FAZ 23.01.2026
13:32 Uhr

NAch Wahl in Uganda: „Wir werden sie alle kriegen“


Schon 2000 Menschen seien verhaftet worden, verkündet Ugandas Militärchef nach der Präsidentenwahl. Das soll für die Anhänger der Opposition aber erst der Anfang sein, droht er.

NAch Wahl in Uganda: „Wir werden sie alle kriegen“

Der Chef der Streitkräfte in Uganda hat gut eine Woche nach der Präsidentschaftswahl die Jagd auf Anhänger der Opposition angekündigt. Bisher seien 2000 Menschen festgenommen und 30 getötet worden, schrieb General Muhoozi Kainerugaba, der Sohn des Präsidenten Yoweri Museveni, auf der Plattform X in der Nacht zum Freitag. „Die meisten NUP-Terroristen verstecken sich. Aber wir werden sie alle kriegen“, setzte er in einem weiteren Post hinzu. Die National Unity Plattform (NUP) ist die Partei des Oppositionspolitikers Bobi Wine, der zum zweiten Mal gegen Museveni in einer Wahl angetreten ist. Kainerugaba nennt Oppositionelle regelmäßig „Terroristen“, „Rebellen“ oder „Hooligans“. Der 81 Jahre alte Museveni regiert das ostafrikanische Land seit 40 Jahren. Nach Angaben der Wahlkommission hat er die Wahl in der vergangenen Woche mit knapp 72 Prozent gewonnen, Wine erreichte 25 Prozent. Der frühere Pop-Musiker, der vor allem unter jungen Ugandern zahlreiche Anhänger hat, befindet sich seit dem Wahltag an einem unbekannten Ort. Nach der Stimmabgabe gelang es ihm nach eigenen Worten, aus seinem vom Militär und der Polizei belagerten Haus zu flüchten. Er bezeichnete das Wahlergebnis in mehreren Interviews als gefälscht, will es aber nicht anfechten, weil die Gerichte in Uganda nicht unabhängig seien. Stattdessen rief er seine Anhänger zu „friedlichem Protest und anderen legalen Schritten“ auf, um die „Demokratie zu beschützen“. Internetsperre während der Wahl Der 43 Jahre alte Wine, der mit bürgerlichem Namen Robert Kyagulanyi heißt, wurde unzählige Male über die Jahre hinweg festgenommen. Nach der Wahl vor fünf Jahren musste er mehrere Tage lang im „Hausarrest“ verbringen, weil das Militär sein Haus umstellt hatte. Der Präsidentensohn und Chef der Streitkräfte ist bekannt dafür, vor allem nachts hetzerische Posts auf der Plattform X zu verfassen. Sein Verhalten führte schon zu mehreren diplomatischen Eklats, hat seiner Karriere aber bisher nicht geschadet. So hatte er 2022 verkündet, seine Truppen könnten binnen zwei Wochen Kenias Hauptstadt Nairobi einnehmen. Im vergangenen Jahr kam es unter anderem zu einem Zerwürfnis mit dem deutschen Botschafter in Uganda, dem das Verteidigungsministerium und die Streitkräfte in einer offiziellen Mitteilung „illegale und heimliche Aktivitäten“ vorgeworfen hatten. Vor der diesjährigen Wahl hatte Kainerugaba in einem Post geschrieben, er würde Bobi Wines „Kopf nehmen“, wenn sein Vater nicht da wäre. Kainerugaba hat schon mehrfach bekundet, seinem Vater als Präsident nachfolgen zu wollen. Viele Ugander vermuten, dass Museveni ihn darauf vorbereitet. Die Präsidentenwahl fand während einer mehrere Tage langen Internetsperre statt. Die Sicherheitskräfte hatten nach damaligen Schätzungen der Partei von Bobi Wine mehrere hundert ihrer Anhänger festgenommen, mehreren Menschenrechtsorganisationen wurde die Zulassung vorübergehend entzogen. Mittlerweile ist das Internet wieder verfügbar, das Alltagsleben kehrte vielerorts zurück, doch die Unterdrückung der Opposition setzt sich fort. Am Donnerstag wurde der Abgeordnete und Vize-Parteichef der NUP, Muwanga Kivumbu, festgenommen.