön wär’s, werden sie sich am Bruchweg denken. In der Tat weist die Mannschaft eine beeindruckende Serie auf, seit Urs Fischer das Traineramt übernommen hat. Von elf Meisterschaftspartien hat sie vier gewonnen, nur zwei verloren und fünfmal unentschieden gespielt. Ihre Punktausbeute steigerte sie von sechs auf 23, aus sechs Zählern Rückstand, den sie als Tabellenletzte auf einen Nichtabstiegsplatz hatte, wurde ein Punkt Vorsprung auf den Relegationsplatz. Amiris Ausfall macht es nicht leichter Zu dieser Entwicklung haben Fischers ruhige Art und seine taktischen Veränderungen ebenso ihren Teil beigetragen wie die vier im Winter getätigten Verpflichtungen. Dank der Neuzugänge Phillip Tietz, Silas und Sheraldo Becker verfügen die Rheinhessen inzwischen über einen wettbewerbsfähigen Sturm, Stefan Posch überzeugte auf Anhieb in der Innenverteidigung. Jünger wurde der Kader dadurch zwar nicht, aber stabiler. Und überlebensfähig. Davon zeugen nicht zuletzt die Auftritte gegen Topteams der Liga wie das 2:2 in München, das 2:1 in Leipzig und nun das 1:1 in Leverkusen. Aber was Fischer an seinem ersten Arbeitstag in Mainz vorhergesagt hatte, gilt noch immer: Der Weg zum Klassenverbleib ist ein weiter. Dass Amiri, der sich nach mittelmäßiger Hinrunde deutlich gesteigert und endlich wieder seine Anführerqualitäten gezeigt hat, nach dem Stand der Dinge mehrere Wochen ausfallen wird, macht ihn nicht leichter. Silvan Widmer sprach am Samstag angesichts der Leverkusener Drangphase nach dem Mainzer Führungstreffer von einer „Kostprobe für das, was uns in den nächsten Wochen erwartet“. Sprich: Jeder (Teil-)Erfolg erfordert harte Arbeit, den unbedingten Willen, körperlich auch über die eigenen Grenzen zu gehen. Egal ob es als Nächstes gegen eine weitere Mannschaft aus dem Dunstkreis der Champions-League-Plätze, den VfB Stuttgart oder anschließend bei einem direkten Konkurrenten, Werder Bremen, zur Sache geht. „Es wird hart“, kündigte der Mainzer Kapitän an. „Und die Conference-League-Spiele kommen ja auch noch dazu.“ Das heißt, in Kürze stehen wieder zwei englische Wochen hintereinander an, weitere sollen folgen. Denn bei aller Schwerpunktsetzung auf die Bundesliga: Auf europäischer Ebene erstmals ein Finale zu erreichen, das dann auch noch in Deutschland (Leipzig) stattfindet, ist zu reizvoll, um die Sache mit halber Kraft anzugehen.