FAZ 15.02.2026
10:09 Uhr

Museum zu Beziehungsenden: „Trennungen sind genauso wichtig wie Hochzeiten“


Valentinstag, Jahrestage, Hochzeiten: Wir lieben es, romantische Beziehungen zu feiern. Doch was, wenn sie vorbei sind? Ein Museum in Zagreb befasst sich mit Trennungen – und stellt Gegenstände zerbrochener Beziehungen aus.

Museum zu Beziehungsenden: „Trennungen sind genauso wichtig wie Hochzeiten“

Herr Grubišić, Sie und Ihre frühere ­Partnerin haben nach Ihrer Trennung ein Museum eröffnet, das Gegenstände und die Geschichten zerbrochener Beziehungen ausstellt. Wie kam das? Wir konnten kein Haustier haben, weil wir zu viel unterwegs waren. Also hatten wir ein Plüschhäschen. Wenn einer von uns ohne den anderen verreiste, nahm er das Häschen mit und machte Fotos davon. Nach unserer Trennung wussten wir nicht, wohin damit. Es erinnerte uns an etwas, das uns damals niederschmetterte. Wir wollten das Häschen aber auch nicht wegwerfen oder verbrennen, wie es die meisten Zeitschriften empfehlen. Wir dachten uns: Wäre es nicht toll, wenn es einen Ort gäbe, wohin man es schicken könnte. Dann wüssten wir, dass es noch sicher ist, aber es steht nicht mehr im Regal und erinnert einen jeden Tag daran. Und da ich Künstler bin und sie Produzentin, war es logisch, eine Ausstellung zu entwickeln. Mit Erfolg. Ihr Museum in Zagreb gibt es seit 20 Jahren, Sie zeigen Ihre Ausstellungen weltweit, haben 2025 ein Museum in Chiang Mai in Thailand eröffnet. Warum ist das Konzept so erfolgreich? Für alle Feiern wie Geburten, Schul­abschlüsse und Hochzeiten gibt es Rituale. Trennungen sind genauso wichtig und dennoch oft versteckt. Die Möglichkeit, die Geschichte aufzuschreiben, diesen Gegenstand zu nehmen, ihn in eine Schachtel zu legen und ihn buchstäblich wegzuschicken, schafft eine Art Ritual, das den Menschen bei Trennungen hilft. Für Ihre erste Ausstellung haben Sie bei Ihren Freunden, Ihrer Familie und Bekannten nach Gegenständen gefragt. Hat Sie die Vielfalt überrascht? Ich dachte, wir würden nur Plüschtiere und Briefe bekommen. Aber die erste Ausstellung umfasste 46 Objekte. Inzwischen haben wir mehr als 4600 Gegenstände und Geschichten: Handschellen, Axt, Gartenzwerg, Kleidungsstücke, Spielzeug. Die meisten Gegenstände sind relativ klein. Uns wurden aber auch schon ein großer Konzertflügel aus London, ein Bus aus Schweden und ein Jeep aus Korea angeboten. Die mussten wir aber leider ablehnen, da wir in unseren Lagerräumen außerhalb von Zagreb nicht genug Platz dafür hatten. Warum bewahren viele Menschen solche Gegenstände auf? Wir brauchen materielle Dinge als Erinnerungen. Das Stärkste, was Erinnerungen auslöst, ist der Geruch. Danach kommen physische Objekte. Als wir begannen, ­probierten wir verschiedene Ausstellungs­metho­den aus. Viele Besucher gingen immer direkt zu den echten Objekten und ­ignorierten die Fotos von Gegenständen. Wie wählen Sie aus, welche Objekte ausgestellt werden? Wir brauchen dafür zu dritt etwa ein Jahr. Wir lesen alles, überlegen uns Themen, wählen dann Objekte aus, die diese am besten beschreiben, und diskutieren. Wir beginnen immer mit leichteren, lustigeren, einfacheren Geschichten, und je tiefer Sie in die Ausstellung eintauchen, desto schwerer wird es. Am Ende geht es wieder nach oben. Wir schaffen also eine Art ­kleine Achterbahnfahrt der Emotionen. Was sollen Besucher mitnehmen? Als Künstler kann man von seiner Kunst höchstens erwarten, dass sie Menschen bewegt, sodass sie darüber sprechen, ­diskutieren und nachdenken. Ich glaube, wir haben das gut gemacht. Ich sitze oft in dem Café neben dem Museum und höre dabei den Gesprächen der Besucher zu. Meistens beginnen sie mit zwei Fragen. Die eine lautet: „Was hat dir am besten ­gefallen?“ Und die andere: „Was würdest du spenden?“ Dann sprechen sie über ihr Leben und ihre Beziehungen. Das wollten wir erreichen: Menschen zum Nach­denken anregen. Sie müssen inzwischen Tausende Trennungsgeschichten gelesen haben. Was macht eine zerbrochene Beziehung aus? Alles zählt, was Zeit und Herz in Anspruch genommen hat und irgendwie endete. Alle Arten von emotionalen Beziehungen, auch die, bei denen die andere Seite nichts davon wusste, auch familiäre Beziehungen, Geschäftsbeziehungen. Wir trennen uns von Religionen, von Ländern, von Politikern . . . Deshalb heißt unser Museum nicht Museum gebrochener Herzen, sondern Museum zerbrochener Beziehungen. Stellen Sie bei den eingesendeten Gegenständen und Geschichten kulturelle Unterschiede im Umgang mit zerbrochenen Beziehungen fest? Französische Geschichten sind oft in der dritten Person geschrieben. Amerikanische und britische Geschichten sind meist sehr journalistisch: wann, wer, was, warum und so weiter. Geschichten aus Asien enden eher mit Wertschätzungen: Es tut mir leid, dass es nicht geklappt hat, aber ich bin froh, dass es passiert ist. Das findet man in westlichen Beschreibungen fast gar nicht. Wir sind also viel mehr auf uns selbst, unsere Sichtweise, unseren Standpunkt, unsere Gefühle ausgerichtet. Welche Rolle spielen soziale Medien? Durch soziale Medien ist der Druck, ein perfektes Leben zu präsentieren, in den vergangenen zehn bis 15 Jahren enorm ­gestiegen. Ich kenne einige, die im wirk­lichen Leben unglücklich sind, aber wenn man sich ihr Instagram- und Facebook-Profil ansieht, scheinen sie ein phantastisches, wunderschönes und interessantes Leben zu führen. Das ist nicht hilfreich. Seit mehr als 20 Jahren arbeiten Sie und Olinka Vištica durch das Museum zusammen. Eine lange Beziehung – dabei wollten Sie sich eigentlich trennen, oder? Olinka macht darüber Witze. „Ich wollte dich loswerden, aber jetzt hänge ich schon seit 20 Jahren an dir.“ Ich verstehe mich mit all meinen früheren Partnerinnen gut. Manchmal war es ihre Schuld, manchmal meine Schuld, oder es hat einfach nicht funktioniert. Aber wir hatten diesen ­Moment in unserem Leben. Einige leben nicht mehr in Kroatien, aber wenn sie nach Kroatien zurückkommen, rufen sie mich an, um einen Kaffee zu trinken, erzählen mir, wie ihr Leben so läuft.