FAZ 26.12.2025
16:34 Uhr

Nach Kriegsrecht: Südkoreanischem Ex-Präsidenten drohen zehn Jahre Haft


Yoon hatte das Kriegsrecht ausgerufen und Südkorea in eine politische Krise gestürzt. Das erste von vier Verfahren gegen ihn steht nun vor dem Abschluss – schwere Strafen könnten folgen.

Nach Kriegsrecht: Südkoreanischem Ex-Präsidenten drohen zehn Jahre Haft

Dem ehemaligen südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk-yeol, der sich wegen der kurzzeitigen Verhängung des Kriegsrechts vor einem Jahr vor Gericht verantworten muss, drohen in einem ersten Verfahren zehn Jahre Haft. Die Sonderstaatsanwaltschaft forderte das Strafmaß am Freitag wegen mehrerer Vergehen, unter anderem Behinderung der Justiz, wie lokale Medien berichteten. Im Januar hatte Yoon sich in der Präsidentenresidenz verbarrikadiert und soll Ermittler daran gehindert haben, ihn festzunehmen. Das Verfahren ist das erste von insgesamt vier gegen Yoon, in dem nun ein Strafmaß gefordert wurde. Yoon habe mit seinen Handlungen „die Rechtsordnung der Republik Korea schwer beschädigt und die Bürger, die ihm genug Vertrauen entgegengebracht hatten, um ihn zum Präsidenten zu wählen, zutiefst verletzt“, erklärte die Sonderstaatsanwaltschaft in ihrer Begründung. Yoon sagte in seiner letzten Stellungnahme vor der Entscheidung, die Anklageschrift lese sich „wie eine Komödie“. Das Gericht soll am 16. Januar darüber entscheiden, zwei Tage bevor Yoons Haft endet. Er sitzt seit Juli im Gefängnis, weil ein Gericht die Gefahr sah, dass er Beweismaterial vernichten könnte. Yoon droht die Todesstrafe In dem Prozess geht es neben dem Vorwurf der Justizbehinderung auch darum, dass Yoon Kabinettsabläufe umgangen haben soll. Nach der Aufhebung des Kriegsrechts soll er zudem eine Bekanntmachung überarbeitet und dann vernichtet haben, die den Anschein einer rechtmäßigen Ausrufung des Kriegsrechts erwecken sollte. Außerdem soll er die Veröffentlichung von Pressemitteilungen mit Falschangaben angeordnet und das Löschen von Aufzeichnungen gesicherter Kommunikation beauftragt haben. Einer schwerwiegenderen Anklage sieht sich Yoon in einem weiteren Verfahren gegenüber: Er soll als Drahtzieher die Verhängung des Kriegsrechts befehligt und geleitet haben. Hierfür könnte er mit lebenslanger Haft oder sogar dem Tod bestraft werden. Yoon hält vor Gericht an seinem Standpunkt fest, die Ausrufung des Kriegsrechts sei legitim gewesen. Am 3. Dezember vergangenen Jahres hatte Yoon überraschend das Kriegsrecht ausgerufen und Südkorea damit in eine schwere politische Krise gestürzt. Er begründete den Schritt mit einem anhaltenden Haushaltsstreit und warf der Opposition vor, von kommunistischen und staatsfeindlichen Kräften unterwandert zu sein. Nachdem Sicherheitskräfte versucht hatten, die Abstimmung zu verhindern, hob das Parlament den Kriegszustand nach wenigen Stunden einstimmig wieder auf. Am 14. Dezember stimmte es für Yoons Amtsenthebung. Im April machte das Verfassungsgericht den Schritt mit seiner Bestätigung endgültig.