FAZ 14.12.2025
14:29 Uhr

Nach Flutkatastrophe: Ahrtalbahn fährt nach viereinhalb Jahren wieder


Bei der Flutkatastrophe im Ahrtal mit 135 Toten war die rund 14 Kilometer lange Strecke fast vollständig zerstört worden. Nun wurde der Regelbetrieb wiederaufgenommen.

Nach Flutkatastrophe: Ahrtalbahn fährt nach viereinhalb Jahren wieder

Die erste planmäßige Fahrt der Ahrtalbahn begann am Sonntagmorgen um 6.18 Uhr in Remagen und endete um kurz vor sieben in Ahrbrück. Bei der Flutkatastrophe vor viereinhalb ­Jahren, bei der 135 Personen ums Leben kamen, war die rund 14 Kilometer lange Strecke zwischen Walporzheim und Ahrbrück fast vollständig zerstört worden. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), der aus der nahen Eifel stammt, erinnerte bei der Feier zur Wiederer­öffnung am Freitag an das Ausmaß der Zerstörung. Der Bahndamm sei fast vollständig weggeschwemmt gewesen, die Bahngleise hätten im Nichts geendet. Der Minister lobte die Kraftanstrengung von Bund, Land und den Menschen im Ahrtal, die es möglich machten, dass die Strecke in verhältnismäßig kurzer Zeit neu gebaut und modernisiert habe werden können. „Die Bahn ist zurück im Ahrtal“, sagte Bahnchefin Evelyn Palla am Freitag. Für den Konzern, den die Managerin erst seit einigen Wochen führt, ist die Wiederin­betriebnahme der Ahrtalbahn eine selten gewordene Erfolgsmeldung. Palla beschrieb den Wiederaufbau als beispielhaft dafür, wie man das Schienennetz in Deutschland gemeinsam voranbringen könne. Die Vorstandsvorsitzende des ­Konzerns spielte damit wohl vor allem auf Planungserleichterungen an, die es für den Wiederaufbau im Ahrtal gab. Die strengen Vorgaben des Bau- und Planungsrechts wurden dafür teilweise ausgehebelt, was allerdings eine Ausnahme war. Hinzu kam, dass die Arbeiten an sieben Tagen in der Woche und im 24-Stunden-Betrieb stattfanden. 15 Brücken wurden neu gebaut, sieben saniert 15 Brücken, die von der Flut zerstört waren, mussten neu gebaut, sieben weitere saniert werden. Im Zuge dessen wurden die Flussquerungen hochwassersicherer gemacht: Durch Stahlpfähle in Betonschichten sollen die Brückenpfeiler größeren Wassermassen standhalten. Vor allem gibt es keine Pfeiler mehr im Flussbett. Unter den teils schmalen Brücken und vor den Pfeilern hatte sich bei der Flutkata­strophe im Juli 2021 viel Treibgut angesammelt, was erheblich zum Aufstauen des Flusses beitrug. Weitere fünf Tunnel wurden saniert und teilweise verbreitert. Es musste Platz geschaffen werden für Oberleitungen, denn die Bahnstrecke ist nun vollständig elek­trifiziert. Ein neues elektronisches Stellwerk soll eine höhere Auslastung der Strecke im 20-Minuten-Takt ermöglichen und verkürzt die Fahrzeit. Kleinere Arbeiten werden laut Bahn auch in den kommenden Wochen an verschiedenen Stellen noch ausgeführt, was allerdings den Fahrbetrieb nicht beeinträchtigen soll, wie es heißt. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, Alexander Schweitzer (SPD), sprach von einer Rückkehr der Normalität und einem positiven Signal für das Ahrtal. Nicht nur Pendler, die zur Arbeit nach Bonn fahren, nutzen die Bahn, auch Touristen. Die vielen Winzer der Region erhoffen sich durch die Ahrtalbahn mehr Gäste, die dadurch bei ihrer Rückfahrt nicht aufs Auto angewiesen sind. Nachdem der Bundesminister, die Bahnchefin und der Ministerpräsident am Freitagmittag eine erste Fahrt mit der Ahrtalbahn absolvierten, gab es kurz darauf auch eine öffentliche Fahrt. Bilder im Internet zeigen überfüllte Bahnsteige. Die Freude über die Rückkehr der Ahrtalbahn ist groß.