FAZ 06.02.2026
10:24 Uhr

Nach Brand in Darmstadt: GSI kann Teilchenbeschleuniger vorerst nicht nutzen


Der Großbrand auf dem Campus der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt ist zwar gelöscht. Für die Wissenschaftler hat das Feuer aber schwerwiegende Folgen.

Nach Brand in Darmstadt: GSI kann Teilchenbeschleuniger vorerst nicht nutzen

Am Tag nach dem schwerwiegenden Brand auf dem Campus der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) im Darmstädter Stadtteil Wixhausen ist die Feuerwehr noch mit Nachlöscharbeiten beschäftigt. Etwa 40 Einsatzkräfte sind noch an der Brandstelle tätig, wie ein Sprecher der Darmstädter Feuerwehr am Freitagmorgen sagte. Die Flammen seien gelöscht, die Feuerwehrleute kontrollieren den Einsatzort noch auf Glutnester. Die Brandschützer wollen ihren Einsatz aber im Laufe des Vormittags beenden. Wenn die Brandschützer die Einsatzstelle freigegeben haben, kann die Polizei ihre Arbeit beginnen. Ihre Aufgabe ist die Ermittlung der Brandursache, wie ein Sprecher auf Nachfrage angab. Das kann nach seinen Worten mehrere Tage dauern. Seit Donnerstagmorgen seien bis zu 300 Kräfte mit den Löscharbeiten beschäftigt gewesen. Die Einsatzleitung hat sich nach den Worten des Sprechers in einer 24-Stunden-Schicht direkt am Brandort postiert, die Feuerwehrleute wurden nach sechs bis zwölf Stunden Einsatz von Kollegen abgelöst. Hinzugezogen worden seien neben der Berufsfeuerwehr die freiwilligen Wehren aus allen Darmstädter Stadtteilen, außerdem Einheiten aus den Landkreisen Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau und Offenbach. Wegen der außergewöhnlich großen Brandstelle hätten die Feuerwehren aus Hanau und Ludwigshafen sowie die Werksfeuerwehren des Frankfurter Flughafens und des Industrieparks Wiesbaden unterstützt und zum Beispiel Teleskopmasten zur Verfügung gestellt. Die erwiesen sich der Feuerwehr zufolge als sehr hilfreich, weil die Halle, in der das Feuer ausgebrochen war, schwer zugänglich war. Die Feuerwehr Hanau habe mit einem Löschroboter geholfen, der unter Brandschützern als experimentelles Hilfsmittel gelte. In einem ersten Fazit sprach die Darmstädter Feuerwehr von einer guten Zusammenarbeit mit den anderen Wehren. Der Brand wird die Forschungsarbeit der Gesellschaft für Schwerionenforschung (GSI) zurückwerfen, wie ein Sprecher auf Nachfrage sagte. Das Feuer habe die Hochspannungsanlage zerstört, welche die Energie für die Erzeugung des Teilchenstroms liefere, der für Experimente benötigt wird. Ursache des Brandes sei vermutlich ein Kurzschluss. Deshalb müsse derzeit der bestehende Teilchenbeschleuniger der GSI stillstehen, auch wenn dieser nicht beschädigt worden sei. Auf dem Gelände der GSI wird gerade eine neue, große Anlage errichtet, der Teilchenbeschleuniger FAIR. Die Baustelle sei zwar von dem Brand nicht betroffen. Die Inbetriebnahme des Großprojekts werde aber trotzdem zeitlich zurückgeworfen, weil die neue Anlage FAIR auf die bestehende Technik der GSI angewiesen sei. Denn für den Betrieb von FAIR sei vorgesehen, dass mit den bestehenden Apparaten der GSI der Teilchenstrom erzeugt werde, der dann in die neue Forschungsanlage FAIR eingespeist werden soll. Der hessische Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) hatte deshalb am Donnerstag von einem „schwarzen Tag“ für den Wissenschaftsstandort gesprochen, weil der Brand den Bau von FAIR verzögere. Die Landesregierung halte trotzdem an dem Großprojekt fest, das nach bisherigen Schätzungen mehr als drei Milliarden Euro kosten wird. Der bestehende Teilchenbeschleuniger der GSI war gerade nicht in Betrieb, als am Donnerstagmorgen das Feuer ausbrach, wie der Sprecher der Forschungseinrichtung berichtete. Die Anlage habe sich in einer Wartungsphase befunden. In den Hochspannungsapparaten sei am Donnerstagmorgen Energie erzeugt worden, weil der Beschleuniger für einen Probebetrieb hätte anlaufen sollen. Der reguläre Forschungsbetrieb mit wissenschaftlichen Experimenten sei erst wieder für September vorgesehen gewesen. Wann die Forscher nun die Anlage nun tatsächlich wieder nutzen können, sei noch nicht absehbar.