FAZ 16.01.2026
13:35 Uhr

NBA-Spiel in Berlin: Eine spezielle Mischung von Sport und Entertainment


Die NBA spielt erstmals in Deutschland. Das Begleitprogramm in Berlin changiert ein bisschen zwischen Friedrichstadt-Palast und Neon-Späti. Am Ende aber fügt sich alles in die große Erzählung.

NBA-Spiel in Berlin: Eine spezielle Mischung von Sport und Entertainment

Es ist natürlich nur ein haltloses Gerücht, dass der Berliner Bürgermeister in Kai Wagner umbenannt worden wäre. Überrascht allerdings hätte es wohl niemanden in einer Woche, in der sich von Anfang an viel und dann immer mehr um die Wagner-Brüder drehte. Und das so schnell, dass sie selbst nicht mehr hinterherzukommen schienen. „Ich bin ja selbst Fan. Erst danach kommt der Gedanke, dass ich Teil davon bin“, sagte Moritz am späten Donnerstagabend über die große Basketballshow in der Uber Arena. Aber auch so schnell, dass das Spiel zuerst nicht hinterherkam, als Moritz und Franz tatsächlich und leibhaftig auf dem Platz standen im ersten regulären NBA-Spiel auf deutschem Parkett. Es fügt sich alles in die große Erzählung Es dauerte ziemlich lange, ehe ein Wagner – oder überhaupt ein Deutscher, Tristan da Silva spielte ja auch mit – nennenswert in Erscheinung trat beim 118:111 der Orlando Magic gegen die Memphis Grizzlies. Erst in Minute 13 erzielte Franz seine ersten Punkte, im selben Viertel lagen seine Magic später sogar mit 20 Punkten zurück. Aber dann fügte sich doch noch alles in die große Erzählung dieser Tage. Mit Moritz, der in einem „Energiespiel“, wie er es nannte, seine Rolle fand: als Mann für das Emotionale, der in jeder Hinsicht gern „all in“ geht, mit Kinnwunde als passendem optischem Akzent. Der Ältere der Berliner Brüder zeigte in seinem zweiten Spiel nach einem Kreuzbandriss, dass er ein wertvoller Impuls von der Bank sein kann, nicht zuletzt in der Defense; offensiv kam er auf sieben Punkte. Und mit Franz als „Mann für die großen Momente“, wie es Coach Jamahl Mosley formulierte. Gegen Ende hatte Wagner, der Jüngere, tatsächlich noch eine Reihe von entscheidenden Aktionen, von der Dreierlinie, beim Freiwurf, beim Rebound, und kam allein im letzten Viertel auf 13 seiner 18 Punkte. Auch er hatte zuletzt wegen einer Knöchelverletzung gefehlt. Es ging ja auch sportlich um etwas Als er gefragt wurde, ob ein Spiel der Comebacks wie dieses der bislang wechselhaften Saison der Magic noch mal einen Kick geben könne, sagte er: „Nicht dieses Spiel, aber wenn wir uns offensiv noch verbessern, können wir einen sehr, sehr langen Postseason-Run haben.“ Das durfte man bei allem Drumherum ja nicht vergessen: dass es auch sportlich um etwas ging. Und eben nicht nur darum, dass die NBA in der Stadt ist, die für großes Entertainment steht, was dem Hallensprecher eine Verpflichtung zu entsprechender Daueranimation schien. „Free Stuff den ganzen Abend“ versprach er den Fans aus 62 Ländern, die bis zu 1000 Euro für die Karten gezahlt hatten, bevor es wieder und wieder Gratis-T-Shirts regnete. Das Begleitprogramm changierte so manchmal ein bisschen zwischen Friedrichstadt-Palast und Neon-Späti, und richtig auf Touren kamen die knapp 14.000 Fans, darunter etliche A-, B- und C-Promis, erst, als die Partie auch sportlich Fahrt aufnahm. Alles in allem aber war die insgesamt hochprofessionell auftretende NBA genau der Gast, den man sich in Berlin gewünscht hatte. Vor dem Spiel hatte Adam Silver, der Commissioner, über die spezielle Mischung von Sport und Entertainment gesprochen und ausführlich seine Vision der neuen europäischen Liga geschildert, die im Herbst 2027 an den Start gehen soll, unter der Führung der NBA und unter dem Dach des Basketball-Weltverbands (FIBA). Basketball in Euroleague überwiegend hochdefizitär Es solle ein Produkt mit globaler Ausstrahlung werden, sagte er, große Namen sind im Gespräch. Es ist kein Zufall, dass Silver von der europäischen Fußballkultur schwärmte; mit dem Fußball möchte er gemeinsame Sache machen, groß genug für beide sei der Markt ohnehin. Allerdings muss sich auch hier noch zeigen, ob und wie schnell die Realität dem Hype hinterherkommt, der gerade rund um diese Liga entfacht werden soll, um sie für Investoren und Medienpartner attraktiv zu machen, auch mit dem Berliner Spiel, dem ein weiteres in London am Sonntag folgt. Basketball mag der am schnellsten wachsende Sportmarkt in Europa sein, mit dem deutschen an der Spitze, bislang aber war er in seiner prominentesten Ausprägung, der Euroleague, überwiegend hochdefizitär. Bei den Vertretern der örtlichen Branchengröße Alba unterdessen freute man sich über einen Satz Silvers, der fast klang wie „Ich bin ein Berliner“ – oder sogar ein bisschen besser: „Alba ist das Modell eines Klubs, wie wir ihn in der Liga sehen wollen“, sagte Silver, insbesondere mit Blick auf die Nachwuchsarbeit.  Aber auch diese Phantasie will, bevor sie in der NBA Europe Realität wird, noch mit entsprechenden Zahlen unterfüttert werden. Für Berlin-Besucher ohne Sportinteresse ist nun, da der Zirkus weitergezogen ist, der Richard-Wagner-Platz wieder zweifelsfrei als solcher zu finden. Die Berliner Verkehrsgesellschaft hatte die U-Bahn-Station wahlweise in Franz- oder Moritz-Wagner-Platz umbenannt und entsprechend beschildert. Der Bürgermeister wiederum heißt weiter Wegner, auch wenn der Basketballbesuch aus Amerika womöglich eine willkommene Abwechslung vom missglückten Tennis war.