FAZ 10.02.2026
10:39 Uhr

Nach Raub In Gelsenkirchen: Was beim Kauf eines Tresors zu beachten ist


Tresorverkäufer melden mehr Anfragen von Schließfachkunden, die seit dem Bankraub in Gelsenkirchen verunsichert sind.

Nach Raub In Gelsenkirchen: Was beim Kauf eines Tresors zu beachten ist

Es war ein spektakulärer Bankraub, der bei einigen Schließfachkunden offenbar für Verunsicherung gesorgt hat: Ende vergangenen Jahres brachen unbekannte Täter mehr als 3000 Schließfächer in der Gelsenkirchener Sparkasse auf, sie sollen Gold, Geld und andere Wertgegenstände im Wert von bis zu 100 Millionen Euro erbeutet haben. Auch wenn Polizei und Versicherer immer wieder hervorheben, dass Schließfächer sicherer als das eigene Zuhause sind, melden sich bei Händlern, die Tresore verkaufen, seit dem Coup von Gelsenkirchen mehr Kunden als sonst. Viele, so heißt es, möchten ihr Vermögen nach Hause holen – in einen Tresor. „Das Vertrauen in das Bankschließfach wurde beschädigt“, sagt Karsten Gottschall, Marketing- und Vertriebsleiter der Eisenbach Tresore GmbH in Fuldabrück im Landkreis Kassel, und bestätigt: „Ja, wir haben sehr viele Anfragen“, seit dem Einbruch klingele das Telefon häufiger als sonst. Seiner Einschätzung nach seien die Sicherheitsbedenken gegenüber Bankschließfächern auch deswegen gestiegen, weil seitdem öffentlichkeitswirksam kommuniziert werde, dass Wertsachen in den Schließfächern nicht automatisch in voller Höhe versichert sind. In diesem Zusammenhang erinnert Gottschall daran, dass beispielsweise eine Schließfach-Standardversicherung in Höhe von 10.000 Euro nicht ausreiche, wenn ein Kunde vor Jahren Gold in Höhe dieses Wertes gekauft habe. Alleine durch die Wertsteigerung sei das Edelmetall unterversichert. Eine seriöse Aussage, wie stark der Absatz und der Umsatz von Eisenbach Tresore alleine aufgrund des Einbruchs gestiegen sind, kann Gottschall nicht treffen. „In der dunklen Jahreszeit verkaufen wir immer sehr gut. Das ist die Hoch-Zeit für Tresore“, erläutert er. Zudem müsse man beachten, dass der Kauf eines Tresors selten eine spontane Entscheidung sei. Das liegt laut Gottschall daran, dass die verschiedenen Modelle unterschiedliche Widerstandsgrade besitzen und entsprechende Versicherungsgrenzen gelten. So kann ein Tresor mit der VDS-Klasse null privat mit bis zu 40.000 Euro und gewerblich bis zur Höhe von 10.000 Euro versichert werden. Überfall auf Sparkasse Gelsenkirchen: Mehr Anfragen für Tresore Laut Gottschall würden daher viele Kunden zuerst Kontakt mit ihrer Hausratversicherung aufnehmen und abklären, welchen Wertschutzschrank sie benötigten, damit Geld, Schmuck und andere Gegenstände im Falle eines Einbruchs auch tatsächlich versichert sind. Eisenbach Tresore bietet verschiedene Tresore an, darunter sind Waffenschränke, Möbeltresore und Aktentresore. Bei den aktuellen Anfragen geht es nach Auskunft des Vertriebsleiters jedoch vorrangig um Wertschutzschränke der VDS-Klassen zwei und drei, die dafür taugen, Vermögen aus Bankschließfächern sicher in den eigenen vier Wänden aufbewahren zu können. „Es geht nicht mehr um einen Ordner oder USB-Stick, es geht um Werte“, stellt er klar. „Tresorräume von Banken sind eigentlich sehr sicher“ Der Trend ist auch nach Auskunft von Markus Hartmann, einem der beiden Geschäftsführer der Hartmann Tresore GmbH, ziemlich eindeutig. Einfach in Zahlen fassen lässt sich das aber nicht, weil die Tresorbranche laut Hartmann „superdiskret“ ist. Doch bestätigt Hartmann, dass es im Januar erheblich mehr Anfragen für Wertschutzschränke gab. So habe das Unternehmen auch eine Niederlassung in Oberhausen und damit nur wenige Kilometer von der Sparkasse Gelsenkirchen entfernt. „Alleine die Zahl der Kunden, die dort in das Ladengeschäft kommen, hat sich signifikant gesteigert.“ Der Geschäftsführer sieht einen klaren Zusammenhang zwischen dem Anstieg der Anfragen nach Tresoren und dem Einbruch in Gelsenkirchen. „Unsere Kollegen in Oberhausen sagen, dass die Kunden sich regelmäßig auf den Einbruch beziehen“, erklärt er. Viele würden angeben, zwar ein Schließfach gemietet zu haben, nun aber ihre Werte nach Hause holen zu wollen. „Wir verkaufen nur zertifizierte Wertschutzschränke, die von einem Prüfinstitut auf die Widerstandsfähigkeit getestet wurden“, sagt Hartmann und ergänzt, dass ein solcher Tresor unbedingt fachgerecht verankert werden müsse. Der Geschäftsführer stellt aber auch klar, dass er nicht daran interessiert sei, Banken-Bashing zu betreiben, denn die Tresorräume von Banken seien grundsätzlich sehr sicher. „Das ist ein Widerstandsgrad von zehn bis 13, mit professionellen Alarmanlagen und gut geschultem Personal“, gibt er zu bedenken und fügt an: „Da kann man eigentlich davon ausgehen, dass das sicher ist.“ Unabhängig von dem Coup im Ruhrgebiet sorgt nach Einschätzung von Eisenbach-Vertriebsleiter Gottschall eine weitere Entwicklung für steigende Absatzzahlen der Tresorverkäufer. Weil immer mehr Banken und Sparkassen ihre Filialen schließen, fielen dadurch auch zahlreiche Schließfächer weg. Wenn eine Bank eine Filiale mit 150 Schließfächern schließe, dann biete das das Potential, 150 Tresore zu verkaufen, rechnet Gottschall vor.