FAZ 15.01.2026
17:48 Uhr

Nach Massenprotesten: Kein Wort der FIFA zu Iran


Internationale Sportorganisationen behandeln das Massaker der iranischen Machthaber an Bürgern des Landes mit Routine. Wie sie damit umgehen, bleibt noch unklar.

Nach Massenprotesten: Kein Wort der FIFA zu Iran

Internationale Sportorganisationen behandeln das Massaker der iranischen Machthaber an Bürgerinnen und Bürger des Landes mit Routine. Welche Auswirkungen der Massenmord auf die Beteiligung des staatlich kontrollierten Fußballverbands an der Weltmeisterschaft in Nordamerika im Sommer hat? Was er für die Teilnahme der ebenso vom Regime kontrollierten nationalen olympischen sowie paralympischen Komitees an den Winterspielen in Norditalien in den kommenden Wochen bedeutet? Ob der internationale Fußballverband FIFA, das Internationale Olympische Komitee (IOC) und das Internationale Paralympische Komitee (IPC) überprüfen, ob Sportlerinnen und Sportler unter den Opfern sind? IPC mit wenig Erfolg bei der Kontaktaufnahme Die FIFA lehnt eine Stellungnahme dazu ab. Ein IOC-Sprecher teilte mit, man sei mit dem iranischen NOK und „Mitgliedern der olympischen Gemeinschaft in Iran in Kontakt“ und arbeite „aktiv daran, die Teilnahme des iranischen Teams an den Olympischen Winterspielen zu ermöglichen“. Die Rolle des IOC müsse bleiben, „Sportler und andere Menschen friedlich zusammenzubringen“. IPC-Sprecher Craig Spence hingegen teilte mit, seine Organisation habe bislang weniger Erfolg als das IOC bei der Kontaktaufnahme mit Personen in der Islamischen Republik Iran gehabt, wo seit der vergangenen Woche das Internet gekappt ist und Mobiltelefone nicht aus dem Ausland angerufen werden können: „Wegen der limitierten Internetkonnektivität haben wir nichts gehört. Unsere Priorität ist es, die Gesundheit und das Wohlergehen der iranischen Paraathleten zu überprüfen.“ Masoud Mehdi Zatparvar unter den Toten Eine Strafmaßnahme gegen ein nationales paralympisches Komitee, weil sich ein Land oder eine Regierung in einem Konflikt oder einem Krieg befindet, schließe die Verfassung des IPC aus. Es ist weiterhin nicht klar, wie viele Tausend Bürgerinnen und Bürger die Machthaber der Islamischen Republik Iran in den vergangenen Tagen umgebracht haben. Man muss aber inzwischen befürchten, dass mehr Protestierende die Ausübung dieses Menschenrechts das Leben gekostet hat, als bei den Aufständen in Ungarn 1956 und beim Tiananmen-Massaker in Peking 1989 gestorben sind. Unter den Toten ist, wie unter anderem die F.A.Z. berichtete, Masoud Mehdi Zatparvar, mehrmaliger Weltmeister im Bodybuilding. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International forderte am Donnerstag die Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen auf, Ermittlungen beim Internationalen Strafgerichtshof einzuleiten.