FAZ 26.07.2026
20:47 Uhr

Mychajlo Fedorow: Italien will von ukrainischen Erfahrungen profitieren


Kurz nach seiner Entlassung als ukrainischer Verteidigungsminister bekommt Mychajlo Fedorow einen Anruf: Ob er nicht Italiens Verteidigungsministerium beraten wolle?

Mychajlo Fedorow: Italien will von ukrainischen Erfahrungen profitieren

Der italienische Verteidigungsminister Guido Crosetto hat seinem jüngst entlassenen ukrainischen Amtskollegen Mychajlo Fedorow einen Job in Italien angeboten. Der Tageszeitung „La Repubblica“ sagte Crosetto, er habe Fedorow am Tag nach dessen Entlassung durch Präsident Wolodymyr Selenskyj angerufen und ihn gefragt: „Wann möchtest du nach Rom kommen, um als Berater mit mir zusammenzuarbeiten?“ Fedorow habe sich von dem Zeichen der Solidarität aus Rom berührt gezeigt, sagte Crosetto. Der Verteidigungsminister gilt als einer der engsten Vertrauten der italienischen Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Crosetto, der vor seinem Ruf ins Kabinett vom Oktober 2022 viele Jahre als Manager in der Rüstungsindustrie tätig war, bezeichnete den 35 Jahre alten Fedorow als „Personifizierung der Innovation“. Fedorow habe zu jenen gehört, „welche die Spielregeln auf dem Schlachtfeld grundlegend verändert haben, indem sie die Ukraine zunächst in die Lage versetzten, Widerstand zu leisten und sodann selbst die Initiative zu ergreifen“. Vorwürfe an die Konkurrenz rechts außen Italien, Deutschland und Frankreich stünden vor denselben strukturellen Problemen in der Verteidigungspolitik wie die Ukraine, sagte Crosetto. „Die Militär- und Rüstungsplaner haben sich an eine Vorlaufzeit von mindestens zehn Jahren gewöhnt. Heute droht jede neu entwickelte Waffe schon in sechs Monaten veraltet zu sein.“ Der Verteidigungsminister kündigte zusätzliche Waffenlieferungen Roms an Kiew an, ohne Einzelheiten zu nennen. Um neue Rüstungspakete für die Ukraine zu schnüren, brauche man auch neue Waffen und Ausrüstung, sagte der Minister. „Anfangs hieß es von der Ukraine: Schickt uns, was ihr habt. Heute sieht die Lage anders aus. Der Bedarf ist viel spezifischer geworden. Wir sprechen von hochkomplexen Waffen, darunter Luftverteidigungssysteme der jüngsten Generation, die auch bei uns knapp sind. Die Nachfrage ist hundertmal größer als das Angebot. Es ist nicht einfach, den Ukrainern zu helfen, selbst wenn wir das wollen.“ Mit Blick auf die heimische Opposition zeigte sich Crosetto überrascht, dass Linkspopulisten wie der frühere Ministerpräsident Giuseppe Conte und der pensionierte Heeres-General Roberto Vannacci mit seiner Rechts-außen-Partei Nationale Zukunft Akteure wie Russland und China als „systemische Feinde völlig unterschätzen“ würden. „Wie kann man Russland nach dem, was wir in den letzten vier Jahren erlebt haben, nicht als Bedrohung betrachten?“, fragte Crosetto. Die russische Außenamtssprecherin Maria Sacharowa reagierte derweil mit Sarkasmus auf Crosettos Angebot an Fedorow. Auf Telegram zeigte sie sich „überrascht“, dass Rom bei der Beratersuche auf niemand anderen als ausgerechnet auf Fedorow verfallen sei. „Schade, dass Osama bin Laden das nicht mehr miterleben konnte. Er wäre ein hervorragender Berater für die italienische Regierung gewesen“, schrieb Sacharowa.