FAZ 29.09.2026
12:58 Uhr

Nach Medienbericht: Bardella reicht Klage ein


Der Vorsitzende des Rassemblement National soll in jungen Jahren antisemitische Textnachrichten verfasst haben. Der Dachverband der jüdischen Organisationen reagiert irritiert.

Nach Medienbericht: Bardella reicht Klage ein

Die Affäre um antisemitische Äußerungen Jordan Bardellas weitet sich aus. Der Vorsitzende des Rassemblement National (RN) hat am Dienstag über seinen Anwalt eine Verleumdungsklage gegen das linke Newsportal Mediapart angestrengt. Aber bis in die eigenen Reihen hinein herrscht Unverständnis, dass Bardella die Parteiführung nicht über die Anfragen Mediaparts informiert hatte, wie „Le Parisien“ schreibt. Das für seine investigativen Recherchen bekannte Portal hatte am Montag von antisemitischen Textnachrichten berichtet, die Bardella im Spätsommer 2013 rund um seinen 18. Geburtstag geschrieben haben soll. Darin heißt es unter anderem, „der Jude“ wolle „die anderen Völker beherrschen“ und „auslöschen“. Juden wollten außerdem „eine neue Weltordnung, dominiert von Israel, und natürlich mit Jerusalem als Hauptstadt“. In einer Textnachricht heißt es: „Alle Banken gehören Juden.“ Laut Mediapart sind diese überprüft und als authentisch identifiziert worden. Bardella war im Jahr zuvor der RN-Vorgängerpartei Front National (FN) beigetreten. Es gibt Fotos aus dieser Zeit, die ihn mit Parteigründer Jean-Marie Le Pen zeigen, der für seine antisemitischen Entgleisungen wiederholt verurteilt wurde. Bardella hat bestritten, Urheber der Textnachrichten zu sein. „Man will mich politisch ermorden“, sagte der 31 Jahre alte Parteichef am Dienstag. Marine Le Pen bezeichnete die Affäre als „Irrsinn“. In Paris wurden Gerüchte verbreitet, die Präsidentschaftskandidatin wolle sich auf diese Weise Bardellas entledigen. Valérie Pécresse: „Antisemitismus ist Teil der DNA des RN“ Der Präsident des Dachverbands der jüdischen Organisationen (Crif), Yonathan Arfi, sprach von einem „schallenden Dementi der Strategie der Entdämonisierung des RN“, sollten sich die Erkenntnisse bewahrheiten. „Wie konnte ein politischer Verantwortlicher, der solch widerwärtige antisemitische Äußerungen getätigt hat, so viel Verantwortung in einer Partei erringen, die vorgibt, sich verändert zu haben und den Judenhass zu bekämpfen“, schrieb Arfi auf der Plattform X. Bardella war im März 2025 der erste RN-Vorsitzende, der von der israelischen Regierung zu einer Konferenz über den Kampf gegen Antisemitismus nach Israel eingeladen worden war. Schon seit Längerem wirbt der RN damit, die bedrohten jüdischen Franzosen vor islamistischen Übergriffen zu schützen. Die ehemalige Präsidentschaftskandidatin der Republikaner, Valérie Pécresse, sagte am Dienstag dem Sender RMC, Bardella habe „eine gewisse Anzahl von Personen um sich versammelt, die zutiefst antisemitisch sind“. „Antisemitismus ist Teil der DNA des RN. Ist er auch Teil der DNA von Jordan Bardella? Das weiß ich nicht, das wird die Justiz entscheiden“, sagte die Präsidentin der Hauptstadtregion Île-de-France. „Die Grenzen der Entdämonisierung des RN sind überschritten“, sagte der ehemalige Republikaner-Chef Jean-François Copé im Radiosender RTL. Die Äußerungen, die Bardella zugeschrieben werden, seien schwerwiegend. „Sie greifen alle antisemitischen Klischees auf, die seit 120 Jahren zum rechtsextremen Gedankengut gehören“, sagte Copé. Auch von links gab es empörte Reaktionen. Mediapart hatte seinerzeit die illegalen Machenschaften des sozialistischen Haushaltsministers Jérôme Cahuzac enthüllt. Dieser hatte zunächst geleugnet, musste dann aber seine Lügen eingestehen.