FAZ 04.01.2026
07:14 Uhr

Nach Brand: Stromausfall in Berlin könnte bis Donnerstag dauern


Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt blieben 45.000 Haushalte im Südwesten Berlins auch über Nacht ohne Elektrizität. Der Berliner Staatsschutz prüft ein Bekennerschreiben, das den Ermittlern vorliegt.

Nach Brand: Stromausfall in Berlin könnte bis Donnerstag dauern

Nach dem großflächigen Stromausfall hat der Südwesten Berlins die erste Nacht in Kälte und Dunkelheit verbracht. Viele Menschen aus den betroffenen 45.000 Haushalten und 2200 Firmen suchten Zuflucht bei Freunden oder Familie oder in einer Notunterkunft. Wie viele letztlich bei Schnee und Kälte in ihren oft nicht mehr beheizbaren Häusern ausharrten, war zunächst unklar. Betroffen waren die Stadtteile Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde. Die Schäden am Stromnetz sind nach Angaben des Betreibers Stromnetz Berlin so schwerwiegend und die Reparatur so kompliziert, dass die Notlage außergewöhnlich lange dauern wird: Erst am Donnerstagnachmittag könnten wohl alle Stromkunden wieder versorgt werden, hieß es von Stromnetz Berlin. Giffeys Sprecherin sagte, normalerweise würde die Verlegung solcher Hochspannungskabeln fünf Wochen in Anspruch nehmen. Binnen weniger Tage werde nun zunächst ein Provisorium errichtet. Die Brandursache war zunächst unklar. Nach Angaben der Polizei wird wegen des Verdachts der Brandstiftung ermittelt, rund 300 Beamte waren am Samstag im Einsatz. Die Ermittler können derzeit nicht ausschließen, dass es sich bei dem Vorfall um einen Brandanschlag handelte. Wie die Polizei am Samstagnachmittag mitteilte, liegt dem Berliner Staatsschutz inzwischen ein Bekennerschreiben vor. „Unsere Kolleginnen und Kollegen prüfen derzeit die Authentizität dieses Schreibens“, schrieb die Behörde auf X. „Aufgrund der entstandenen erheblichen Schäden wird die Reparatur der Kabel sehr lange dauern“, teilte Stromnetz Berlin mit. „Aktuell arbeitet Stromnetz Berlin am Aufbau eines Provisoriums. Wir rechnen mit einer vollständigen Wiederversorgung aller Kundinnen und Kunden bis kommenden Donnerstagnachmittag (8.1.2026).“ Nötig sei umfangreicher Tiefbau und Kabelzug. Dies werde durch das Winterwetter erschwert.  Außerdem laufe noch die Spurensicherung am Brandort. Der Bezirk Steglitz-Zehlendorf richtete Notunterkünfte ein, auch das Gemeindehaus der Emmaus-Kirchengemeinde öffnete zeitweise für Menschen, die sich aufwärmen und ihre Handys aufladen wollten. Das Rathaus Zehlendorf stellte hierfür sein Foyer zur Verfügung. Im Jugendkeller der Paulus-Gemeinde und im Matthäus Gemeindehaus am Steglitzer Kreisel können sich die Menschen ab den Morgenstunden aufwärmen. Der Bezirk schrieb aber auch: „Da der Stromausfall noch auf unbestimmte Zeit andauern wird, weichen Sie bitte auf Familie, Freunde und Bekannte aus.“ Heizung ausgefallen Die Polizei zeigte mit Hunderten Beamten verstärkt Präsenz auf den dunklen, verschneiten Straßen. An einigen Punkten errichtete sie Lichtmasten, um mehr Sicherheit und Sichtbarkeit zu schaffen. Der Stromausfall bedeutete auch, dass neben der Straßenbeleuchtung auch Alarmanlagen nicht mehr funktionierten. Schon tagsüber mussten Supermärkte und viele Läden schließen, weil ohne Elektrizität nichts mehr ging. Heizungen funktionieren ohne Strom ebenfalls meist nicht, weil der für Pumpen und Regler gebraucht wird. Sogar die Fernwärme war nach Angaben des Senats beeinträchtigt, weil die Pumpen ohne Strom die Wärme nicht zuverlässig transportieren. Ähnliche Dimension wie im September Von der Dimension ist der Stromausfall nach seinen Worten vergleichbar mit einem ähnlichen Fall im September im Südosten Berlins. Auch dort sprach der Betreiber Stromnetz Berlin von zunächst 50.000 Kunden. Der Stromausfall zog sich über Tage hin. Ursache damals war ein politisch motivierter Brandanschlag auf zwei Strommasten. Die Polizei wies in sozialen Netzwerken darauf hin, dass durch den Stromausfall auch Mobil- und Festnetzverbindungen beeinträchtigt sein könnten. In dringenden Fällen sollten Menschen die Polizisten direkt ansprechen oder auf die nächste Wache oder Feuerwache gehen. Die Feuerwehr habe zudem am Rathaus Wannsee, an der Carl-Schumann-Sportanlage und am Mexikoplatz Notrufannahmestellen eingerichtet, an denen ein Notruf abgesetzt werden könne.„Bleiben Sie aufmerksam, helfen Sie gegebenenfalls Nachbarinnen beziehungsweise Nachbarn und wählen Sie den direkten Weg zur nächsten Wache, falls ein Notruf nicht möglich ist“, hieß es in einem Post auf X. „Lieber Taschenlampen als Kerzen benutzen“ Feuerwehr und Bezirk kündigten zudem sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme an, also Anlaufstellen mit Informationen und Strom zum Laden von Akkus. Läden und Supermärkte in dem vom Stromausfall betroffenen Gebiet sind geschlossen – aber in Nachbarbezirken funktioniert der Strom und man kann einkaufen. Unter anderem die S-Bahnen fahren, wie die S-Bahn Berlin mitteilte. An einigen Bahnhöfen gebe es jedoch keine Fahrgastinformationen und die Automaten und Entwerter funktionierten nicht. Zu Fuß oder mit dem Fahrrad sollte man wegen des Schnees besonders vorsichtig sein. Die Polizei riet dazu, bei Ausfall der Heizung zu prüfen, ob man vielleicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen kann. Wer selbst helfen kann, sollte dies hilfsbedürftigen oder älteren Menschen anbieten. Vorsicht gelte bei der Suche nach anderen Wärmequellen, die in Innenräumen gefährlich sein können. Die Berliner Feuerwehr warnte ausdrücklich vor gasbetriebenen Heizquellen. Auch wenn es kalt ist, sollte man regelmäßig lüften, vor allem wenn Kerzen brennen. Diese dürfe man nicht unbeaufsichtigt lassen, rät die Feuerwehr. „Lieber Taschenlampen als Kerzen benutzen.“ Heiße Getränke oder kleine Mahlzeiten kann man auf einem Gas-Campingkocher zubereiten, wie das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe schrieb. Grillen mit Holzkohle oder Gas sollte man aber keinesfalls in der Wohnung. „Es besteht Erstickungsgefahr“, warnt das Bundesamt.