FAZ 06.01.2026
14:21 Uhr

Nach Angriff auf Venezuela: Trumps Droh-Liste wird immer länger


Nach der Gefangennahme Maduros hat Präsident Trump über weitere militärische Operationen gesprochen. Um diese Länder geht es.

Nach Angriff auf Venezuela: Trumps Droh-Liste wird immer länger

In Venezuela hat ein Gericht Delcy Rodríguez als geschäftsführende Präsidentin vereidigt. Der venezolanischen Verfassung zufolge müsste sie bei einer dauerhaften Abwesenheit des Präsidenten innerhalb von 30 Tagen Neuwahlen ansetzen. Ob Rodríguez die aktuelle Lage als eine solche dauerhafte Abwesenheit bewertet, ist allerdings unklar. Der amerikanische Präsident Donald Trump schätzt, dass es in den nächsten 30 Tagen keine Neuwahl geben werde. „Wir müssen das Land zuerst wieder in Ordnung bringen. Man kann keine Wahlen abhalten“, sagte er dem Sender NBC News. Parallel droht seine Regierung weiteren Ländern. Allen voran in der eigenen Nachbarschaft. Ein Überblick: Mexiko Nur wenige Stunden nach dem Einsatz in Venezuela stellte Trump auch die Autorität von Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum infrage. Diese hatte amerikanische Einsätze gegen Drogenkartelle in ihrem Land abgelehnt. „Sie regiert Mexiko nicht, das tun die Kartelle. Wir müssen mit Mexiko etwas tun“, sagte Trump. Sheinbaum geht indes nicht von einem Einmarsch der USA aus. „Ich glaube nicht, dass es eine Invasion geben wird“, sagte Sheinbaum am Montag. „Ich glaube nicht einmal, dass es etwas ist, das sie ernsthaft in Erwägung ziehen.“ Trump habe zwar mehrmals darauf bestanden, dass die US-Armee in Mexiko einmarschieren dürfe, um die Kartelle auszuschalten. „Wir haben sehr entschieden Nein gesagt – erstens, weil wir unsere Souveränität verteidigen, und zweitens, weil es nicht notwendig ist.“ Mexiko sei ein souveränes Land, das mit den USA im Kampf gegen den Drogenschmuggel und in Sicherheitsfragen zusammenarbeite. Trump deutet bereits seit Längerem ein militärisches Vorgehen gegen die in Mexiko operierenden Drogenkartelle an. Kurz nach seiner Rückkehr ⁠ins Weiße Haus vor einem Jahr stufte seine Regierung das Sinaloa-Kartell und andere Drogenbanden als terroristische Organisationen ein. Kolumbien Über das Nachbarland Venezuelas sagte Trump, es sei „sehr krank“. Er bezeichnete Kolumbiens Staatschef Gustavo Petro als „kranken Mann“, der es liebe, „Kokain zu produzieren und es in die Vereinigten Staaten zu verkaufen“. Das werde er „nicht mehr lange machen“, sagte Trump – ohne ins Detail zu gehen, was er konkret damit meinte. „Er muss auf sich aufpassen.“ Auf die Nachfrage einer Journalistin, ob es einen Militäreinsatz gegen Kolumbien geben werde, sagte Trump nun: „Das klingt für mich gut.“ Petro kündigte eine entschlossene Reaktion an, sollte es wirklich so weit kommen. „Ich habe geschworen, nie wieder eine Waffe anzupacken“, schrieb der frühere Guerillakämpfer am Montag auf der Plattform X. „Aber für das Vaterland würde ich wieder zu den Waffen greifen.“ Zwischen dem Kolumbianer und Trump ist die Stimmung seit dessen Rückkehr ins Weiße Haus angespannt. Petro war 2022 als erster Vertreter der Linken in Kolumbien zum Präsidenten gewählt worden, im Mai stimmen die Kolumbianer wieder über ihren Staatschef ab. Fachleute gehen davon aus, dass der Sieger aus dem rechten Lager kommen dürfte – was Trump freuen sollte. Kuba Mit Blick auf Kuba war es US-Außenminister Marco Rubio, der sich zuletzt zu der dortigen Regierung äußerte. Er bezeichnete sie als „riesiges Problem“. Das sagte er dem Sender NBC auf die Frage, ob nach dem Angriff auf Venezuela nun Kuba folge. „Es ist kein Geheimnis, dass wir keine großen Fans des kubanischen Regimes sind.“ Dieses habe Venezuelas nun entmachteten Staatschef Nicolás Maduro unterstützt, sagte Rubio weiter. „Wenn ich in Havanna leben und in der Regierung sein würde, wäre ich besorgt.“ Trump scheint jedoch vorerst keine weiteren militärischen Maßnahmen gegen Kuba zu erwägen. „Nein, Kuba wird aus eigenem Antrieb fallen. Kuba geht es sehr schlecht“, sagte Trump in einem Interview der „New York Post“. Auf Rubios Drohung ging die Regierung in Havanna nicht ein. Präsident Miguel Díaz-Canel ordnete für Montag und heute Staatstrauer an in Gedenken an die 32 bei dem US-Angriff auf Venezuela getöteten Kubaner. Die kubanischen Soldaten waren bei der Gefangennahme Maduros in der Nacht auf Samstag ums Leben gekommen. Nach Angaben der regierenden Kommunistischen Partei Kubas waren sie auf Bitten der venezolanischen Behörden dorthin entsandt worden. Grönland Immer wieder äußert sich Trump auch zu Grönland. Zuletzt sagte er am Wochenende: „Wir brauchen Grönland mit Blick auf die nationale Sicherheit.“ Die Insel sei von großer strategischer Bedeutung, sei aktuell aber von russischen und chinesischen Schiffen umgeben. „Dänemark wird das nicht schaffen, das kann ich Ihnen sagen“, sagte Trump. Auch für die Europäische Union sei klar, dass die USA Grönland haben sollten, behauptete Trump. Aus Nuuk hieß es, Grönland strebe eine Stärkung seiner Beziehungen zu den USA an, und seine Bürger sollten keine Angst vor einer bevorstehenden Übernahme durch die Amerikaner haben, sagte Grönlands Regierungschef Jens-Frederik Nielsen am Montag. „Wir sind nicht in einer Situation, in der wir glauben, dass eine Übernahme des Landes über Nacht stattfinden könnte“, sagte Nielsen. „Man kann Grönland nicht mit Venezuela vergleichen. Wir sind ein demokratisches Land.“ Zuvor hatte er auf Facebook geschrieben: „Genug ist genug … Keine Phantasien mehr über eine Annexion.“ Auch die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen äußerte sich zu Trumps Drohungen: „Leider muss man den amerikanischen Präsidenten ernst nehmen, wenn er sagt, dass er Grönland haben will“, sagte sie im Dänischen Rundfunk. Kopenhagen und Nuuk hätten deutlich gemacht, dass Grönland nicht Teil der Vereinigten Staaten werden wolle. Und Frederiksen warnte: „Wenn die Vereinigten Staaten ein anderes NATO-Land angreifen, kommt alles zum Stillstand.“ Iran Nach den Berichten über Tote bei den derzeitigen Protesten in Iran hat Trump auch der Führung in Teheran gedroht. Die USA beobachteten die Demonstrationen sehr genau, sagte Trump während eines Flugs nach Washington zu Journalisten. „Wenn sie damit anfangen, Leute zu töten, wie sie es in der Vergangenheit auch getan haben, dann werden sie, denke ich, von den Vereinigten Staaten sehr hart getroffen werden“, sagte Trump. Unklar blieb, welche Schritte die USA erwägen. Irans Außenminister Abbas Araghchi nannte Trumps Drohung „leichtsinnig und gefährlich“. Er sagte, dass die iranischen Streitkräfte in Bereitschaft seien und im Falle eines Angriffs „genau wüssten, wo sie zuschlagen müssen“. Iran werde „jede Einmischung in seine inneren Angelegenheiten entschieden zurückweisen“, fügte er hinzu. Teheran hat zudem den UN-Generalsekretär und den Präsidenten des UN-Sicherheitsrats (UNSC) aufgefordert, die „rechtswidrigen Drohungen“ von Trump gegenüber Teheran angesichts der anhaltenden Proteste im Land zu verurteilen.